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Gruß aus luftiger Höhe: Helmut Schlecht bei einem Sprung über der Palmeninsel von Dubai. 

Helmut Schlecht: Erster Deutscher in Fallschirm-Ruhmeshalle

Schongau - Der Schongauer Helmut Schlecht wird in Fayetteville (North Carolina, USA) in die „Hall of Fame“ des National Skydiving Museum der USA aufgenommen.

Helmut Schlecht (74) ist eine Ausnahmeperson im Sachen Fallschirmspringen. In seinem Körper schlägt ein besonderes Herz, dass das Blut des Schongauers in zwei verschiedene Richtungen fließen lässt. Quasi per Doppelschlag. Da ist einmal die Blutbahn „Sportliches Fallschirmspringen“, gleich daneben fließt das rote Lebenselexier für den militärischen Einsatzsprung.

Ist denn da ein Unterschied? Fall ist Fall und Schirm ist Schirm, könnte der Laie vermuten. Weit gefehlt. Die Unterschiede sind wie Hund und Katz. Aber Schlecht hat es in seiner nunmehr 57-jährigen Laufbahn geschafft, beides unter einen Hut zu bringen. Hund und Katz in einem Körbchen. Nicht immer leicht, aber der Erfolg gab ihm recht.

Seinen ersten Sprung absolvierte der gelernte Koch aus Farchant als junger Soldat 1958 in Oberhausen. Damals am Sprungplatz von Altenstadt. Da hat er Blut für geleckt, animiert durch Sprungfotos in einem Buch vom späteren General Walter Gericke. Doch Schlecht will höher hinaus, besser gesagt hinauf. Der Besuch eines Flugtages, den amerikanische Soldaten aus Stuttgart gestalteten, unterstreicht sein Vorhaben. Schlecht wird in die Gruppe aufgenommen, zeigt dort sein Talent als Freifallspringer der ersten Stunden.

Der damalige Kommandeur der Luftlandeschule in Altenstadt beobachte die Vorführungen mit immer neuen Sprungtechniken und beabsichtigt, eine Sprunggruppe als feste Institution nach Altenstadt zu holen. Helmut Schlecht wird ausgewählt, so ein Team aufzustellen. 1972 wird er in die USA nach Fort Bragg kommandiert, um dort Erfahrungen zu sammeln. Nach seiner Versetzung 1973 nach Altenstadt wird dort am 1. Juli 1976 die Sportgruppe Heer Fallschirmspringen ins Leben gerufen.

Als Trainer und Verantwortlicher der Gruppe macht sich Schlecht schnell einen Namen, die sportlichen Erfolge seiner Männer bis hin zum Weltmeistertitel bleiben nicht aus. Das sportliche Fallschirmspringen in der Bundesrepublik setzt neue Akzente, wird salonfähig. Parallel zum sportlichen Fallschirmspringen arbeitet Schlecht an einem Konzept für militärische Einsätze. Er hat erkannt, dass die mittlerweile verwendeten Gleitschirme sich für das taktische Springen bestens eignen. Ein neues Verfahren wird von ihm entwickelt und erprobt, bei Großübungen der Bundeswehr mit integriert.

Dieses Zusammenspiel in Sachen Fallschirmspringen ist sicherlich einmalig. Vor allem, weil Schlecht in gewisser Weise Pionierarbeit geleistet hat. Improvisation war angesagt, Einfallsreichtum gefragt. Gerade im militärischen Bereich gab es keine Musterlösungen, die ausgereift waren. Die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel mussten mit Begründungen beantragt werden, die sowieso keiner verstand. Und nur wenige schätzten.

Umso mehr taten dies die Angehörigen der amerikanischen Spezialeinheiten. Dies wurde in der Laudatio, die für Schlecht Colonel Bruce Wicks hielt, nochmals deutlich unterstrichen. Schlecht engagierte sich für ein Sprungverfahren, das in Fachkreisen unter HAHO bekannt ist. High Altitude - High Opening die Bezeichnung. Ein Trupp mit Springern verlässt in großer Höhe mit Sauerstoffgeräten das Flugzeug, die Schirme werden nach wenigen Sekunden gezogen und die Springer gleiten unerkannt in das vorgesehene Gebiet. Mit diesem Verfahren bildete Schlecht nicht nur die Spezialisten der Bundeswehr sowie der GSG9 aus, er unterstützte auch die Angehörigen des US Special Operations Command „Delta“ und „Seal Team Six“.

So herausragend die Vita Schlecht ist, so wurde auch die Aufnahmezeremonie gestaltet. Neben Schlecht wurden vier Amerikaner in den besonderen Kreis der Springer aufgenommen. Dazu sprangen sechs Männer der amerikanischen Elitetruppe „Golden Knights“ mit Staffelhölzern ab, die sie nach alter Tradition im freien Fall jeweils dem nächsten übergaben und dann an den Schirmen mit zu Boden brachten. Die Staffelhölzer sowie die Urkunden wurden danach feierlich an die Ausgezeichneten überreicht.

(hh)

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