Aus dem Gericht

Tierquäler: Keine Chance auf Freispruch

Rott- Das Verfahren gegen den Sohn des früheren Bundeslandwirtschaftsministers Josef Ertl wegen Tierquälerei ist vorläufig eingestellt worden. 2000 Euro muss Nikolaus Ertl an die Staatskasse zahlen und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Damit ging der 55-jährige Landwirt auf einen Vorschlag des Landgerichts Augsburg ein, wo er Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Landsberg eingelegt hatte. Doch auf einen Freispruch könne er nicht hoffen, machte ihm der Vorsitzende Richter der 16. Strafkammer klar.

Ertl und ursprünglich auch seine Mutter Paula waren angeklagt, auf ihrem Hof in Rott 15 Kühe nicht angemessen ernährt zu haben. Im Jahr 2014 sollen sieben Tiere an der Abmagerung verendet sein. Zudem sollen die Kühe in ihrem völlig verdreckten Stall keine sauberen Liegeflächen gehabt haben.

Beide haben jede Schuld immer von sich gewiesen

Die Angeklagten hatten stets jede Schuld von sich gewiesen und das gemeindliche Trinkwasser, Nebenwirkungen der Blauzungenimpfung und Schäden durch das Stechen von Ohrmarken für den schlechten Zustand der Tiere verantwortlich gemacht.

Am Amtsgericht Landsberg waren sie damit nicht durchgekommen und zu 8100 Euro Geldstrafe sowie einem zweijährigen Tierhalteverbot verurteilt worden. Und auch die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht wäre nicht in ihrem Sinne ausgegangen. daran ließ der Vorsitzende Richter Stefan Nielsen keinen Zweifel. Ein Freispruch komme nicht ernsthaft in Betracht. Eine Einstellung des Verfahrens sei gerade noch angemessen, vor allem aber „prozess-ökonomisch und wirtschaftlich sinnvoll“. Dazu sei aber nun „die letzte Gelegenheit“, so der Richter am Beginn des dritten Verhandlungstages vor dem Landgericht. Ansonsten werde sich das Verfahren weiter in die Länge ziehen. „Aber das muss man sich leisten können und wollen.“

Ertl hätte im Falle eines Schuldspruchs die kompletten Kosten tragen müssen. Das Gerichtsverfahren gegen die 90-jährige Mutter war bereits im November eingestellt worden. Sie kam mit einer Geldauflage von 1500 Euro davon.

Der Angeklagte verfügt über keinerlei Einkünfte

Für Nikolaus Ertl hatte die Staatsanwaltschaft zunächst 4000 Euro und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit vorgeschlagen. Da der 55-Jährige aber nach eigener Aussage vom Geld seiner Mutter lebt und über keinerlei eigene Einkünfte verfügt, beließ es das Gericht bei 2000 Euro, die Ertl an die Staatskasse zahlen muss. Außerdem muss er innerhalb des nächsten halben Jahres 200 Sozialstunden leisten. Wenn er diese Auflagen erfüllt, wird das Verfahren endgültig eingestellt.

Ulrike Osman

Rubriklistenbild: © imago/McPHOTO

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