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Giesela Pietschmann an ihrem 106. Geburtstag mit Peitings Bürgermeister Michael Asam.

Gisela Pietschmann

Peitings älteste Bürgerin stirbt mit 106

Peiting - Gisela Pietschmann war bis vor kurzem die älteste Frau der Marktgemeinde Peiting. Bis sie im Alter von 106 Jahren friedlich eingeschlafen ist. Ein kurzer Blick auf ein unglaublich langes Leben.

106 Lebensjahre. 106 Jahre Zeitgeschichte. Nur wenige Menschen haben so viel miterlebt wie Gisela Pietschmann. Zwei Weltkriege, die Vertreibung aus dem Sudetenland, die Flucht aus der DDR. In der Peitinger Marktgemeinde ist Gisela Pietschmann schließlich angekommen. Hier hat sie 56 Jahre, also mehr als die Hälfte ihres langen Lebens, glücklich verbracht. In diesem Jahr, in der Weihnachtszeit, wäre Pietschmann 107 geworden.

Diesen Geburtstag darf die Seniorin nicht mehr erleben. In einem Altersheim in Weilheim ist sie jetzt friedlich eingeschlafen. Der Senioren-Ruhesitz hat ihr nur kurze Zeit als Wohnung gedient. Fast bis zuletzt, bis kurz nach ihrem 106. Geburtstag, konnte die alte Dame noch in ihrer eigenen Wohnung in Peiting leben. Dass sie in ihrem rekordverdächtig hohen Alter noch umgezogen ist, das war ihr eigener Wunsch, sagt Enkel Hans-Peter Thoß. „Lange wollte sie gerne in ihrer eigenen Wohnung bleiben.“ Unabhängigkeit und ihr eigenes, gemütliches Reich: Das war Gisela Pietschmann wichtig. Erst als sie merkte: Jetzt geht es nicht mehr – da wollte sie den Umzug wagen.

Bis dato haben sich neben dem Sozialdienst der Rottenbucher Enkel Thoß und seine Frau liebevoll gekümmert. Schließlich hat Gisela Pietschmann so viel für ihn getan, war ihm Großmutter und Mutter zugleich: Als sie im Jahr 1959 mit Ehemann und Enkel Verwandte und Freunde in Peiting besuchte, blieb sie. Und ihr Enkel mit ihr. Er war damals sechs Jahre alt, „ein großes Abenteuer“, erinnert er sich. Schließlich blieb der Rest der Verwandtschaft in der ehemaligen DDR. Auch Thoß’ Mutter.

Wen verwundert es da, dass Gisela Pietschmann ihr gesamtes Leben der Familie, drei Enkelsöhnen und fünf Urenkeln, widmete. „Sie hat geholfen, wo es nur gegangen ist.“ Das, was immer gezählt hat für Gisela Pietschmann, das war die Familie, die Herzlichkeit.

Liegt es daran, dass Gisela Pietschmann in ihrem langen Leben auch viele schlimme Dinge erlebt hat? Zwei Weltkriege hinterlassen sicherlich ihre Spuren. „Darüber hat sie nie ein Wort verloren“, sagt Enkel Thoß. Nur als Dresden angegriffen wurde, „das hat sie miterlebt und manchmal erzählt“. Gisela Pietschmann wohnte damals in dem sächsischen Ort Großschönau. Als Dresden 1945 aus der Luft angegriffen wird, „da sind sogar in Großschönau Zeitungen und Papiergeld runtergekommen“.

Gerne geplaudert hat Gisela Pietschmann auch immer mit Bürgermeister Michael Asam. Der war – angesichts des hohen Alters – weitaus öfter bei der Peitinger Dame zu Gast als bei anderen Senioren. Weil der Gemeindechef allen Peitinger Geburtstagskindern ab dem 95. Geburtstag einen Besuch abstattet, saß er immerhin elf Mal mit Pietschmann an der Kuchentafel. „Bis zum Schluss haben wir immer nett geplaudert.“ Über Politik. Über das, was in der Welt passiert. Dank der Fernseh-Nachrichten war die Seniorin immer auf dem aktuellsten Stand, „hat auch mal über die Bundeskanzlerin geschimpft“, erinnert sich Asam gerne an die Treffen mit der rüstigen Seniorin.

Barbara Schlotterer-Fuchs

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