Voll besetzt war das Zelt auf dem Dorfplatz in Herzogsägmühle, wo es Brunch mit Musik von der Band Fish’n’chicks gab. foto: uf

Eltern unterstützen Streik

Herzogsägmühle - Eine positive Bilanz nach drei Streiktagen, was die Unterstützung anging, zogen die Gewerkschaftssekretäre beim Solidaritätsbrunch in Herzogsägmühle.

„Jetzt wollen wir mitmachen!“ - Ein Satz, den Kathrin Weidenfelder, Gewerkschaftssekretärin Bereich Behindertenhilfe und Sozialdienste und Manuel Mayr, Gewerkschaftssekretär öffentlicher Dienst in den letzten Tagen oft gehört haben. So werden in der nächsten Woche in ihrem Bereich etwa 16 weitere Einrichtungen in Streik treten. Oft sogar auf Anregung der Eltern. „Warum streikt ihr nicht?“, hätten einige gefragt und so die Erzieherinnen motiviert, beim Streik mitzumachen.

Im voll besetzten Zelt beim Brunch in Herzogsägmühle hatten sich vor allem Mitarbeiter von kirchlichen Einrichtungen versammelt, um Solidarität mit den Streikenden zu zeigen. „Wir haben einen anderen Tarif und können deshalb nicht mitstreiken“, erklärte eine Mitarbeiterin der Lebenshilfe. Die Problematik, dass soziale Berufe durchwegs schlecht bezahlt werden, gibt es aber auch dort. Die Heilerziehungspfleger sind eher noch schlechter dran. „Von einem Erziehergehalt eine Familie zu ernähren ist fast unmöglich“, meint ein Besucher, der als Erzieher in einem Hort tätig ist. Aus diesem Grund sind Männer, die eigentlich auch in diesem Bereich wichtig wären, in sozialen Berufen unterrepräsentiert. Ein weiteres Problem sind befristete Arbeitsverhältnisse und Teilzeitstellen. „Viele Mitarbeiter bekommen keine Vollzeitverträge. Die Stunden werden jedes Jahr nach Bedarf aufgestockt oder reduziert“, erklärt Manuel Mayr. Längerfristiges finanzielles Planen, wie zum Beispiel Wohneigentumserwerb, ist damit für Familien schwer möglich.

Viele Erzieher arbeiten zunehmend nach Schichtplänen. Und mit dem Bewusstsein, dass die verantwortungsvolle Arbeit mit Kindern oder Behinderten offensichtlich in unserer Gesellschaft nicht wertgeschätzt wird. Durchschnittlich zehn Prozent mehr Gehalt fordern die sozialen Berufe. Die Aussage von Arbeitgeberseite, man wolle den Beruf aufwerten, aber mehr Geld gäbe es nicht, findet Manuel Mayr „völlig respektlos“. Und über Aktionen, wie im Schongauer Welfen-Gymnasium, wo Eltern während des Streiks Kinderbetreuungsplätze angeboten werden, kann er nur den Kopf schütteln. Immerhin haben die Eltern, die während des Streiks selbst Notgruppen betreuen, einen Eindruck davon bekommen, was es bedeutet, eine Gruppe von Kleinkindern stundenlang sinnvoll zu beschäftigen. Die wollen ihre Erzieher schnellstmöglich zurück.

Sollte es weiter keine Bewegung bei den Tarifverhandlungen geben, könnte das durchaus noch dauern. „Die nächste Woche wird noch einmal verstärkt gestreikt, wie es weitergeht, entscheiden die Verhandlungsergebnisse“, so Kathrin Weidenfelder. Notfalls werden die Streiks bis nach Pfingsten weitergeführt. Zur Großdemonstration in Kempten am nächsten Wochenende haben sich schon zahlreiche Mitstreiter angemeldet, sodass mit mehr als drei Bussen in Schongau gestartet wird. Und bislang haben die Streikenden volle Unterstützung von den Einrichtungen und Elternverbänden, wie Manuel Mayr ausführt. „Wir hoffen, dass ihr weiter mit dabei seid und wir weiterhin auch die Unterstützung der Eltern bekommen“, forderte er die Anwesenden auf.

uf

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