Große Hilfsbereitschaft beim Wiederaufbau nach der Brandkatastrophe in Sachsenried

Sachsenried - Nach der Brandkatastrophe im August vergangenen Jahres in Sachsenried steht durch eine Welle der Hilfsbereitschaft jetzt eines der beiden abgebrannten Häuser wieder.

Dort, wo am 26. August 2011 eine schon von weitem erkennbare schwarze Rauchsäule in den Himmel stieg, ragte dieser Tage ein blauer Autokranarm in die Höhe. Dieser hebt Teil für Teil einer Ladung von den Sattelzügen, die zusammengesetzt ein neues Zuhause für Familie Kustermann geben werden. Ihr bisheriges Anwesen wurde im August durch ein verheerendes Feuer vernichtet.

Es herrschen tiefe Minusgrade, trotzdem sind die fünf Sattelzüge pünktlich in Sachsenried vor Ort. Sie transportieren die Teile, auf die Josef Kustermann mit seiner Familie mit Sehnsucht gewartet hat.

Seit dem Großfeuer im August hatten die Kustermanns kein eigenes Dach mehr über dem Kopf, jetzt soll sich alles binnen weniger Tage ändern. Ein Fertighaus der Firma OKAL soll an der Stelle errichtet werden, wo bis zum 26. August das Anwesen von Josef Kustermann stand. Die Firma mit Sitz im Hundsrück hatte von der Lage der Kustermanns erfahren und Hilfe signalisiert: Mit großem Nachlass stellen sie nun ein komplettes Fertighaus auf.

Schon nach wenigen Minuten am Morgen des ersten Aufstelltages wird dem Zuschauer bewusst, dass mit den fünf Monteuren der Firma ein perfekt eingespieltes Team vor Ort in Sachsenried ist. Dies kommt nicht von ungefähr. Wie von Vorarbeiter Silvio Fey zu erfahren ist, haben die Männer über die letzten 13 Jahren hinweg über 370 Häuser dieser Bauart aufgestellt. Alles gelernte Zimmerleute, die Ausnahme macht Marcus Tusche - er ist Dachdecker.

Um sieben Uhr spucken die Männer das erste Mal in die Hände, vier Stunden später stehen die Wände der Parterre inklusive Eingangstüre. Während die Monteure Ralf und Kaj Vorbereitungen für die Befestigung der Zwischendecke treffen, wuchtet Jens Wagenbreth die Gerüstteile nach oben. Es muss Schlag auf Schlag gehen, denn Marcus Tusche hat die Elemente schon aus den Folien gewickelt. Immer wieder versorgt dabei Michaela Wegele, die Enkelin der Kustermanns, die Arbeiter mit heißem Kaffee. Bis nach 19 Uhr wird gewerkelt, dann erst ist das gesteckte Ziel erreicht.

Am zweiten Tag bringt Kranführer Daniel Gehring die ersten Teile pünktlich um 7 Uhr in luftige Höhe. Daniel und Marcus halten die Monteure auf Trab, die gegen Mittag die Wände nahezu komplett aufgestellt haben. Während im oberen Stock noch verschraubt wird, verlegt Elektriker Daniel Kräft schon jede Menge Stromkabel. Daniel muss ohne Handschuhe arbeiten, bei den eisigen Temperaturen nicht gerade der Hit. Er nimmt’s gelassen: „Das Wetter kann man sich nicht aussuchen, es könnte ja noch kälter sein“, ist seine lockere Bemerkung. Da hat es Franz Walther ein klein wenig besser. Er arbeitet beim Abkleben der PE-Folie mit Handschuhen.

Zwischendurch wühlt sich immer wieder Michaela mit der Wunderwaffe Kaffee an den Werkzeugkisten vorbei. Ihr erster Kommentar: „Echt krass!“ Während einer kleinen Pause findet sie Zeit, alle Arbeiter in den höchsten Tönen zu loben. Nicht um zu schmeicheln, sie ist von deren professioneller Arbeit überzeugt. Josef Kustermann selbst sieht sich das Szenario vom Boden aus an. Er findet keine Worte, aber sein Blick strahlt Dankbarkeit aus. Er geht von Arbeiter zu Arbeiter und drückt ab und zu eine Hand. Eine Geste, die mehr sagt als viele Worte.

Als Kustermann das Haus am Donnerstag in seiner vollen Größe bewundern kann, staunt er nicht schlecht. Immer noch findet er keine Worte, die seine Freude ausdrücken könnten. Einzig und allein ein „Das geht so enorm schnell“ bringt er über die Lippen. Die Enkelin kann da nur zustimmen, die an dieser Stelle nochmal „ein großen Lob“ aussprechen will.

Wenn alles gut geht, so OKAL-Verkaufsleiter Frank Meyer, könne die Familie in rund acht Wochen einziehen. „Dafür haben wir in Sachen Innenausbau und Einrichtung schon einiges organisiert“, erzählt Michaela Wegele. Mit großartigem Ergebnis: Geheizt wird mit dem Gas der Firma Primagas, die übernimmt den kompletten Ausbau und das Material. „Nur für das Gas selbst müssen die Kustermanns aufkommen“, verspricht der Vertreter Axel Husmann. Farbe und Fußböden können bei OBI zu einem günstigen Preis abgeholt werden, die Möbel in der Möbel-Centrale.

Dem Einzug steht also nichts mehr im Wege, darauf freut sich übrigens auch schon Enkelin Michaela. Die darf nämlich, „als Belohnung für die Hilfe“, mit in das neue Haus einziehen.

Hans-Helmut Herold/Franziska Bär

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