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Mit Urkunde und Stundenheft: Heinrich Egner wurde für über 50-jährige Tätigkeit als Feldgeschworener geehrt.

Heinrich egner ausgezeichnet

Feldgeschworener ein Leben lang

Bernbeuren - Auf so viel Erfahrung wird so schnell nicht wieder ein Feldgeschworener zurückblicken: Heinrich Egner ist seit über 50 Jahren Feldgeschworener in Bernbeuren.

Heinrich Egner wurde 1964 vom ehemaligen Landrat Gustav Hilger vereidigt und begann am 13. März 1979 seine aktive Zeit als Feldgeschworener. 1964 wurden zwar insgesamt vier Personen vereidigt, aber richtig ausgeübt hat das Amt später nur Egner. Er war in den 37 Jahren an 863 Tagen insgesamt 5828 Stunden unterwegs und kann nicht sagen, wie viel Steine und Punkte er eingemessen hat.

In seiner Stimme schwingt auch etwas Wehmut mit, denn er führte seinen Posten immer gewissenhaft und mit viel Freude aus. Wann er wo tätig war, hat er vor rund zehn Jahren aus seinen Kalendern in mittlerweile zwei Schulhefte akribisch zusammengeschrieben. Es sind Jahre mit nur drei Einsatztagen dabei oder sehr arbeitsintensive Abschnitte wie die Vermessung der Auerbergstraße oder die Flurbereinigungen.

Abgelaufen sind die Einsätze immer nach dem gleichen Vorgehen. Für private oder gemeindliche Grundstücke kam die Einladung vom Vermessungsamt und für die Flurbereinigung vom Amt für Ländliche Entwicklung. Genannt waren Ort, Zeit und Grundstückseigentümer, die vor jeder Vermessung einverstanden sein und nach Abschluss auch das Protokoll der Grenzfestsetzung unterschreiben mussten. Egner brachte Werkzeug, Grenzsteine, Marken und Messröhrchen mit.

Egner war viel unterwegs

Dass er so flexibel einsatzbereit war, verdankt er seinem Beruf als Landwirt, „aber es ist im Nachhinein erstaunlich, wie viel Zeit man unterwegs war“, beschreibt Egner seinen kleinen Nebenverdienst.

Veränderungen hat es in dieser Zeit mehrere gegeben. Zum einen haben sich die Messgeräte geändert, aber auch wenn man mittlerweile zahlreiche bekannte Punkte hat, „kann es durchaus zwei Stunden dauern, bis alles richtig eingestellt und die tatsächliche Vermessung losgehen kann“, sagt Egner aus Erfahrung. Dafür sind die Vermessungen mittlerweile gerade im ländlichen Bereich billiger geworden, denn es wird nicht mehr nach Arbeitsstunden, sondern nach benötigten Steinen und dem Bodenwert abgerechnet, so der 81-Jährige.

Apropos Kosten: Auch wenn das Amt des Feldgeschworenen als eines der ältesten kommunalen Ehrenämter gilt, erhalten diese natürlich trotzdem einen Stundenlohn, der über die Gemeinde abgerechnet wird. Am Anfang seien dies sieben D-Mark gewesen, vor der Währungsreform 22 und von 2002 bis 2014 gab es beim Stand von elf Euro pro Stunde keine Erhöhung mehr.

Nachdem Egner bei seiner Ehrung im Jahr 2014 für seine 50-jährige Tätigkeit die Landrätin scherzhaft daraufhin „angestupst hat“, beschloss der Kreistag, den aktuellen Stundensatz auf 15 Euro aufzustocken.

Urkunde zum Dank

Angesprochen auf das „Siebenergeheimnis“, klärt Egner auf, dass diese Tradition eher im Fränkischen als im südbayerischen Raum üblich war. Dort markierten die Feldgeschworenen ihre gesetzten Grenzsteine, indem sie darunter Glasscherben oder Kieselsteine legten. Dadurch konnte später ein unerlaubtes Versetzen bewiesen werden, denn die geheimen Zeichen kannten nur die Feldgeschworenen selber.

Rund 30 Jahre hatte sich Heinrich Egner allein um die Vermessungen gekümmert, bevor die Gemeinde mit Hermann Kleber und Florian Weiher zwei weitere Feldgeschworene vereidigte. Zuletzt stieß im Januar 2015 Ulrich Bayr dazu, und gemeinsam teilen sie sich jetzt die Termine auf.

Von der Gemeinde erhielt Egner jetzt eine Urkunde als Dank und Anerkennung. Denn auch wenn Egner wollte, ginge es gesundheitlich nicht mehr – Feldgeschworener bleibt er jedoch ein Leben lang, denn eine Berufung erlischt nicht.

zil

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