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Vor einem Green-Screen am Marienbrunnen wurden einige Szenen gedreht, die laut Florian Raab (l.) sehr aufwändig waren. Unter anderem fliegt ein Fernseher durchs Bild...

Vorstellung im Stadtrat

Genialer Image-Film für Schongauer Altstadt

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Schongau - Imagefilme für eine Stadt können ganz schön peinlich sein. Der in der Stadtratssitzung vorgestellte Vierminüter „Schongau, entdecke Deine Altstadt“ dagegen ist nicht nur gut gemacht, sondern auch abwechslungsreich und witzig – ein absoluter Gewinn.

...wie dann im Film zu sehen sind. Dank der Technik kann alles mögliche ins Bild gestapelt werden.

„Es darf ausnahmsweise geklatscht werden“, sagte Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman, als die Lichter im Rathaussaal wieder angingen. Die Stadträte und Besucher hatten eben die Premiere des neuen Image-Films für die Schongauer Altstadt gesehen und machten von Sluytermans Aufforderung ordentlich gebraucht – wären aber vermutlich auch selber darauf gekommen, so gut wie der Film ist. Sluytermans Dank galt vor allem Florian Raab, der den Film im Auftrag der Stadt erstellt hat.

Zeit für Konzept und Produktion war knapp

Raab, der mit seiner Agentur Filmbaar nicht nur das Handwerk, sondern als Schongauer seine Heimatstadt bestens kennt, hatte mit seinem Team allerdings eine sportliche Aufgabe vor sich: „Mitte September kam der Auftrag der Stadt, wir sollten in sechs bis sieben Wochen fertig sein“ – da gab es weder Konzept noch sonstiges. Mit Hilfe von Kollege Matthias Lehmann, der im Film quasi als Stadtführer die Hauptrolle gibt, machte sich Raab an die Arbeit – und wurde mit dem ersten Entwurf von Wirtschaftsförderin Yvonne Voigt erst einmal ausgebremst: „Sie hat uns recht deutlich gesagt, was sie haben will“, erinnert sich Raab schmunzelnd. „Ihr kamen die Besonderheiten von Schongau zu kurz.“

Also wurde einiges wieder umgeworfen, anschließend ging es ans Drehen – mit perfekten Statisten. Voigt hatte nämlich beim Theaterverein Treibhaus angefragt, ob sie bei den Dreharbeiten mitmachen wollen, und die Schauspieler, die dieses Jahr mit dem Henkerstochter-Schauspiel begeistert hatten, sagten bereitwillig zu – sogar ehrenamtlich. Als Dank gab’s in der Stadtratssitzung für 16 Mitwirkende 16 Plantsch-Freikarten.

Gut essen kann man in Schongau – das beweist Matthias Lehmann, der Protagonist des Films.

Doch auch die Schongauer machten bereitwillig mit. So kommt Uhrmacher Fritz Zwack ins Bild, als der Sprecher davon redet, dass in Schongau die Uhren anders laufen; und die „Süße Hanni“ Monika Schwecke, die am Arm von Lehmann auf die Stimme im Off, dass es manchmal schneller, manchmal langsamer vorangeht in Schongau, antwortet: „Aber zumindest geht’s voran.“ Überwältigend sei die Unterstützung der Gastronomen gewesen, als in kurzen Abläufen gezeigt wird, was man alles in Schongau speisen kann: „Wir wollten wirklich für alles bezahlen. Aber die Wirte waren so begeistert, dass ein positiver Film über die Altstadt entsteht, dass sie uns immer eingeladen haben“, sagt Raab und lacht. „Wir mussten an einem Tag sechs Hauptgerichte verspeisen, das war echt anstrengend.“

Von Stadtmauer bis zum Parkraumkonzept kommt alles vor

Thematisch bietet der Film alles, was man über Schongaus Altstadt wissen muss, von den historischen Sehenswürdigkeiten Stadtmauer und Ballenhaus bis zur neuen Fußgängerzone und dem Parkraumkonzept mit einer Stunde kostenlos parken. Mit vielen Luftbilder wird die gute Stube Schongaus perfekt in Szene gesetzt, auch Witz und Selbstironie fehlen nicht: Wenn beispielsweise beschrieben wird, dass Konflikte in Schongau eigentlich schnell gelöst werden, manchmal aber auch ein bisschen länger dauern – und dazu in der Fußgängerzone Schilder mit der Aufschrift „Ja“, „Nein“ und „Vielleicht“ hochgehalten werden. Oder wenn Lehmann in die Kamera sagt, „Man kennt sich in Schongau“, und eine Stimme aus dem Off antwortet: „Servus, Du Gschaftlhuber.“

Mittendrin hat der Film noch einen richtigen Bruch, wird leiser, nachdenklicher, ruhiger, ohne langweilig zu werden. Das will sagen, dass man in Schongau auch zur Ruhe kommen kann. Und dass man sich für die Stadt selbst einmal Zeit nehmen sollte – mit diesen Worten endet der Film.

Während gleichzeitig mit dem Film auch die Facebook-Seite der Stadt Schongau online ging und sich Voigt bereits Gedanken macht, wie sie die Seite weiter füllt, freut sich Raab über den überwältigenden Erfolg: 22 000 Klicks, mehr als 420 Mal geteilt, und das noch ganz ohne Werbung – „die Resonanz ist toll und fast ausnahmslos positiv“, freut sich Raab. Er hat sogar schon eine Anfrage von einer Stadtmarketing-Agentur aus Erlangen erhalten, die wollen den Schongau-Film im Stadtgremium zeigen und ihn vielleicht engagieren. Dann hat sich der Film nicht nur für Schongau gelohnt, sondern auch für ihn.

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