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Die tüchtigen Helfer in der Fahrradwerkstatt. Von links Mohammadamin Scharifi, Marco Weise, Rajib Ali Hafizi und Khalid Rahimi (rechts). Zweiter von rechts Abdilaki Faralli, der sein Fahrrad zur Reparatur brachte.

Reparaturwerkstätte im „Haus4you“

Defekte Fahrräder auf Vordermann bringen

Schongau - Seit einem halben Jahr gibt es die Fahrradwerkstatt im Repair-Café im „Haus4you“ an der Blumenstraße in Schongau. Es ist eine Einrichtung, die sich bewährt hat und dankbar angenommen wird – in erster Linie von Asylbewerbern.

Da ist zum Beispiel Abdilaki Faralli aus Somalia. Der Flüchtling wohnt in Schongau im Tal. Er hat ein altes Fahrrad geschenkt bekommen. Der Haken: die Bremsen funktionieren nicht ordnungsgemäß, die Schaltung haut nicht hin, und in den Reifen ist zu wenig Luft. Was tun? Faralli hat den Tipp bekommen, mal in der Fahrradwerkstatt in Schongau vorbeizuschauen und dort seinen Drahtesel wieder auf Vordermann bringen zu lassen.

Die Idee, alte Fahrräder wieder herzurichten, hat der Herzogsägmühler Sportlehrer Marco Weise zusammen mit Isabel Heller im Oktober 2015 in Schongau in die Tat umgesetzt. Das ganze Projekt ist vom Helferkreis Schongau ausgegangen. Franz Schmid war sozusagen „Helfer der ersten Stunde“, hat sich dann aber anderen Dingen gewidmet und konnte sich deswegen nicht mehr einbringen.

Drei Asylbewerber helfen mit

Marco Weise und Isabel Heller stehen allerdings nicht alleine da. In der Werkstatt an der Blumenstraße 2 (Büchereigebäude) helfen noch drei Asylbewerber aus Afghanistan mit, die sich ebenfalls für die gute Sache engagieren.

Das sind zum einen Khalid Rahimi, der Ein-Euro-Jobber im „Haus4you“, zugleich die gute Seele in der Fahrradwerkstatt, der zwischendurch auch mal Tee macht und die Fahrräder putzt, dann Rajib Ali Hafizi, genannt „Wolli“, ein Koch aus Altenstadt, der immer mithilft, wenn er frei hat, und schließlich Mohammadamin Scharifi, der seit knapp einem Monat fest zum Team gehört und früher an Autos rumgeschraubt hat. Marco Weise und seine drei Helfer kümmern sich um die Reparaturen, Isabel Heller um den Schreibkram.

Immer freitags zwischen 16 und 18 Uhr ist die Fahrradwerkstatt geöffnet. „Es hat bisher nur einen Tag gegeben, wo niemand da war“, berichtet Marco Weise. Aber das war am Anfang, als die Einrichtung noch nicht so bekannt war. Jetzt ist in den zwei Stunden am Freitag immer was los, Es hat sich bei den Asylbewerbern herumgesprochen, dass sie dort ihr Rad mehr oder weniger kostenlos herrichten lassen können.

Aus Peiting ist zum Beispiel Ghanam Alamad (Flüchtling aus Syrien) angeradelt. Auch an seinem Drahtesel war einiges nicht mehr in Ordnung. Licht defekt, Sattel locker, Gangschaltung mangelhaft – es bestand also dringend Handlungsbedarf.

Es gibt fachmännische Tipps

„Wenn’s geht, wird alles sofort repariert“, sagt der 36-jährige Marco Weise, der aus Görlitz stammt und begeisterter Hobbysportler ist. Für die Reparaturen stellt er auch eigenes Werkzeug zur Verfügung und gibt seinen drei Gehilfen fachmännischen Rat, z.B. wenn eine Kette ausgetauscht oder ein Kettenglied ausgewechselt werden muss. „Die Räder, die gespendet werden, haben oft Mängel, und das kann im Straßenverkehr gefährlich sein“, weiß Marco Weise.

Es ist eine fröhliche Truppe in der Fahrradwerkstatt, und wenn Andrea Nagel vom Verein Support, der die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, vorbeischaut und den fleißigen Radlmechanikern ein Eis spendiert, ist die Stimmung gleich noch besser.

Michael Gretschmann

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