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Hegeschau in Peiting: Die Jäger fühlen sich bedroht

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Überraschung für Kreisjagdverbandchef Martin Kästl: Er bekam von Bayerns Jagdpräsident Jürgen Vocke (li.) den Eichenkranz in Silber verliehen. foto: werner schubert
Überraschung für Kreisjagdverbandchef Martin Kästl: Er bekam von Bayerns Jagdpräsident Jürgen Vocke (li.) den Eichenkranz in Silber verliehen. foto: werner schubert

Peiting - Der hohe Besuch lockte viele Besucher an: Für den Auftritt von Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbands, mussten zahlreiche zusätzliche Stühle in die Peitinger Schloßberghalle getragen werden. Vocke selbst sah Bedrohungen von allen Seiten für die Jägerschaft.

„Artenschutz mit der Flinte“ - das ist ein Schlagwort, das man von einem Jäger erwartet. Es stammt aber von Adolf Fastner, dem Vorsitzenden des Kreisfischereivereins Schongau. Er spielte auf den Fuchs an, der Bodenbrütern oft keine Chance lässt. „Das haben sogar Naturschützer erkannt“, sagte Fastner, und das gleiche gelte auch für den Kormoran: Eine Jagd bedeute aktiven Artenschutz.

Da wollte Vocke, nach kurzen Redebeiträgen von Manfred Stork (Untere Jagdbehörde), Gastgeber Martin Kästl (Jagd- und Naturschutzverein Schongau) und Markus Schmorell (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten), nicht nachstehen und pries ebenso die enge Verbundenheit mit den Fischern, von denen tausende gleichzeitig auch Jäger seien.

Und Verbündete braucht der Bayerische Jagdverband, denn die Gefahr lauert überall. Im Saarland etwa sollte, bevor die Jamaika-Koalition zerbrach, elementar ins Jagdrecht eingegriffen werden, „und das war ein Vorbild für viele andere Länder“, so Vocke. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise werde derzeit diskutiert, die Jagd nur noch auf Schalenwild zuzulassen und die Jagdzeit vom 15. September bis 15. Dezember zu begrenzen. Derzeit beträgt sie in Bayern achteinhalb Monate, von 1. Mai bis 15. Januar. „Das muss mir mal einer erklären, wie das gehen soll. Das ist für mich ausgeschlossen.“

Schon in diesem Winter habe es auch im Landkreis Weilheim-Schongau viele Anträge auf Verkürzung der Schonzeit gegeben, ein Vorgehen, für das Vocke kein Verständnis hat: „Wer Verstand und Seele hat, erledigt seinen Abschuss bis 31. Dezember.“

Doch damit nicht genug: „Der Naturschutzbund fordert, auf Flächen unter 75 Hektar die Jagd zu untersagen“, so Vocke. Das wäre der Untergang des Reviersystems, dem auch noch durch eine Klage vor dem EU-Gericht für Menschenrechte Ungemach droht. Dort klagen Grundstücksbesitzer gegen die automatische Aufnahme in eine Jagdgenossenschaft - sie wollen, dass auf ihrem Grund und Boden nicht gejagt werden darf. „Das wird im Herbst entschieden, und als Jurist weiß ich: Vor Gericht ist man in Gottes Hand“, sagte Vocke.

Und zu guter Letzt habe Baden-Württembergs neue Grün-Rot-Regierung in den Koalitionsvertrag geschrieben, die Wildfütterung abzuschaffen und das Waffenrecht erheblich zu verschärfen. „Da kommt dann am Wochenende ein Mitarbeiter des Landratsamts vorbei, und Sie dürfen für die Waffenkontrolle auch noch 150 Euro zahlen“, regte sich der Jagdpräsident auf. Und Bremen, „die drehen völlig durch“: Dort solle, so ein Vorschlag zur Haushaltskonsolidierung, jeder Jäger für jede Waffe 300 Euro im Jahr zahlen. „Bei zehn Waffen, die im Panzerschrank liegen, wären das 3000 Euro pro Jahr. Da kommt Freude in der Familie auf“, so Vocke.

Deshalb forderte er Geschlossenheit, die bei den Jägern in Bayern mit 95 Prozent Mitgliedschaft beim BJV sowieso schon stark ausgebildet ist, wie Vocke stolz erwähnte. Anderswo schaue das ganz anders aus. „Wir haben sogar noch steigende Mitgliederzahlen.“ Aber man brauche Sympathien in der Gesellschaft, „wir müssen dokumentieren, welchen Einsatz für die Gesellschaft wir leisten“. So dauere es im Schnitt 22 Stunden, bis eine einzige Sau erlegt sei, beim Rehwild sind es noch elf Stunden - „das wären zweistellige Millionensummen, wenn nicht wir, sondern Berufsjäger das erledigen“.

Die wichtige Zusammenarbeit mit den Grundbesitzern (Jagdgenossenschaften) sei aber gut. Eine Umfrage habe ergeben, dass 95 Prozent der Jagdvorsteher sehr zufrieden oder zufrieden mit ihren Jägern seien. „Miteinander reden, der Kontakt ist wichtig“, sagte Vocke.

Einen kleinen Seitenhieb auf die Waldbesitzer konnte er sich aber nicht verkneifen: Die hätten zuletzt gefordert, dass die Jäger grundsätzlich für alle Gutachten und Kosten bei Wildschäden allein aufkommen sollten. „Dabei ist die Waldfläche in den vergangenen 40 Jahren um zehn Prozent gewachsen“, rechnete Vocke vor. Und der Laubholz-Anteil am Jungholz liege laut Waldbesitzern mittlerweile bei 71 Prozent, das sei bei allem Gerede vom Waldumbau von Fichtenbeständen in stabile Mischwälder viel zu viel. „Da wird am Markt vorbeiproduziert, sagt der Waldbesitzerverband selbst“, berichtet Vocke. Da könne man doch beim Thema Verbissgutachten gelassener an die Sache herangehen.

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