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Gender-korrekte Schreibweise: Sinnvoll oder Schwachsinn?

Gender-korrekte Ansprache

Von Bürger*innen und Schongauerinnen

Schongau - Oft werden Frauen heutzutage politisch oder gender-korrekt angesprochen. Da ist dann von Bürgerinnen oder Leserinnen die Rede. Sinnvoll oder Schwachsinn? Eine SN-Mitarbeiterin hat eine klare Meinung dazu.

Sie sind heute eine Frau, die notfalls auch ihren Mann steht, waren nach Ihrer Zeit als Schüler in einer Studentenverbindung, und jetzt wachsen Ihnen Bart- und Brusthaare? Nein, natürlich nicht! Und wahrscheinlich haben Sie sich auch nichts dabei gedacht, als sie mit 18 Jahren ein mündiger Bürger wurden. Doch heute ist man fast schon beleidigt, wenn man in einer, oftmals politischen, Ansprache nicht als Schülerin, Studentin, Bürgerin oder Wählerin extra erwähnt wird. Doch diese Art der Gleichberechtigung frisst die Vielfalt und Schönheit unserer Sprache. Langsam, aber ziemlich erfolgreich.

Auf SPD-Veranstaltungen ist man es seit Jahrzehnten gewohnt, politisch und emanzipatorisch korrekt begrüßt zu werden, obwohl es sich immer ein wenig nach dünnen, länglichen Rohwürsten aus feingehacktem Rind- und Schweinefleisch anhört. Auch regionale Veranstaltungen kommen nicht mehr ohne Schongauerinnen aus – wobei wir uns noch glücklich schätzen können, in einer aussprechbaren Stadt zu wohnen. Im Gegensatz zu den armen Menschen im Chiemgau, die jüngst im BR doch tatsächlich mit „Liebe Reit im Winkler und Reit im Winklerinnen“ angesprochen wurden.

Wenn aus Studentenverbindungen eine Studierendenverbindung wird

Nicht zu vergessen unsere zukünftigen Hochschul-Absolventen: Sie rotten sich neuerdings immer öfter zu Studierendenverbindungen (hoffentlich ohne Germanisten-Beteiligung) zusammen. Das mag gender-korrekt sein, ist grammatikalisch aber schlichtweg Blödsinn. Denn sobald sie den Hörsaal verlassen, sind sie in diesem Moment dann Verkehrsteilnehmende, Caféteria-Besuchende oder einfach nur Mietende?

All diese Beispiele sind gesprochen schon recht holprig, um nicht zu sagen hässlich. Und nun stelle man sich vor, diese sprachliche Unsitte unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung hielte Einzug in das Geschriebene. Nicht vorstellbar? Die Bundesdelegierten von Bündnis 90/Die Grünen reichten doch tatsächlich unlängst eine, hoffentlich nicht ernst gemeinte, Petition zur „gendersensiblen Schreibweise“ ein. Ihrer Meinung nach sollten sich künftig alle LeserInnen als Bürger*innen angesprochen und ernst genommen fühlen. Das * steht hierbei für die sexuell Unentschlossenen.

Besteht wirklich die Gefahr einer Reduktion oder gehemmten Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale, wenn man künftig nicht jedes maskuline Substantiv emanzipiert oder gendert? (Zumal jedes Substantiv im Plural sowieso weiblich wird!) Darf ich in meinem VATERland nicht mehr meine normale und wunderbare MUTTERsprache benutzen? Es verletzt doch niemandes weibliche Würde, wenn er als Schüler, Student, Bürger oder Schongauer bezeichnet wird – außer er kommt aus Peiting. Spaß.

Ansonsten lesen sich Texte künftig so, wie dieser geschlechtergerecht formulierte dritte Absatz des Artikels 69 des Grundgesetzes: Auf Ersuchen des Bundespräsidenten oder der Bundespräsidentin ist der Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin, auf Ersuchen des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin oder des Bundespräsidenten oder der Bundespräsidentin ein Bundesminister oder eine Bundesministerin verpflichtet, die Geschäfte bis zur Ernennung seines oder ihres Nachfolgers oder seiner oder ihrer Nachfolgerin weiterzuführen. Und da zieht es einem wirklich die Zehennägel auf. Egal ob lackiert oder unlackiert.

Christine Wölfle

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