Vor allem China und USA wachsen stark

Hirschvogel nimmt Milliarde ins Visier

Schongau - Die Entwicklung des Automobilzulieferers Hirschvogel mit Stammsitz Denklingen und Werk in Schongau kennt nur eine Richtung: steil nach oben. Für 2016 wird die Milliarde angepeilt.

Egal ob VW, BMW, Audi oder Mercedes, die Autobauer eilen bei den verkauften Autos von einem Rekordergebnis zum nächsten. Da ist es kein Wunder, dass beim Denklinger Automobilzulieferer Hirschvogel, der laut Entwicklungs-Geschäftsführer Thomas Brücher „hochgradig vom Pkw-Markt abhängig ist“, das Geschäft ebenso brummt. Sogar in Westeuropa gab es nach vier Jahren Rückgang wieder ein starkes Wachstum von vier Prozent verkauften Fahrzeugen, Indien hat sich mit einem leichten Plus stabilisiert, noch stärker waren die USA (acht Prozent) und China (zehn Prozent) - und überall ist Hirschvogel mit eigenen Werken vertreten. „Russland, Brasilien und Japan sind nicht so gut gelaufen, aber da sind wir auch nicht so stark tätig“, sagte Brücher. Man könne jetzt sagen, das sei Glück. „Ich dagegen sage, dass ist das Glück des Tüchtigen. Denn wir sind ja nicht zufällig in diesen Ländern vertreten, sondern haben uns das gut überlegt.“

Deshalb sollen auf längere Zeit hinaus auch keine neuen Standorte in anderen Ländern angepeilt werden - es gibt in den bestehenden genug zu tun. In China zum Beispiel platzt das Werk aus allen Nähten. „Dort sind wir um 40 Prozent gewachsen“, sagte Finanz-Vorstand Alfons Hätscher. Deshalb wird in Pinghu nahe Shanghai auch erweitert, unter anderem mit einer weiteren Aluminium-Umformpresse.

Doch auch in der Heimat wird fleißig ausgebaut. In Denklingen, wo mit 1700 der weltweit 4200 Mitarbeiter (plus zehn Prozent in einem Jahr) immer noch die mit Abstand meisten tätig sind, wird in der neuen Halle 16 die erste Maschine aufgebaut, eine 2000-Tonnen-Kaltfließpresse. Sukzessive soll die 10 000 Quadratmeter große Halle weiter gefüllt werden, auch mit Maschinen aus anderen Hallen - man sei immer am Optimieren der Arbeitsabläufe, sagte Produktions-Geschäftsführer Frank Anisits.

Das gilt auch für den Standort Schongau (700 Mitarbeiter). Kaum war die Halle 6 gefüllt, ging auch schon der Bau von Halle 7 los. Wie wichtig es war, dass die Stadt rechtzeitig mit der komplizierten Parkplatz-Bebauung auf der Altdeponie fertiggeworden ist, um Raum für die neue Halle zu schaffen, zeigt folgende Tatsache: „Die Erweiterung ist dringend nötig, denn wir haben schon Aufträge, die in der neuen Halle gefertigt werden sollen“, so Anisits. Hätte es in Schongau nicht geklappt, wäre Hirschvogel theoretisch auf einen anderen Standort ausgewichen - es wäre eine bittere Notbremse für den Standort gewesen.

Brücher legt Wert darauf, dass man gesund wachse, weil Hirschvogel neue Trends schnell aufgreife und die Produkte gefragt seien. Als Beispiele nannte er Verteilerleisten für die Benzin-Direkteinspritzung aus rostfreiem Stahl, die sonst niemand weltweit anbiete, oder Ausgleichswellen, damit auch Fahrzeuge mit nur drei oder vier Zylinder gewohnt ruhig fahren und deren Schwingungen absorbiert werden. Auch im Bereich Elektromobilität schläft Hirschvogel nicht und baut bereits Rotorwellen für E-Motoren sowie Komponenten für Hybrid-Antriebe.

Für das kommende Jahr erwartet Brücher ein etwas abgeschwächtes Wachstum. „Die Prognosen streuen stärker als früher“, weil unter anderem unklar ist, wie es mit Krisenherden der Welt (Ukraine, IS) und der Wirtschaft (Euro, Griechenland) weitergehe. Aber Hirschvogel sieht sich global gut aufgestellt, „und schon jetzt bleibt die Kundennachfrage auf hohem Niveau“, so Anisits, bei manchen Standorten sogar auf Rekordniveau.

Zahlen zum Gewinn nennt Hirschvogel grundsätzlich nicht, doch Hätscher betont, eine hohe Profitabilität sei dem Familienunternehmen wichtig, „um große Investitionen aus eigener Tasche finanzieren zu können“. Dass allein an die Hirschvogel-Stiftung als Mitgesellschafter eine „schöne sechsstellige Summe“ ausgeschüttet werden könne, wie Stiftungsvorstand Walter Pischel mit einem Lächeln sagte, beweist, wie erfolgreich Hirschvogel sich am Markt bewegt.

Boris Forstner

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