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Das „Goldene Buch“ der Gemeinde Peiting – präsentiert im Bürgermeister-Vorzimmer von Isabella Socher.

Goldenes Buch der Marktgemeinde Peiting

Wer sich im Goldenen Buch der Gemeinde alles findet

Peiting - Mit welchem Sprüchlein werden sich Peter Gauweiler und Christian Ude wohl verewigen im „Goldenen Buch“ der Marktgemeinde Peiting? Eineinhalb Stunden vor Beginn des Peitinger Neujahrsempfangs dürfen sich die Haupt-Akteure im Rathaus in dieses besondere Buch eintragen.

Wenn der frühere Oberbürgermeister der Stadt München, Christian Ude, und der CSU-Politiker Dr. Peter Gauweiler am Donnerstag in Peiting zum verbalen Schlagabtausch in der Schloßberghalle antreten, dann heißt es nicht nur „Mir ham uns was zum sag’n“. Um 17.30 Uhr steht erstmal ein Termin im Rathaus an. Dort wird das „Goldene Buch“ aufgeschlagen. Die Polit-Prominenz – bekannt aus dem Briefwechsel im Münchner Merkur – darf eine Widmung in das Buch mit den Goldrandseiten schreiben. Gauweiler und Ude gestalten damit den 20. Eintrag des „Goldenen Buchs“, das Bürgermeister Michael Asam 1997, also vor 19 Jahren, eingeführt hat.

Eine Ehre, die als erster prominenten Person, die in Peiting empfangen worden ist, am 7. Oktober 1997 Renate Schmidt zu Teil wurde. „Herzlichen Dank für die Ehre, mich als Erste in das „rot goldene“ Buch der Gemeinde Peiting eintragen zu dürfen“, formulierte sie damals in schwungvoller Schrift. Links davon: ein Bild der bekannten SPD-Politikerin – damals noch mit Wuschelkopf und im 80-er-Jahre-Style-Sakko.

Nur zwei Wochen später trägt sich der frühere Verkehrsminister Alfred Sauter ein. Wie gut, dass jemand Name und Funktion mit Bleistift ganz klein unten rechts auf der Seite vermerkt hat. Die hyroglyphische Unterschrift hätte auch als „Manfred Lauro“ oder so ähnlich durchgehen können.

Reicht fast über eine ganze Buchseite: Die Unterschrift von Horst Seehofer aus dem Jahr 2008.

Interessantes Detail: Zu Genossin Schmidt hat CSU-Mann Sauter ganze zwei Seiten Abstand gehalten. Eine unüberwindbare überparteiliche Kluft? Zumindest eine Lücke im „Goldenen Buch“, die bis heute nicht zu füllen ist.

Wie gut, dass dieser Vorgang einmalig ist. Weitere „Promis“ sind gehorsam auf Tuchfühlung gegangen. Ursula Engelen-Kefer zum Beispiel, im Jahr 2000 Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Dicht gefolgt von Karl-Heinz Funke, 2000 Landwirtschaftsminister (SPD). 2001 trägt sich der damalige Bundespräsident Roman Herzog ein. Auf eine persönliche Widmung verzichtet er, gibt sich minimalistisch. Zu finden sind eine Unterschrift und ein Datum. Daneben kleben Zeitungsausschnitte von der Grundsteinlegung zum Neubau der Schule zur Erziehungshilfe in Herzogsägmühle.

Ebenfalls 2001 macht der Augsburger Weihbischof Anton Losinger Station in Birkland – und schreibt sich im „Goldenen Buch“ ein. Gerd Sonnleitner, im Jahr 2004, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, verewigt sich mit dem Versprechen, den „Milchpreis zu verbessern“ – ein Eintrag, der an Aktualität nichts eingebüßt hat.

„Glück, Gesundheit und Gottes Segen für alle Peitinger“ wünscht am 12. Januar der damalige Bundesminister und heutige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer. Seine langgezogene Unterschrift reicht dabei fast über eine ganze Buchseite.

Fast schon poetisch, direkt dahinter, im Jahr 2008 der frühere Kultusminister Siegfried Schneider (CSU): „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden!“

Schier unmöglich ist es auch, die Unterschrift von Erzbischof Reinhard Kardinal Marx aus dem Jahr 2013 zu entziffern. Erst muss man sie außerdem finden – sie versteckt sich hinter einer Art klappbaren Visitenkarte mit Konterfei – säuberlich eingeklebt ins Buch.

Richtig „coole“ Bilder finden sich darin übrigens auch. Das von den ECP-Junioren aus dem Jahr 2011 beispielsweise. „Die sind damals Deutscher Meister geworden, ohne auch nur ein Spiel zu verlieren“, erinnert sich Bürgermeister Michael Asam. Er hat entschieden: Auch herausragende sportliche Leistungen aus der Marktgemeinde sollen für immer im Gedächtnis und damit ins „Goldene Buch“ eingetragen werden – so auch jeder Name der ECP-Junioren mit Spielernummer darunter.

Der erste Eintrag: Renate Schmid im Jahr 1997.

Weitere sportliche Erfolgsgeschichten im Buch: Die Jugendmannschaft des EC Peiting, die in der Saison 2012/13 die Bayerische Meisterschaft gewonnen hat. Die Schülermannschaft des ECP, die in der selben Zeit in die erste Bundesliga aufgestiegen ist. Und die Peitinger Eisstockschützen, die in der Saison 2014/15 ordentlich abgeräumt haben.

Übrigens der jüngste Eintrag. Der letzte eingetragene Polit-Promi war im Jahr 2010 mit Helmut Brunner, der noch amtierende bayerische Landwirtschaftsminister. Der hatte dem 150. Peitinger Bauernmarkt die Ehre erwiesen. „Der Marktgemeinde wünsche ich weiterhin eine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung“, hatte er damals niedergeschrieben. Acht Monate später schloss Zarges seine Pforten. Weitere zwei Monate später Getinge. So viel also zu frommen Wünschen in „Goldenen Büchern“.

Eines scheint sicher: Eine unüberwindbare Lücke im Buch wie einst bei Schmidt und Sauter dürfte es zwischen SPD-Politiker Ude und CSU-Kollegen Gauweiler nicht geben – viel Augenzwinkern schon vor Beginn des ersten überparteilichen Peitinger Neujahrsempfangs sei Dank.

Barbara Schlotterer-Fuchs

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