Aus dem Gericht

Nach Radlerunfall: Aussage gegen Aussage

Peiting - „Wir haben hier eine Pattsituation. Es steht Aussage gegen Aussage“, sagte der Verteidiger nach der Beweisaufnahme. Sein Mandant wurde beschuldigt, in Herzogsämühle beim Rückwärtsfahren mit seinem Ford Transit einen Radfahrer übersehen zu haben, der dabei leicht verletzt wurde.

Wegen fahrlässiger Körperverletzung saß ein 35-jähriger Peißenberger vor dem Amtsgericht Weilheim. Er schilderte den Unfall dann aus seiner Sicht. Er hatte im April vergangenen Jahres auf einem Parkgelände in der Herzogsägmühle seinen Transit mit eingeschalteter Warnblinkanlage abgestellt, um Wäsche abzuliefern.

„Ich stand nicht in einer Parklücke“, erklärte der Mann nachdrücklich. Denn so hatte es der Radfahrer behauptet. Dessen polizeiliche Aussage wurde vor Gericht in Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft nur verlesen, da er persönlich nicht erschienen war.

Der Angeklagte stieg nach eigener Aussage nach Ablieferung der Wäsche in sein Fahrzeug und schnallte sich an. „In dem Moment hörte ich einen Knall hinten am Fahrzeug“, sagte er. Beim Aussteigen habe er sehr laute Musik gehört. Der Radfahrer habe riesige Kopfhörer aufgehabt. Er lag am Boden und zog sich bei dem Unfall einen Handgelenksbruch und leichte Prellungen zu.

Angeklagte: "Ich glaube, ich hatte noch nicht einmal den Motor gestartet"

„Ich habe dich nicht gesehen“, soll der Verletzte nach Angaben des Angeklagten gesagt haben. Er war sich auch sicher, dass er nicht losgefahren war. „Ich glaube, ich hatte noch nicht einmal den Motor gestartet“, sagte er.

Eine hinzugeeilte Betreuerin des Radfahrers hatte dem Angeklagten erklärt, dass der Mann ziemlich verärgert und aufgebracht nach einer Therapiestunde weggefahren sei.

Ein wenig anders hörte sich das Unfallgeschehen an, als die Polizeibeamtin aussagte, die den Vorgang aufgenommen hatte. Laut ihrer Aussage habe der Angeklagte auf ihre Nachfrage, wie es zu dem Unfall gekommen sei geantwortet: „Ich bin rückwärts gefahren und habe den Radfahrer nicht gesehen“. Aber dies sei vor der Belehrung passiert. Danach habe der Angeklagte die Aussage verweigert.

„Ich kann diese Aussage hier nicht werten, da sie vor der Belehrung stattgefunden hat“, sagte Richterin Katrin Krempl.

Der Verteidiger schlug eine Einstellung des Verfahrens ohne Auflage wegen Geringfügigkeit vor. Dem stimmte die Staatsanwaltschaft zu. Die Richterin erließ dann nach § 153 den Beschluss, das Verschulden des Angeklagten unter Berücksichtigung der Beweislage als gering einzustufen.

Die Kosten des Verfahrens übernimmt die Staatskasse. Der Angeklagte muss lediglich seine Kosten tragen.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © Imago/Archiv

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