Deutsch Angus – eine gegenüber den Menschen zutrauliche Rinderrasse auf Herzogsägmühles Weiden.

einziartig in der diakonie

Deckstier „Felix“ und seine Herde

Herzogsägmühle - Was wenige wissen: die Diakonie kümmert sich nicht nur um den Menschen, sondern auch um das liebe Vieh. Auf dem Obland von Herzosägmühle ist die Angus-Rinderzucht angesiedelt, zu der gegenwärtig 203 Rinder gehören. Darunter auch der Deckstier „Felix“, gehören.

Die Rinderzucht ist deutschlandweit einzigartig im Bereich der gesamten Diakonie. Mittlerweile ist die Herde wieder auf die Weiden geführt worden. Aus der Herde wird per regelmäßiger Schlachtung auch die dorfeigene Metzgerei versorgt. Das marmorierte und kurzfaserige Fleisch der Angusrinder ist unter Feinschmeckern beliebt. Es lässt sich gut braten und gilt als wohlschmeckend. Die Rinderzucht ist nach den Worten von Paul Schmidt (27), gelernter Agrartechniker und Betriebsleiter der Herzogsägmühler Landwirtschaft, Bestandteil eines stattlichen Agrarunternehmens, das naturnah arbeitet, EU-zertifiziert ist und auch vom Freistaat Bayern gefördert wird.

Die Rinderherde gibt es seit 1986/87. Sie teilt sich in Deck- und Abkalbherde, die jeweils nach dem Sommer neu zusammengestellt werden. Das Angusrind wurde erstmals um 1870 in Ostschottland gezüchtet und ist Kundigen auch als Aberdeen Angus bekannt. Es handelt sich um die einzige genetisch hornlose Rinderart. Die Tiere werden in Fachkreisen als kurzbeinig, kleinrahmig (Widerristhöhe eines Bullen ca. 130 Zentimeter), raschwüchsig und sehr frühreif bezeichnet. In den USA gehört das Angusrind zu den häufigsten Fleischtierrassen. In Deutschland wird die Rasse seit etwa 1920 gehalten und ist seit 1950 stärker verbreitet. Um der mit der Frühreife einhergehenden unerwünschten Verfettung des Fleisches entgegenzuwirken, wurde in Deutschland durch Kreuzung mit anderen Rinderrassen (Schwarzbuntes Niederungsrind, Gelbvieh, Fleckvieh) das Deutsch Angus gezüchtet.

Bei einem Gewicht zwischen 500 und 600 Kilo werden die Ochsen geschlachtet. „Dem Deckstier gibt traditionell der Direktor von Herzogsägmühle den Namen, der eigentlich immer ein biblischer ist“, beschreibt Paul Schmidt herzogsägmühletypische Bräuche. Bei „Felix“ war man allerdings eher versehentlich aus der Reihe geraten; die Mitarbeiter hatten den Namen nach Los bestimmt. „Felix“ wird in Bälde übrigens seine Schuldigkeit getan haben und gewissermaßen in den Ruhestand befördert. Damit wird vermieden, dass er seine eigenen Töchter deckt und dem Inzest eine natürliche Grenze gesetzt.

Betriebsleiter Paul Schmid arbeitet am Computer .

Verfüttert wird gemähtes Kleegras und Grünlandgras sowie Stroh- und Mineralfutter, bewusst kein Kraftfutter. Künstliche Besamung gibt es nicht. Tierarztkontrollen, Blutentnahme inklusive, finden selbstverständlich statt. Logisch, dass die Kälber nach der Geburt in einschlägige Listen eingetragen werden und gewissermaßen den Knopf, ein Nummernschildchen, ins Ohr bekommen.

Im Übrigen soll die Herde bald von etwas mehr als 200 Tieren auf 220 aufgestockt werden. Darüber hinaus ist wegen der Struktur der Beschäftigten keine weitere Vergrößerung geplant, wie Paul Schmidt erläutert. Beschäftigt werden in dem ökologisch ausgerichteten Betrieb derzeit 28 Werkstattbeschäftigte und Tagesstrukturler. Sie erledigen alle in einer Landwirtschaft anfallenden Arbeiten, fahren beispielsweise nach Bedarf Teleskop- oder Radlader, verteilen Futter oder reinigen Ställe. Zu den dorfeigenen Besonderheiten gehört auch, dass psychisch belastete Menschen beschäftigt werden, die hier zu sich und zu Neuorientierung finden.

Die Herzogsägmühler Landwirtschaft treibt übrigens fast 100 Hektar Dauergrünland und 51 Hektar Ackerland um. Dazu kommen knapp 140 Hektar Wald. Etwas über 85 Hektar nehmen Hof- und Gebäudeflächen ein.

Die frühere Gänsemast gibt es nicht mehr. Beiläufig gackern und scharren rund 200 Hühner auf dem Gelände, mit deren Eiersegen der Mühlenmarkt versorgt wird. Nebenbei: wer sich mit dem jungen Betriebsleiter unterhält, erlebt einen glücklichen und zufriedenen Menschen. Seit 2012 ständig und davor in Praktika und Ferienjobs in Herzogsägmühle tätig, hat sich Paul Schmidt , nebenbei bemerkt, auch einen der schönsten Arbeitsplätze im Diakoniedorf ausgesucht – bei klarem Wetter eröffnen sich vom Obland aus atemberaubend schöne Ausblicke auf die Alpen.

Rüdiger Matt

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