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Hohe Hürde für Rettungshunde

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Und los, die Zeit läuft. Sanela Hütz schickt ihre „Jaime“ los, um die zwei Opfer zu suchen. Die Prüfer notieren mit. Foto: HH
Und los, die Zeit läuft. Sanela Hütz schickt ihre „Jaime“ los, um die zwei Opfer zu suchen. Die Prüfer notieren mit. Foto: HH

Schongau - Die Rettungshunde des BRK leisten ganze Arbeit. Am Wochenende fand eine große Prüfung statt, zu der 26 Führer mit ihren Hunden aus ganz Bayern nach Schongau reisten.

Sanela Hütz aus München reißt ihre Arme in die Höhe. Ihre Freude ist rießengroß. Saniela hat gerade von den Prüfern das Ergebnis der praktischen Prüfung „Suche im Wald“ erfahren. Kurz und bündig: Bestanden. Saniela umarmt ihre „Jaime“. Mit der Hündin ist sie ein eingeschworenes Team. Dann gibt es Wasser aus der Flasche, die immer mit im Rucksack dabei ist. Erst für „Jaime“, dann für Sanela. Erst Ross, dann Reiter. Den Erklärungen der beiden Prüfer Sigrid Höfer und Erich Mock kann Sanela nur noch oberflächlich folgen. Zu sehr entladen sich bei ihr die Emotionen. Monatelang hat die Hundeführerin der Rettungshundestaffel München auf diesen Tag hingearbeitet, jede freie Minute mit „Jaime“ gearbeitet. Die Belohnung dafür ist die bestandene Prüfung.

Alle 18 Monate muss diese Prüfung wieder absolviert werden. Ein TÜV gewissermaßen für Hund und Herrchen, oder hier besser Frauchen. Strenge Maßstäbe werden angewandt, die Prüfer sind gnadenlos. Schließlich ist das hier kein Spiel, das ist eigentlich schon Übung für den realen Einsatz. Und nur geprüfte Hunde werden dazu zugelassen. Für „Jaime“ ist es Ernstfall. Sie muss zwei versteckte Personen innerhalb von 20 Minuten finden. In einem sehr unzugänglichen Waldstück von 30 000 Quadratmetern. „Jaime“ gehört zu den „Verbellern“. Diese Art gibt durch lautes Bellen das Auffinden der gesuchten Person an das Frauchen weiter. Dann muss die Hundeführerin schnell, aber besonnen reagieren. Erste Hilfe leisten, Standort per Funk durchgeben. Der Hund sitzt daneben und beobachtet. Die Streicheleinheiten gibt es später.

Teamkollege Markus Kandlbinder, ebenfalls aus München, steht schon in den Startlöchern. Auch er nur mit Karte und Kompass bestückt, dazu Kartenausschnitt seines Suchgebiets. Der Rucksack ist selbstverständlich. Seine Hündin „Sunny“ die Ruhe selbst. Als hätte sie alle Zeit der Welt. Markus zieht eine Puderdose aus der Hose. Kurz den Puder in die Luft geschleudert, die Windrichtung ist festgestellt. Markus legt seine Suchtaktik fest. Laut spricht er mit sich selbst, Prüfer Erich Mock immer dicht hinter ihm. Mock nimmt alle Reaktionen von Hund und Herrchen auf. Notiert sie, führt genauestens Buch. Berufsbedingt. Mock ist Polizist. Ihm entgeht nichts, gar nichts. Klar, er selbst ist auch Hundeführer. Nach nur vier Minuten der erste Erfolg. „Sunny“ findet die vermisste Person. Doch kein Grund zur Entspannung. Die zweite Person liegt noch irgendwo im Suchgebiet. Der Zeiger der Uhr bleibt auf 7.25 stehen, als „Sunny“ den Fund mitteilt.

Neben „Verbellern“ sind auch „Rückverweiser“ im Einsatz. Hundeführer und Ausbilder Roland Mußbach der Rettungshundestaffel Weilheim-Schongau erklärt den Unterschied. Wenn diese Hundeart eine Person findet, kommt sie lautlos zum Führer zurück und zeigt dies durch eingeübte Gestik an. Dies wurde beim „Verweistest“ am Sportplatz geprüft. Ebenso das Prüfungsfach „Unterordnung“. Hier musste gezeigt werden, dass sich der Rettungshund durch nichts ablenken lässt. Spaziergänger oder andere Hunde sind Nebensache, Herrchen steht im Mittelpunkt. Und natürlich die zu suchende Person.

Selbst wenn der Rettungshund verletzt ist und selbst geborgen werden muss, darf er nicht aggressiv werden. Ebenfalls ein Punkt der Prüfung, der hohen Stellenwert hat. Viele Monate Arbeits- und Ausbildungszeit sind von den Teilnehmern vor der Prüfung abgeleistet worden. Doch diese ist kein Freibrief; wer bestehen will, muss fit sein. Fit für den Ernstfall. Wie hoch die Messlatte gesetzt wird, ist am Ergebnis zu erkennen. Nur 60 Prozent der Teilnehmer in Schongau hat bestanden, der Rest muss weiterüben.

Hans-Helmut Herold

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