Das Kündigungsschreiben der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel: Michael Rätzel kann dies nicht verstehen. Foto: mg

Hartz IV-Empfänger Konto gekündigt: "In der Menschenwürde verletzt"

Schongau - Michael Rätzel aus Schongau versteht die Welt nicht mehr. Er glaubt, dass die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel hat ihm das Konto gekündigt hat, weil er Hartz IV-Empfänger ist.

„Wir bedauern, dass die Fortführung Ihres Kontos für uns, auch unter Berücksichtigung Ihrer berechtigten Belange, unzumutbar ist“, heißt es in dem Kündigungsschreiben der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel, das Michael Rätzel heuer erhalten hat. Der 59-jährige Schongauer wurde gebeten, sich eine neue Bankverbindung zu suchen und seine neue Kontonummer seinen Geschäftspartnern mitzuteilen. Die Raiffeisenbank hat ihm hierfür eine Frist von zweieinhalb Monaten eingeräumt. „Nach diesem Termin werden wir alle für Sie bei uns eingehenden Gutschriften an den Auftraggeber zurückgeben“, macht die Bank in ihrem Kündigungsschreiben deutlich.

Die Kündigung des Bankkontos hat Michael Rätzel wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. Ein Jahr lang war er Kunde bei der Raiffeisenbank und in dieser Zeit habe er sein Konto nie überzogen. Warum die Fortführung seines Kontos für die Bank „unzumutbar“ sei, das kann der 59-jährige Schongauer nicht nachvollziehen. Bei der Eröffnung seines „Girokontos für jedermann“ ein Jahr zuvor sei seine Situation keine andere als heute gewesen. „Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen. Deshalb verstehe ich nicht, warum man mir ohne Vorankündigung das Konto kündigt“.

„Wenn Menschen mit geringen Umsätzen kein Konto bei der Raiffeisenbank haben sollen, warum gibt es dann das ,Girokonto für jedermann’?“, fragt sich Rätzel. In einem Schreiben an die Raiffeisenbank stellt der 59-jährige Schongauer fest: „Es verletzt mich in meiner Menschenwürde, wenn Sie mir den Zugang zum bargeldlosen Verfahren mit unbegründeten Argumenten verwehren.“ Außerdem habe er einen Rechtsanspruch auf P-Konto (Pfändungssicheres Konto), was ihm die Bank angelich nicht gewähren wollte.

Und um deutlich zu machen, dass er sich das Vorgehen der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel nicht so ohne weiteres gefallen lassen will, hat sich Michael Rätzel an die Kundenbeschwerdestelle des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken in Berlin gewandt und seinen Fall geschildert. Er hat darum gebeten, im Ombudsmannverfahren zu prüfen, ob die Kündigung gerechtfertigt ist. Eine Antwort aus Berlin steht bisher allerdings noch aus.

Was sagt die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel zu diesem „rätzelhaften“ Fall? „Die Kontoauflösung steht in keinem Zusammenhang mit staatlichen Leistungen, die Herr Rätzel empfängt“, bezieht Andreas Kögl, Sprecher der Raiba Pfaffenwinkel, auf Anfrage der SN-Redaktion Stellung. Und weiter: „Leider können wir aufgrund des Bankgeheimnisses keine Details zur Sache nennen. Hier stehen wir daher immer in einer ungünstigen Position. Aber die Vertraulichkeit von Kunden- und Kontodaten siedeln wir deutlich höher an als die Möglichkeit, Vorwürfe gegen uns zu entkräften“, betont Kögl, der zugleich aber versichert, „dass die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel eG selbstverständlich auch für Hartz IV-Empfänger Konten führt“. Eine ganze Reihe an Beispielen belege dies.

Michael Rätzel war einst als erfolgreicher Arzt in den USA tätig, wo er Karriere machte. Doch dann wurde er krank. Er erlitt vier Herzinfarkte und kann seit vier Jahren nicht mehr arbeiten. Er ist dann nach Deutschland zurückgekehrt - ohne einen Cent in der Tasche. Denn sein gesamter Rentenfonds ist mit dem Untergang der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers mehr oder weniger den Bach hinuntergegangen.

Auch in Deutschland hat Michael Rätzel Geld einbezahlt. Aber das erhält er erst, wenn er frühpensioniert ist bzw. das Rentenalter erreicht hat. Derzeit lebt der 59-jährige Schongauer von 358 Euro im Monat. „Aus meinem Rentenfonds hätte ich jetzt fast 4000 Euro jeden Monat“, rechnet er vor.

Mittlerweile ist Rätzel Kunde bei der Kreissparkasse Schongau. „Da gibt’s keine Probleme“, sagt der Hartz IV-Empfänger, der nie und nimmer gedacht hätte, dass er einmal in diese Notlage kommen würde.

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