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Auf den Spuren der Hohenfurcher Geschichte: Ex-Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl. Ziel der jährlichen Wallfahrt der Hohenfurcher ist das Gemälde in der Peitinger Kirche Maria Egg.

200 Jahre Verfassung

Hohenfurch wieder vereint

Heuer gedenkt Bayern dem 200-jährigen Bestehen der Verfassung, die 1818 von König Max I. Joseph eingeführt wurde und die bis zum Ende des Ersten Weltkrieges wirkte. Damals in diesem Zusammenhang getroffene Erlasse wirken jedoch noch immer nach. Für Hohenfurch bewirkte sie die erneute Zusammenführung von Ober- und Unterdorf am 26. Mai 1818, also heute vor 200 Jahren.

Hohenfurch – Die Ansiedlung an der Schönach, die im Jahr 1280 nach Christus erstmals urkundlich erwähnt wurde, war bis etwa 1400 nach Christus im Besitz des Klosters St. Mang in Füssen. „Warum die Teilung dann erfolgte, konnte bislang nicht herausgefunden werden“, sagt dazu Hohenfurchs ehemaliger Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl.

Auch die Heimatchronik hat dazu keine näheren Berichte. In diese Zeit fielen beispielsweise die Münchner Unruhen, die Pest wütete in Europa, und in Frankreich begann der 100-jährige Krieg.

Fest steht jedoch, dass das Hohenfurcher Oberdorf um das Jahr 1400 den Herren von Hohenegg zugesprochen wurde. Dieses Adelsgeschlecht war im Allgäu weit verbreitet und reich begütert. Ihr Stammsitz war die Burg Hohenegg in der Nähe von Ebratshofen im Westallgäu. Die Burg wurde im Bauernkrieg zerstört, heute finden sich an jener Stellen nur noch Mauerreste und eine Gedenktafel.

Gemeinsam im Gebet um Rettung: Die beiden Bürgermeister Simon Peter Negele (Oberdorf) und Justinus Jocher (Unterdorf).

Das Unterdorf blieb bis 1785 bei St. Mang und damit beim Hochstift Augsburg, danach gehörte das Oberdorf zum Kloster Steingaden. Die beiden Gemeindeteile hatten jeweils einen eigenen Bürgermeister. Und noch heut sind Reste der ehemaligen eigenen Wasserversorgung des Oberdorfes aus einem Brunnen zu finden. Die Menschen aus dem Hohenfurcher Unterdorf bezogen ihr Trinkwasser aus der Schönach.

Weit verwunderlicher noch scheint die Tatsache, dass im Oberdorf über die Jahrhunderte der Trennung hinweg keine eigene Kirche errichtet wurde, früher eigentlich der ganze Stolz der Einwohner. Noch seltsam mutet dazu an, dass die Dornau bei Schongau ebenfalls zum Oberdorf gehörte, mehr als eine Stunde Fußmarsch entfernt. Diese wenigen Seelen dieser Siedlung gingen allerdings am Sonntag nach Schongau zur Messe, wie Quellen belegen.

Dass es seinerzeit zwei Bürgermeister gab, zeigt als bisher einzige Darstellung eine Votivtafel (Entstehung und Künstler unbekannt), die noch heute in der Peitinger Kirche Maria Egg zu finden ist. Sie zeugt von einem Ereignis vom 19. September 1796, als: „...die Truppen der französischen Revolution nachts um 10 Uhr schon im Anzug waren… in der Not verlobten sich die zwo Gemeinden… zu der Gnadenmutter Maria unter der Egg nächst Peiting mit einer heiligen Messe und Kreuzgang zur Danksagung und zwar alle zwei Jahre zur Abwendung aller feindlichen Gefahren“.

Darauf zu sehen und namentlich erwähnt sind die beiden betenden Bürgermeister Simon Peter Negele vom Oberdorf und Justinus Jocher vom Unterdorf. Häuser und Anwesen blieben verschont. „Noch immer und so auch am morgigen Sonntag machen sich Hohenfurcher auf die Wallfahrt nach Peiting“, bestätigt Gerbl.

„Gespalten von Silber und Grün“: Das Hohenfurcher Wappen.

Heute ist das Dorf zusammengewachsen, Rivalitäten wie noch vor einigen Jahren, als es bei Lokalderbys der beiden damaligen Eishockey-Mannschaften aus dem Ober- und Unterdorf noch manchmal recht zur Sache ging, hätten sich etwas mehr zerstreut.

Das Ober- und Unterdorf Hohenfurchs vereinigt sich auch auf dem Wappen der Gemeinde: „Gespalten von Silber und Grün“, vorne ein schwarzer Stierrumpf mit roten Hörnern (Oberdorf, nach dem Wappen der Herren von Hohenegg), hinten ein goldener Drache (Unterdorf, St. Mang).

Kostenloser Sekt

Anlässlich der 200 Jahre geeintes Dorf schenkt die Orts-SPD am heutigen Samstag von 10 bis 12 Uhr auf dem Rewe-Parkplatz Sekt aus.

Myrjam C. Trunk

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