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Haben alles über Räuber Kneißl und Benedikt Brandmeier zusammengestellt: Juditha Wolf und Erwin Hartmann.

Historisches aus Schwabsoien

Räuber Kneißl und seine  Verbindung nach Schwabsoien

Was hat der Räuber Kneißl mit Schwabsoien zu tun? Eine ganze Menge. Denn einer der beiden Gendarmen, die im Jahr 1900 von ihm getötet wurden, ist in Schwabsoien begraben: Benedikt Brandmeier. Seiner Geschichte und der des Räubers Kneißl sind Erwin Hartmann und Juditha Wolf vom Historischen Arbeitskreis nachgegangen und haben sie in einer rund 60 Seiten umfassenden Schrift niedergelegt.

Schwabsoien – Bayern um 1900: Die gesellschaftlichen Strukturen sind klar in Obrigkeit und Untertanen geteilt, gesellschaftlicher Aufstieg kaum möglich. Das Schicksal des legendären Räuber Kneißl erhitzt die Gemüter. Unschuldig als 17-Jähriger verurteilt und aus Armut zum Verbrechen gezwungen, rebelliert er listig gegen die Staatsmacht. Während ihn die Obrigkeit als Schwerverbrecher jagt, verehrt ihn die einfache Bevölkerung schon zu Lebzeiten als Rebellen und Volkshelden.

Der Grabstein des erschossenen Polizisten.

Auf der anderen Seite steht Benedikt Brandmeier, königlicher Gendarmeriestations-Kommandant. Der am 31. Oktober 1862 in Schwifting geborene Söldner-Sohn (Kleinbauern, die von der Landwirtschaft allein nicht leben konnten und daher auf einen Hinzuverdienst als Handwerker oder Tagelöhner angewiesen waren), heiratete 1894 Magdalena Lachenmayer, (geboren am 11. April 1869) aus Sachsenried.

Er ist in Altomünster stationiert. Die Wege der beiden Männer kreuzen sich an jenem unsäglichen 30. November des Jahres 1900 in Irchenbrunn, als es zum Schusswechsel zwischen Kneißl und den beiden Gendarmen kam. Brandmeier wurde dabei am Bein getroffen und zwar so unglücklich, dass eine Arterie getroffen wurde und er kurz darauf verblutete. Sein Kollege wurde schwer verletzt, er starb drei Wochen darauf.

„Als Schulbub, im Alter von etwa zwölf Jahren, wurde ich auf den Mathias Kneißl und seine Lebensgeschichte aufmerksam“, erzählt Erwin Hartmann, Mitglied des Historischen Arbeitskreises Schwabsoien/Sachsenried. Auf dem Dachboden seines Elternhauses hatte er Ausgaben der Schongauer Nachrichten von 1951, seinem Geburtsjahr, gefunden. Dort war in einer 18-teiligen Fortsetzung der „Tatsachenbericht von Alto Gruner“ mit dem Titel „Mathias Kneißl, Leben und Ende des Schachermüllerhias“ abgedruckt. Anlass dafür war der 50. Jahrestag der Hinrichtung Kneißls.

„Ich habe kurz hineingelesen und war derart fasziniert, dass ich den kompletten Bericht geradezu verschlungen habe.“ In der Schule, so Hartmann, hatte er darüber nichts gelernt. Und auch Mitautorin Juditha Wolf kann sich nicht erinnern, dass dies jemals Thema gewesen war.

Hartmanns Interesse steigerte sich weiter, als er damals entdeckte, dass der von Mathias Kneißl getötete Gendarm in Schwabsoien auf dem Friedhof begraben liegt. „Ich kann mich noch an den Grabstein erinnern, auf dem eingemeißelt stand: gestorben durch Mörderhand a. 30. Nov. 1900.“ Dieser existiert, sehr zum Bedauern von Hartmann, heute nicht mehr.

