Aus dem Gericht

Volltrunkener Gast (37) würgt Bedienung (27)

Schongau - Diese Nacht im Mai 2015 wird eine 27-Jährige nicht so schnell vergessen. Die Bedienstete eines Spielcafés in Schongau hatte Nachtschicht, als einer ihrer Gäste vollkommen ausrastete. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte musste sich ein Weilheimer (37) nun vor dem Amtsgericht verantworten.

Noch sehr friedlich sei der Angeklagte zusammen mit einem Freund in der Nacht in der Bar aufgetaucht, schilderte die Kellnerin. „Ich kannte ihn und den anderen Mann nicht, also konnte ich sie auch schlecht einschätzen.“ Der Angeklagte geriet an diesem Abend aus unerfindlichen Gründen mit seinem Freund in Streit. Als die Bedienstete die Kontrahenten aufforderte, die Bar zu verlassen, reagierte der Angeklagte aggressiv. Er drückte die Frau gegen einen Spielautomaten und würgte sie. „Das machte er ziemlich lange“, erinnerte sie sich. Sie habe Todesangst gehabt. Ein Arzt attestierte ihr am darauf folgenden Tag einen geröteten Rachenraum und Schluckbeschwerden.

Erst andere Gäste konnten den Angreifer wegziehen. Es wurde die Polizei verständigt. Als der Mann das mitbekam, flüchtete er aus dem Lokal. Die Streifenbeamten waren zufällig in der Gegend: „Wir haben eine rennende Person ausfindig gemacht, auf die die Beschreibung des Mannes passte“, sagte ein Polizist vor Gericht. Mit einem Kollegen verfolgte er den Flüchtenden, sie holten ihn ein – doch der Mann schlug unerwartet um sich und rannte weiter. „Wir haben ihm dann den Weg abgeschnitten und erneut aufgegriffen“, sagte der Polizist. Diesmal fixierten sie den Mann am Boden und konnten ihm trotz weiterer Abwehrversuche Handschellen anlegen.

Angeklagter hatte 2,5 Promille

Auf dem Polizeirevier wurde eine Blutentnahme vorgenommen. Der Mann hatte einen Alkoholwert von rund 2,5 Promille. Der Angeklagte gab vor Gericht an, sich an den gesamten Vorfall mehr erinnern zu können. Schon nachmittags habe er zu trinken angefangen und bis in die Nacht weiter gemacht.

Sein Alkoholproblem hat er anscheinend erkannt. Derzeit ist er in stationärer Behandlung zum Alkoholentzug. Wöchentlich geht er zu den Anonymen Alkoholikern, er wird psychiatrisch betreut. Der zweifach Vorbestrafte befindet sich derzeit in einer offenen Bewährung.

Richterin Katrin Krempl bewertete die Bemühungen des Angeklagten, sein Alkoholproblem in den Griff zu bekommen, als günstige Sozialprognose. Sie verhängte für die ihm angelasteten Straftaten eine Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten, die sie nochmals für vier Jahre zur Bewährung aussetzte. „Das konnte ich gerade noch so befürworten“, mahnte die Richterin und stellte dem Angeklagten noch für zwei Jahre einen Bewährungshelfer an die Seite.

Dazu kommen 160 Stunden Sozialdienste. „Diese Arbeitsauflage ist sinnvoll, um noch mehr Tagesstruktur in ihr Leben zu bekommen“, sagte die Richterin. Der gelernte Gartenlandschaftsbauer will so früh wie möglich wieder in seinen Beruf einsteigen und sein Leben normalisieren. Dazu gehörte auch, dass er sich noch im Gerichtssaal aufrichtig bei der jungen Frau entschuldigte.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © imago/McPHOTO

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