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Hochwasserschutz: Die Kläger machen einen Rückzieher

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Vor dem Verwaltungsgericht: Rechtsanwalt Thomas Langer, Christian Chuber, Professor Gottlieb Bullinger, Bernhard Müller (Wasserwirtschaftamt Weilheim), Bürgermeister Heimo Schmid, Lucia Messerschmid von der Abteilung Wasserrecht im Landratsamt und Wolfgang Pichura, Leiter der Abteilung Bauen und Umwelt im Landratsamt. Foto: sasse
Vor dem Verwaltungsgericht: Rechtsanwalt Thomas Langer, Christian Chuber, Professor Gottlieb Bullinger, Bernhard Müller (Wasserwirtschaftamt Weilheim), Bürgermeister Heimo Schmid, Lucia Messerschmid von der Abteilung Wasserrecht im Landratsamt und Wolfgang Pichura, Leiter der Abteilung Bauen und Umwelt im Landratsamt. Foto: sasse

Bernbeuren - Der Hochwasserschutz der Gemeinde Bernbeuren läuft in die falsche Richtung, meinen der Kunsthistoriker Christian Chuber und Professor Gottlieb Bullinger. Am Dienstag scheiterten sie aber vor dem Verwaltungsgericht. Trotzdem war Chuber erfreut.

Nachmittags Hagel, nachts Regenmassen auf dem Berg und im Dorf die Flut. Seit dem Hochwasser im Jahr 2002 hat die Gemeinde am Hochwasserschutz gearbeitet. Aber dabei viele Fehler gemacht, meinen Chuber und Bullinger. Nach Bullingers Ansicht hat das Landratsamt auf falschen Grundlagen, nämlich falschen Plänen des Vermessungsamts geplant, „Der Weidenbach verläuft ursprünglich ganz anders, die Gemeinde hat hier durch Aufschüttungen Tatsachen geschaffen, um ihre Planung durchdrücken zu können“, sagt Bullinger. Seine Vermutung: „Es geht darum, Bauland entlang des Bachs zu schaffen.“

Das Rohr, das die Gemeinde vom Weidenbach bis zum Haslacher See verlegen will, halten Chuber und Bullinger für „unökologisch“, sagt Chuber. Seiner Meinung nach hätte die Gemeinde den Bach und die unmittelbar angrenzenden Rückhalteflächen besser pflegen müssen, dann würden sie ausreichen. Vor Gericht allerdings drangen sie mit ihren Altenativvorschlägen nicht durch - ganz einfach, weil ihre Grundstücke nicht von der Planung umfasst und die Klage der beiden deshalb schon gar nicht zulässig war. Was die 2. Kammer aber nicht davon abhielt, gestern zweieinhalb Stunden zu verhandeln - bis Bullinger und Chuber ihre Klage gegen das Landratsamt zurücknahmen. Der Kunsthistoriker wird nun öfters vor Gericht auf Bürgermeister Schmid treffen. In Sachen „Damasia“ macht er sich große Hoffnungen, sagte er gestern. Denn für die Gemeinde sehe es da „katastrophal“ aus. „Der Bürgermeister hat sich mit einem gefälschten Antrag Leader-Förderung von der EU erschlichen und einen Patenantrag gefälscht, und das alles als Amtsperson“, so Chuber. Ob und wann nun das Verwaltungsgericht oder ein Zivilgericht über seine 70-seitige Klageschrift verhandeln werde, wisse er noch nicht.

Bürgermeister Schmid dagegen ist sich sicher, dass der Begriff „Damasia“ nicht von Chuber erfunden wurde, sondern überliefert sei. Ihn freute der enorme Andrang auf die im Mai eingeweihten Wanderwege auf dem Auerberg, für die die Gemeinde rund 38 000 Euro EU-Förderung erhalten hat. Zum anstehenden Prozess wollte er sich nicht äußern.

Auch am Mittwoch ging es vor dem Verwaltungsgericht um den Hochwasserschutz von Bernbeuren. Denn Bullinger hatte auch das Vermessungsamt verklagt, weil dessen Messungen, auf denen der Plan basiert, seiner Meinung nach falsch sind. Gestern nahm er diese Klage jedoch zurück. Damit ist aber nicht Schluss, sagt Bullinger: „Wir werden unser weiteres Vorgehen noch beraten.“ Auch wenn er enttäuscht sei, weil er mit seinen zwei Klagen scheiterte, sei „die Sache falscher Hochwasserschutzplan nicht erledigt“.

Sein Mitstreiter Chuber dagegen war guter Dinge. Er habe nämlich geklagt, weil er befürchtete, dass die Gemeinde in einem nächsten Schritt auch seine 10 000 Quadratmeter Wiesen als Hochwasser-Rückhaltefläche in Anspruch nehmen werde. Bürgermeister Schmid aber versicherte in der Verhandlung, dies sei nicht geplant. „Daran muss er sich festhalten lassen“, meinte Chuber.

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