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Der Schweizer Hans Sturzenegger hatte selbst gesundheitliche Probleme.

Infoabend IG „Unser Dorf soll gesund bleiben“ in Böbing

Persönlicher Albtraum Mobilfunk

Böbing - Die Interessensgemeinschaft „Unser Dorf soll gesund bleiben“ macht mobil. Gegen Mobilfunkantennen im Ort. Nun war der Schweizer Hans Sturzenegger beim Haslacher zu Gast und berichtete von Mobilfunkschäden auf seinem Hof.

In Böbing ist die Welt in Ordnung. Zumindest war sie das bis zur Ankündigung der Telekom, im Ort eine Mobilfunkantenne zu errichten. Dem Bedürfnis nach guten Mobilfunkbedingungen steht die Angst gegenüber, so eine Anlage könnte gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Heilpraktikerin Sabine Mühlbauer hat eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, die seit eineinhalb Jahren in verschiedenen Veranstaltung über Risiken des Mobilfunks informiert.

Die Geschichte des Schweizers Hans Sturzenegger ist ein Beispiel dafür. 1999 wurde dem Landwirt eine Mobilfunkantenne auf den staatlichen Hof gestellt. Bis zum Abbau der Antenne 2006 hat er nach eigenen Worten „einen Albtraum“ erlebt. „Leider hab ich einmal nicht nein gesagt. Konsequent nein!“, meint er heute. Nach Inbetriebnahme der Sendemastanlage hatte er zuerst „Schäden beim Rindvieh“ festgestellt. „Anfang Juni 1999 kam das erste Kalb mit schneeweißen Pupillen auf die Welt, Mitte Juni das Zweite, dann das Dritte“, zählte er auf. Der Arzt diagnostizierte grauen Star. Insgesamt wurden in der Zeit von 1999 bis 2006 50 Kälber geschädigt. Hans Sturzenegger hat nämlich von Anfang an über die ungewöhnlichen Entwicklungen Buch geführt, mit Hilfe der Universität Zürich, die Reihenuntersuchungen an seinen Tieren vornahm, sämtliche Auswirkungen, die er auf die Strahlenbelastung zurückführt, dokumentiert.

Auch bei seinen Kühen stellte der Schweizer vermehrt Abszesse, Krebsgeschwüre und kranke Klauen fest. Greifvögel, die auf dem Hof gebrütet hatten, waren ebenso betroffen. Und auch er selbst hatte wohl gesundheitliche Probleme. Verhärtungen, Verspannungen, Schwindelanfälle und Ohrensausen traten auf. Aber auch psychische Probleme. „Du stehst auf und blickst in ein schwarzes Loch. Heute nennt man das Burnout“, sagte er. Der Arzt stellte ein verändertes Blutbild fest. Die so genannte „Geldrollenbildung“ der roten Blutkörperchen, die weißen Blutkörperchen unter Referenzwert und Eiweißüberschuss im Blut. Typische Symptome, die im Zusammenhang mit Mobilfunkstrahlung bereits nachgewiesen wurden.

Der Schweizer Hans Sturzenegger hatte selbst gesundheitliche Probleme.



Nach diesen Ergebnissen erreichte er durch Beharrlichkeit, dass die Sendeanlage für ein Jahr abgestellt wurde. Sein Blutbild regenerierte sich. Nachdem die Antenne wieder eingeschaltet wurde, traten erneut die gleichen Symptome auf. Das Verhalten des Mobilfunkbetreibers war ebenso nicht dazu angetan, Vertrauen zu bilden. Nach Sturzeneggers Auskunft wurde sein Telefon nachweislich abgehört, zu Zeiten der Untersuchung seiner Tiere die Anlage heimlich abgeschaltet, wie er über das Schweizer Bundesamt für Kommunikation herausfand. Zudem wurde die Arbeit der Universität Zürich kritisiert und eine eigene Studie mit falschen Werten herausgegeben.

Als sich 2004 das Bundesveterinäramt einschaltet, werden dem Gesundheitsdienst Daten vorenthalten. Im Dezember 2004 fordert Sturzenegger, die Antenne, deren Vertrag für 18 Jahre ausgelegt ist, innerhalb von 18 Monaten abzubauen. Nach der Drohung, seine Dokumentation im Fernsehen zu veröffentlichen, lenkt die Mobilfunkfirma schließlich ein und baut 2006 die gesamte Anlage ab. Allerdings wird in einiger Entfernung eine mobile Antennenanlage mit „direkter Strahlenkeule auf den Hof“ platziert. „Eine Föhre, die in dem Bereich steht, ist an der Schnittstelle der Strahlen vollkommen dürr. Wir sind schon gespannt, ob der Baum abstirbt“, so Sturzenegger. Zudem sei er erstaunt darüber, dass sich die Universität München des inzwischen weltweit vorhandenen Problems nicht annehme.

„Die Ämter leugnen Strahlenschäden“, so Sturzenegger, der auch hinter dem seit zehn Jahren grassierenden Bienensterben Mobilfunkstrahlung als Verursacher vermutet, da von 2000 bis 2005 die meisten Mobilfunkantennen aufgestellt wurden.

Ursula Fröhlich

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