Von da an habe er alles gesammelt, was er über den Räuber Kneißl in die Finger bekam, verfolgte alles, was in den Medien berichtet oder verfilmt wurde. Der Anstoß, diese Broschüre zu verfassen, kam von Juditha Wolf, die auch das Archiv der Gemeinde Schwabsoien verwaltet. Dabei kamen ihr Unterlagen von der letzten Enkelin Brandmeiers in die Finger, die heute in Schongau lebt: Benedikta Freimut.

Die letzte Enkelin des Benedikt Brandmeier: Benedikta Freimut mit einem Bild ihres Großvaters.

Sie überließ dem Historischen Verein Fotos und Dokumente und erteilte bereitwillig Auskünfte, die zum Erstellen der Broschüre benötigt wurden. „Da habe ich gesagt: da machen wir was!“, so Juditha Wolf.

Das Ehepaar Brandmeier hatte drei Töchter, Viktoria, Magdalena und Maria. Sie wohnten in Schwabsoien im Haus mit der Nummer 13 ½, heute Schönachstraße 8. Benedikt Brandmeier hatte das Haus 1897 gekauft. Fünf Jahre nach dem Tod ihres Mannes heiratete die Witwe Brandmeier Georg Marb. Sie verstarb 1937 im Alter von 68 Jahren. Die älteste Tochter Viktoria ehelichte den Metzgermeister Josef Höfler aus Denklingen und zog zurück in ihr Elternhaus. Dort betrieb das Paar eine Metzgerei, eine kleine Landwirtschaft, zehn Kinder wurden geboren. Drei davon verstarben im Säuglingsalter, darunter auch der Erstgeborene Benedikt.

Das neunte Kind ist Benedikta Freimut aus Schongau, geboren 1931. Dass sie den Vornamen Benedikta, nach ihrem Großvater mütterlicherseits, erhielt, sei mehr ein Zufall gewesen, wie die 86-jährige schmunzelnd erzählt. Die Mutter hatte ihren Ehemann nach der Geburt gleich zum Standesamt geschickt mit der Anweisung, das Kind als Bernadette eintragen zu lassen. Bis er jedoch dort angekommen war, hatte er vergessen, welchen Namen seine Gattin ausgesucht hatte.

„Auf die Schnelle ist ihm nur Benedikta eingefallen“, amüsiert sie sich noch heute darüber.

Für Benedikta Freimut ist der Großvater immer gegenwärtig gewesen, obwohl sie ihn ja nie kennengelernt hat. „Bei uns zuhause hing ein Porträt von ihm an der Wand und es gab auch eines, wie er im Sarg drin liegt“, erinnert sie sich. Außerdem habe die Mutter die alte Uniformhose einmal vom Speicher geholt und vor dem Haus, wohl zum Lüften, aufgehängt. Da habe man das Einschussloch gesehen. Aber über den Verbleib der Hose wisse sie leider nichts.

In diesem Haus in Schwabsoien, heute Schönachstraße 8, lebte damals die Familie Brandmeier. Fotos/Repro: Trunk

„Heute hätte ich noch so viele Fragen an meine Mutter über den Großvater“, bedauert sie. Zum Andenken an ihn trägt sie ein kleines Foto, das sie vor einigen Jahren aus der Zeitung ausgeschnitten hat, in ihrem Portemonnaie mit sich, das sie hinter die Bilder ihrer eigenen Familie gesteckt hat.

Zwei Monate lang haben Erwin Hartmann und Juditha Wolf an der Broschüre gearbeitet, akribisch Unterlagen durchforstet und die Geschichte der beiden Männer und deren Familien zusammengestellt. Es zeigt das Leben der Familien von Kneißl und Brandmeier in leicht verständlicher Textfolge, gespickt mit Fotos und Dokumenten, unter denen sogar eine Kopie der Hinrichtungsurkunde von Kneißl zu finden ist. Ein sehr empfehlenswertes Heft, das die Legende um den Schachermüllerhias von einer zusätzlichen Seite beleuchtet und die niedergeschriebene Ortsgeschichte bereichert. Es ist im Rathaus Schwabsoien ab Mitte September erhältlich.

Myrjam C. Trunk

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