Abfahrt: 3000 Kilometer lang ist die Strecke, die Josef Gretschmann fahren will. Foto: AB

Mit dem Hanomag bis Rügen

Rottenbuch - Er fuhr mit seinem alten Hanomag schon auf dem Jakobsweg bis Santiago de Compostela, jetzt ging Josef Gretschmann aus Schönberg auf große Deutschland-Tour.

Als Josef Gretschmann im Sommer vergangenen Jahres nach seiner ausgiebigen Bulldog-Tour den Hanomag R45, Baujahr 1951, samt Wohnwagen wieder vor dem heimischen Haus in Schönberg parkte, hatte er viel zu erzählen. Kein Wunder, schließlich hatte der damals 67-Jährige gerade 6000 Kilometer Fahrt hinter sich. Bis zur Pilgerstadt Santiago de Compostela im rauen Nordspanien war er mit dem 45-PS-Oldtimer getuckert. Auf den Spuren des Jakobswegs, sechs Wochen lang.

Gretschmanns Bulldog-Leidenschaft und die Lust, andere Länder und Menschen kennenzulernen, blieb. Von einer Deutschland-Tour träumte er schon damals. Jetzt erfüllt er sich diesen Traum: Kürzlich startete der mittlerweile 68-Jährige seinen Hanomag erneut. Ziel: die deutsche Ostseeküste und die Insel Rügen.

Doch diesmal fährt Gretschmann nicht allein. Vor einem Jahr lernte der Schönberger einen genauso Bulldog-verrückten Enthusiasten kennen: Hans Frech aus Schömberg bei Balingen im Schwarzwald. Der 74-Jährige hat es 2013 dank einer Südtirol-Fahrt mit seinem Fendt 201 S zu lokaler Berühmtheit geschafft. Der Oberbayer Gretschmann lernte ihn - wie kann das anders sein - bei einem Oldtimer-Treffen kennen. „Er hatte einen Zettel am Wohnwagen gehabt, und suchte jemanden, der mit ihm rauf nach Rügen fährt.“ Man kam ins Gespräch und wurde sich einig.

Die Route hat Frech, ehemaliger Busfahrer, genau ausgetüftelt. Treffen in Balingen, über Ulm, Crailsheim, Volkach, Schweinfurt, Oberhof, Gotha, Magdeburg, Güstrow, Rostock bis Stralsund. Auf Rügen sind um die vier Tage Aufenthalt und eine Rundfahrt vorgesehen. Gretschmann freut sich schon darauf. „Ich war noch nie da oben.“

Gefahren wird nun meist über Landstraßen, „wenn es nicht geht, nehmen wir die Bundesstraße“. Wo die beiden ihren Wohnwagen abstellen wollen, ist aber noch offen. „Ich bin mehr für Campingplätze“, sagt der Schönberger. Sein Mitfahrer wolle dagegen „mehr wild übernachten“.

Gretschmann hat sich schon ein paar Ausflugsziele auf der Ostseeinsel herausgesucht. Klar, was es ist: „Ich habe im Internet ein paar Oldtimer-Museen gefunden“, schmunzelt der 68-Jährige. Ansonsten will er einfach die langsame Fahrt genießen. Mit maximal Tempo 30 geht es in den Norden. „Das ist wie eine Entschleunigung“, lacht Gretschmann. „Man nimmt die Gegend ganz anders war. Im Auto ist es sonst immer Hektik.“

Eines hat der Schönberger jedoch nicht aus den Augen verloren. Den Jakobsweg nämlich. Die letzte Santiago-Tour hat bei ihm positive Spuren hinterlassen. „Das war ein Traum“, meint er. „Ich bin schon am überlegen, ob ich nicht noch mal dahin fahre.“ Seine Frau Heidi nickt. Sie hat Verständnis für die Bulldog-Leidenschaft ihres Gatten. Und überhaupt, sagt sie: „Wenn es nicht so weit wäre, täte ich gern mitfahren.“

Andreas Baar

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