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Drollige Figuren gibt es im Diakoniedorf Herzogsägmühle zu sehen.

Kunsthandwerkstatt herzogsägmühle

Arbeitstherapie statt Produktion

Herzogsaägmühle - Lustige Stangenfiguren und drollige Hühner, ein reichhaltiges Angebot der Goldschmiedewerkstatt – auf diese Weise begegnen die Besucher Arbeiten aus einem Betrieb, der in Herzogsägmühle einen Sonderstatus einnimmt, der Kunsthandwerkstatt.

Schon das Erscheinungsbild der Kunsthandwerkstatt an der Straße Am Latterbach in Herzogsägmühle signalisiert, dass in diesem geduckten, seinem Äußeren nach irgendwie „ganz anderem“ Gebäude Nichtalltägliches zuhause sein muss. In der Tat bilden Goldschmiede und Metallkunst einen Fach- und Ausbildungsbetrieb, der Menschen mit Handicaps aus unterschiedlichen Bereichen von Herzogsägmühle zusammenführt. Wie der Leiter Stefan von Bergwelt (50), ein Goldschmiedemeister und Andreas Schmidt-Tesch (46), Metallbaumeister, Arbeitserzieher und Arbeitstherapeut, im Gespräch über die Rehabilitation der ihnen anvertrauten Menschen mit seelischer Erkrankung berichten, ist man stolz darauf, wie kein anderer Betrieb Klienten aus allen Fachbereichen zu betreuen.

Die Teilnehmer an den arbeitstherapeutischen Maßnahmen der Kunsthandwerkstatt kommen sowohl aus den Fachbereichen „Menschen mit seelischer Erkrankung“ oder „Menschen in besonderen Lebenslagen“, als auch der „Jugendhilfe“ und den „Werkstätten für Menschen mit Behinderung“. Sie kommen in einen Betrieb, in dem laut Stefan von Bergwelt „Schwerpunkt nicht Produktion sondern therapeutische Arbeit ist, in solidarischem Miteinander“.

Handwerkliches Arbeiten trägt zur Genesung bei.

Die Problematiken der zur Zeit 22 bis 25 überwiegend halbtags arbeitenden zu betreuenden Menschen reichen von seelischer Erkrankung über Suchtkrankheit bis hin zu sozialen Schwierigkeiten. In oft langen Prozessen werden diese Menschen beispielsweise zur Befähigung herangeführt, am ersten Arbeitsmarkt teilzuhaben. Gemeinsamer Nenner ist, dass die Werkstätten Plätze der Ruhe sind, an denen in aktiver professioneller Begleitung neue Perspektiven entwickelt werden und vor allem Eigenständigkeit gefördert wird. Mögen den Einzelnen anfangs gelegentlich Mut und Fantasie fehlen, ihre Talente im feinmotorischen Schmuckbereich oder als Metallkünstler mit Eisen zu entfalten, wird ihnen schnell, so von Bergwelt, „das Bewusstsein von Fähigkeiten durch Pushen, Wecken, Bestärken und Anschieben“ vermittelt.

Übrigens sind die Verweildauern in der Kunsthandwerkstatt unterschiedlich, manche Klienten absolvieren Praktika von zwei bis drei Wochen, andere bleiben langjährig.

Kreatives Arbeiten mit Metall

Mit feinem Humor berichten von Bergwelt und Schmidt-Tesch davon, dass ihre Kunsthandwerkstatt eine glänzende und eine rostige Seite aufweist. Auf der glänzenden Seite steht das Goldschmiedehandwerk, das in traditioneller Technik Edelmetall zu Schmuck umformt. In der Metallkunst entstehen, so die Eigenwerbung, „Nützliches für Haus und Garten“, darunter sowohl handgearbeitete Rosenbögen nach Maß als auch Türschilder, Zeitungskästen, Pflanzengitter und Rankhilfen.

Insgesamt betrachtet wird in der Kunsthandwerkstatt kreatives, motorisches Arbeiten mit dem Werkstoff Metall vermittelt. Bei dem Gebäude der Kunsthandwerkstatt (sie residiert dort seit 1999), handelt es sich um ein Haus mit Geschichte. 1938 war dort eine vor allem landwirtschaftlichen Zwecken dienende Schmiede untergebracht, in der Pferde und Ochsen beschlagen sowie Wagnerarbeiten an einfachen landwirtschaftlichen Maschinen geleistet wurde. Stefan von Bergwelt berichtet: „Das Ganze war zum Abstellraum verkommen und eine Bruchbude, die 1999 saniert wurde“. Daraus ist, wie das Beispiel zeigt, der heutige Vorzeigebetrieb Kunsthandwerkstatt geworden.

Rüdiger Matt

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