Im Streik vereint: Rund 150 Mitarbeiter des Schongauer Krankenhauses haben gestern gegen den bundesweiten Personalmangel an Krankenhäusern demonstriert. Die Schilder mit den Zahlen symbolisieren die Zahl an Mitarbeitern, die in Krankenhäusern laut der Gewerkschaft ver.di derzeit fehlen. jos

Gemeinsamer Kampf am und ums Krankenhaus

Schongau - Bundesweit fehlen in deutschen Krankenhäusern über 162 000 Beschäftigte. Gegen diesen Missstand hat die Belegschaft des Schongauer Krankenhauses demonstriert.

Bundesweit fehlen in deutschen Krankenhäusern über 162 000 Beschäftigte, im Schnitt 19 Prozent der Mitarbeiter. Umgerechnet auf das Krankenhaus Schongau sind das 14 Mitarbeiter. Gegen diesen Missstand hat die Gewerkschaft ver.di gestern im ganzen Land demonstriert - auch in Penzberg und Schongau.

Es war ein imposantes Bild, das sich gestern vor dem Eingang des Schongauer Krankenhauses bot: Rund 150 Beschäftigte - von der Pflegeschülerin über die Küchenkraft bis hin zum Chefarzt - hatten für rund 15 Minuten die Arbeit ruhen lassen und waren vor die Tür gegangen, um sich an der ver.di-Streikaktion zu beteiligen.

Dort erinnerte der Gesambetriebsratsvorsitzende der Krankenhaus-GmbH, Klaus Fenzl, an die Eckpunkte der ver.di-Demonstration (siehe auch Bericht im Haupt- bzw. im Bayernteil). Aktueller Anlass ist der Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Reform der Krankenhausversorgung. Der darin vorgesehene Pflegeförderbetrag für zusätzliche Stellen würde bundesweit nur 6600 Stellen entsprechen. Dies sei, so ver.di, erbärmlich und respektlos gegenüber den überlasteten Pflegekräften und den Patienten, die eine hochwertige Versorgung erwarten.

„Diese Aktion richtet sich ausdrücklich nicht gegen das Krankenhaus Schongau oder den Landkreis Weilheim-Schongau, sondern gegen die Politik im Bund und den Ländern, die die Krankenhäuser mit zu wenig Geld und Personal ausstattet“, so Fenzl.

Auch Krankenhaus-GmbH-Geschäftsführer Thomas Lippmann gesellte sich zu den Mitarbeitern und lobte deren Engagement: „Ich finde es toll, dass Sie alle mitmachen“, sagte er. „Denn es zeigt, dass Sie alle verstanden haben, dass wir um den Erhalt von Krankenhäusern im ländlichen Bereich wie unserem kämpfen müssen.“

Lippmann nutzte die Gelegenheit auch, um die Schongauer Beschäftigten auf einen weiter andauernden harten Kampf einzuschwören: „Seien Sie Multiplikatoren und überzeugen die Bürger, dass sie weiterhin und wieder ins Schongauer Krankenhaus kommen, dass sie uns vertrauen.“ Denn die Politik wolle keine kleinen Krankenhäuser mehr, ohne die man aber im ländlichen Raum nicht auskomme.

Das bekräftigte auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß: „Wir brauchen unsere Krankenhäuser in der Region und müssen auch um deren Erhalt kämpfen.“ Dieses tue auch die Krankenhaus-GmbH mit dem Ziel, das jährliche Defizit der GmbH zu senken. „Wir müssen alle zusammenhalten“, forderte sie.

Wie wichtig es ist, gerade im ländlichen Raum ein - personell wie technisch - gut ausgestattetes Krankenhaus zu haben, anstatt auf medizinische Großzentren zu setzen, wie es die Bundesregierung plane, machte Dr. Armin Kirschner, Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin, an Beispielen deutlich: „Gerade bei Notfällen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt ist eine schnellstmögliche Behandlung lebensnotwendig, da hat man keine Zeit für eine lange Fahrt in ein Zentrum wie etwa Augsburg oder München.“

Und weiter: „Wir hatten hier mal den Fall, da ist einem Mann mit einem Messer ins Herz gestochen worden. Dem mussten wir hier den Brustkorb öffnen, eine Fahrt nach Augsburg wäre sein Todesurteil gewesen.“ Aber um solche Leistungen zu erbringen, bräuchten Krankenhäuser das entsprechende Personal - 24 Stunden am Tag.

Jochen Schröder

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