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Mitwirkende, Veranstalter, Helfer und Unterstützer haben sich nach einem gemeinsamen Treffen zum Gruppenbild aufgestellt.

Henkerstochter-Festspiel

"Wir werden alles dafür opfern"

Schongau - Als perfekte Kombination haben sich der Verein Schongauer Sommer und der Theaterverein Treibhaus erwiesen, die nächstes Jahr die „Henkerstochter“ von Oliver Pötzsch auf die Bühne bringen wollen.

Mit düsterem Blick kommt er durch die Tür ins Nebenzimmer der Blauen Traube. Dichter Bart, den Hut tief ins Gesicht gezogen, das lange Schwert in der Hand, betritt Dominik Nierer den Saal – und bleibt mit seinem Hut erst einmal am Türstock hängen. Kein Wunder, bei stolzen 1,98 Metern Größe kann das schon einmal passieren. Als er und die neben ihm winzig erscheinende Eleyne Wenninger anschließend (etwas zu schnell gesprochen) eine Leseprobe aus dem Henkerstochter-Roman von Oliver Pötzsch geben, ist klar: Die beiden haben sich nicht nur zum Spaß in historisches Gewand geworfen, sie werden die Hauptrollen in der Henkerstochter-Aufführung spielen. Wenninger als Henkerstochter Magdalena, Nierer als ihr Vater Jakob Kuisl. Genau ein Jahr vor den Aufführungen stehen die Protagonisten bereits fest.

Die Verantwortlichen verschwenden keine Zeit, die Vorbereitungen laufen längst auf Hochtouren. Der Vorsitzende Michael Boos stellte kurz den Theaterverein Treibhaus vor, der sich 2013 aus ehemaligen Schülern des Welfen-Gymnasiums gebildet hatte – benannt nach der Schauspiel-Lehrerin Christiane Treib, die auch vor Ort war. Sie wird, ebenfalls mit ehemaligen Schülern, für die Musik sorgen. Treib ist sehr stolz auf ihre ehemaligen Schützlinge, zu denen sie immer noch Kontakt hat: „Sie haben viel Mut, denn ich weiß, was einem so eine Veranstaltung alles abverlangt“, sagte sie.

Davon können die jungen Schauspieler ein Lied singen. Viele sind mittlerweile Studenten, unter anderem in Regensburg und Augsburg. „Aber wir werden alles dafür opfern“, sagte Boos. Vor allem Zeit. Regisseur und Vize-Vorsitzender Maximilian Geiger hat bereits in monatelanger Arbeit den Roman in Drehbuchform umgeschrieben, 160 Seiten – „das wären sechs bis acht Stunden“, sagt er schmunzelnd. Die Hälfte ist bereits gekürzt, und er muss noch weiter Hand anlegen. Trotzdem soll die Handlung aus dem Buch nicht verändert werden, nur gestrafft.

Die Hauptrollen hat der Theaterverein bereits unter sich aufgeteilt. Die 18-jährige Wenninger spielt Magdalena und überlegt, sich wie die Henkerstochter im Buch die Haare dunkel zu tönen. Nierer hat da andere Probleme: Der 25-Jährige muss sich etwas älter machen, um als ihr Vater, der Henker Jakob Kuisl, durchzugehen. „Er ist tatsächlich die einzige Rolle, die nicht altersgerecht besetzt wird“, sagt Regisseur Geiger. Doch die Rolle sei Nierer wie auf den Leib geschneidert, da gebe es keine Alternative. „Ich bin schon dabei, mir Muskeln anzutrainieren“, sagt Nierer schmunzelnd. Er hat beim Hexen-Schauspiel 2007 übrigens einen Gehilfen des Henkers gespielt, Geiger war in der Gauklertruppe dabei – so schließt sich der Kreis.

Da der Theaterverein mit seinem knappen dutzend Mitgliedern nicht alle der insgesamt 52 Sprechrollen selbst besetzen kann, sollen auch externe Darsteller aus dem Schongauer Land mitmachen. „Da wird es noch einen Casting-Aufruf geben“, so Geiger.

Obwohl noch lange Zeit ist, muss noch viel erledigt werden. Zum Beispiel werden dringend Näherinnen für die historischen Kostüme gesucht. Auch die Kulissen existieren bisher nur im Kopf. „Die heiße Phase wird im Februar beginnen“, sagt Geiger.

Bis dahin haben nicht nur die Theaterleute, sondern auch die Partner vom Verein Schongauer Sommer einiges zu tun bei der Organisation. Kassier Robert Notz rechnete die etwas ernüchternde Finanzplanung vor: Obwohl die Schauspieler nahezu umsonst spielen und mit den geringsten Kostenfaktor darstellen, sind die Ausgaben unter anderem für Technik oder Tribüne so hoch, dass selbst bei optimaler Auslastung von 700 Besuchern bei acht Aufführungen noch ein kleines Minus steht. Auch wenn der Historische Markt Gewinn bringe, könne man so ein Festspiel deshalb nur alle drei bis vier Jahre tragen. „Aber das ist es uns wert“, sagte Notz, und Boos vom Theaterverein gab sich kämpferisch: „Wenn dieses Stück einschlägt, ist es der Anfang von etwas Großem“, sagte er in einer emotionalen Rede. „Wir haben noch einiges in der Hinterhand.

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