Die Teilnehmer an den Workcamps in Chania auf Kreta und Krasna Lipá in Tschechien bekamen ihre Europässe überreicht. Von links: Kimaugano Temn, Programmmanager Klaus Barthel, Michael Zedow, Matthias Schwarzer, Projektleiter Griechenland Ingo Massel, Jennifer Engling, Christopher Oestreich, Marcus Engling, Projektleiter Atze Keiser, Hannes Gärtner und Fallmanagerin Patricia Montberun-Löffler (Arbeitsamt Landsberg). uf

Herzogsägmühler Auslands-Projekt

Peiting - Im Ausland Erfahrungen für die Ausbildung zu Hause sammeln: Ein Herzogsägmühle-Projekt für junge Menschen macht’s möglich.

Auslandserfahrung macht auf dem Stellenmarkt interessant und in der Gruppe besonders Spaß. Das konnten die Teilnehmer am transnationalen Mobilitäts- und Austauschprojekt IdA (Integration durch Austausch) für arbeitslose Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 30 Jahren bestätigen. Sie hatten an den beiden vierwöchigen Workcamps in Chania auf Kreta (Griechenland) und Krasna Lipá in Tschechien teilgenommen und bekamen am vergangenen Dienstag ihre Zeugnisse - den Europass - überreicht.

„Ich bin ein ganz anderer Mensch geworden dadurch und kann die Maßnahme nur empfehlen“, resümierte Michael Zedow. Der gelernte Koch (26) ist bei den Arbeiten auf der Insel Kreta nicht nur seine chronischen Rückenprobleme losgeworden, die ihn seit zwei Jahren an der Ausübung seines Berufs gehindert haben, sondern hat auch noch eine neue Berufsperspektive gefunden: Er absolviert derzeit ein Vorpraktikum für die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger.

Auch Jennifer Engling konnte bei ihrem Praktikum auf einem Ponyhof in Krasna Lipá ein besonderes Erfolgserlebnis verbuchen. Die sechs Kilometer lange Strecke von ihrem Quartier bis zur Arbeitsstelle musste sie auf einem klapprigen Fahrrad zurücklegen. Und steigerte ihre Fahrzeit von anfangs einer Stunde und zehn Minuten auf unter 30 Minuten. Das neu gewonnene Durchhaltevermögen kann die 17-Jährige jetzt bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle gut brauchen. „Mein Traumberuf ist Maler und Lackiererin, aber es ist schwierig, als Mädchen eine Stelle zu finden“, weiß Jennifer.

Leben und arbeiten im Ausland - für manche ein Traum, für andere eine Horrorvision. Nicht nur, dass man sich in einer anderen Sprache verständigen muss, auch Land und Leute unterscheiden sich gravierend von der gewohnten Umgebung. „Der Sprung ins Ausland kostet Selbstüberwindung, fördert aber das Selbstbewusstsein ungemein und bringt auch einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt“, erläuterte Fallmanagerin Patricia Montberun-Löffler vom Arbeitsamt Landsberg. In Zusammenarbeit mit den Herzogsägmühler Projektmanagern Klaus Barthel und Manfred Zellner (Entwicklungspartnerschaft Allgäu-Oberland) sowie den Projektleitern Ingo Massel (Griechenland) und Atze Keiser (Tschechien) betreut sie die Maßnahme. Diese wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales, von der Europäischen Union und vom Europäischen Sozialfonds gefördert.

Die jungen Teilnehmer werden nicht nur in Projektarbeiten eingebunden, wie zum Beispiel ein Hotel auf Kreta sommerfertig zu machen, oder ein Schullandheim in Tschechien zu renovieren. Sie müssen sich auch komplett selbst versorgen, sich mit Land, Leuten und Kultur auseinandersetzen und erlernen erste Sprachgrundlagen.

In der Gruppe machen die Arbeiten zudem besonderen Spaß. So entwickelte sich zum Beispiel Marcus Engling in Tschechien zum „Hausmeister aus Leidenschaft“ und kam mit der Einladung für einen weiteren Arbeitsaufenthalt zum Spielplatzbau am Landschulheim nach Hause. Inzwischen hat er aber einen festen Arbeitsvertrag bei der Firma Hirschvogel und muss dafür wohl einen Urlaub opfern.

Das Beste an der Auslandsarbeit ist, dass man einmal raus aus dem gewohnten Alltag kommt und den Kopf frei von Arbeitshindernissen, wie Kindern, zu pflegende Angehörige oder auch nur einem Haustier bekommt und sich darüber klar werden kann, was man beruflich noch erreichen möchte. Und dieses Ziel zu Hause dann mit neuem Elan auch verfolgen kann.

uf

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