Initiatorin Bettina Buresch und Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer (links) konnten zur Einweihung der Gedenkstätte zahlreiche Besucher begrüßen.

Hexen-Gedenkstätte in Schongau: Rosen für die 63 Opfer

Schongau - „Rosen für die Opfer“ - mit einer außergewöhnlichen Gedenkstätte arbeitet die Stadt Schongau ein unrühmliches Kapitel ihrer Geschichte auf: Den Schongauer Hexenprozess (1589 - 1592), der mit etwa 63 Opfern einer der größten im süddeutschen Raum war.

„Die Verwirklichung der Gedenkstätte war mir schon lange ein Anliegen“, erzählt Initiatorin und Stadträtin Bettina Buresch, die dieses Ziel im Grunde seit sie in Schongau wohnt verfolgt hatte. Nachdem ein erster Vorstoß im alten Stadtrat gescheitert war, konnte sie beim zweiten Anlauf in diesem Jahr einstimmige Zustimmung verbuchen. Jetzt konnte das Denkmal mit einem würdevollen Festakt, der von einer Bläsergruppe um Marcus Graf musikalisch umrahmt wurde, eingeweiht werden.

63 Rosenstöcke, verteilt auf drei Beete, und versehen mit Messingschildern, auf denen die Namen der Opfer des Hexenprozesses stehen, weisen auf das Unrecht hin, das diesen Frauen in früheren Zeiten angetan wurde. Geordnet sind die Beete nach den Herkunftsorten der Opfer westlich und östlich von Schongau. 54 Namen konnte Bettina Buresch aus historischen Dokumenten recherchieren, neun namenlose Tafeln stehen für die weiteren Opfer, deren Namen in den Prozessakten nicht explizit genannt werden.

Ganz außen, auf der Seite der Stadtmauer, ist der Name der Peitinger Amtmannfrau Agnes Weiß zu finden, um deren Geschichte sich auch das bekannte Schongauer Hexenspiel rankt. Aber auch andere Gemeinden hatten Opfer zu beklagen. So wurden in Schwabsoien die Ehefrauen aller vier Dorfvorsteher denunziert.

Wie perfide die Ankläger vorgingen, machte Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer spürbar, der aus den Prozessakten über die angeblichen Geständnisse der Apollonia Schnitterin von Soien, der Peitinger Hebamme Anna Etti und der Elß Kerblin, Richtersfrau zu Soien, vorlas. Unter der Folter hatten die Frauen unkeusche Handlungen mit dem teuflischen Buhlen „Hämmerli“ gestanden, mit bösem Zauber Hagelwetter erzeugt oder Vieh und kleine Kinder getötet zu haben. „Der liebe Gott tröste diese armen Opfer und habe sein Erbarmen über diese Irrtümer und die nach den Irrtümern gehandelt haben!“, schloss Schmidbauer seinen Vortrag mit einem spontanen Gebet.

Kreisfachberaterin für Gartenkultur Heike Grosser stellte die Frage in den Raum: „Haben Gärten die Kraft, die Welt zu verändern?“ Gärten seien für den Menschen so etwas wie „Eierlegende Wollmilchsäue“, einerseits stehen sie für Freude, Wahrnehmung oder auch Erinnerung und schaffen Identität, andererseits ernähren sie. „Möge dieser Garten das Miteinander, die Verantwortung, Rücksichtnahme und Kreativität stärken“, so Grosser.

Bürgermeister Falk Sluyterman dankte Bettina Buresch für ihre Initiative und betonte, es gehöre zu den Aufgaben der Stadt, ein Zeichen der Erinnerung zu setzen.

Der Anfang ist gemacht mit dem Rosengarten, der im Mai des nächsten Jahres in voller Blüte stehen wird und durch Spenden von Raiffeisenbank, Sparkasse und Agenda 21 verwirklicht werden konnte. Für die Pflege konnte Bettina Buresch Patinnen aus den Gemeinden der Opfer gewinnen. Zusätzlich sind im Rathaus und im Stadtmuseum Flyer erhältlich, die die Geschichte des Hexenprozesses erzählen.

uf

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