Am Sonntag in Hohenfurch war nicht nur der Wagen der örtlichen Faschingsgesellschaft unterwegs (r.), sondern auch der von den Nachbarn aus Schwabsoien (l.).
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Ist das schon ein Faschingsumzug? Am Sonntag in Hohenfurch war nicht nur der Wagen der örtlichen Faschingsgesellschaft unterwegs (r.), sondern auch der von den Nachbarn aus Schwabsoien (l.) mit vielen maskierten Fußgängern.

Hohes Bußgeld droht

Mitten im Corona-Lockdown: Mehrere Gemeinden beim Faschingsumzug light - „Sollte eine Überraschung sein“

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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  • Christoph Peters
    Christoph Peters
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Es sollte ein Gute Laune-Faschings-Gag werden. Doch das maskierte „Spazierengehen mit Abstand“ ist in Hohenfurch zum „Faschingszug light“ mutiert. Jetzt ermittelt die Polizei.

Hohenfurch – Zum maskierten Spazierengehen – mit Abstand! – hatte Hohenfurchs Faschings-Präsident Johannes Linder für Faschingssonntag aufgerufen. Aus dem Corona-konformen Treffen hatte sich kurzerhand ein kleiner Gaudiwurm firmiert. Mit von der Partie sogar die Prinzenwagen aus dem Schönachdorf und dem befreundeten Schwabsoien.

Polizeichef Toni Müller kann darüber gar nicht lachen. Als eine Polizeistreife am Sonntagnachmittag in Hohenfurch eintrifft, ist zwar von Gaudiwurm keine Spur mehr, allerdings hätten die Beamten „auffallend viele Maskierte“ auf den Straßen angetroffen – „allerdings alles Corona-konform“. Andere Schlüsse lässt belastendes Material zu, dass dem Polizeichef vorliegt. Das lasse keinen Zweifel, dass es sich hier um eine geplante Veranstaltung handle – was wiederum aufgrund der Pandemie derzeit gänzlich verboten sei. Und selbst ohne Pandemie: Ein Umzug hätte so oder so genehmigt werden müssen. Ermittelt werden soll jetzt, „wer das organisiert hat“, so Müller. Die Ermittlungsergebnisse werden an das Landratsamt weitergeleitet.

Corona-Lockdown: „Faschingsumzug light“ in Hohenfurch - Polizei ermittelt

Hohenfurchs Faschingsclub-Präsident Johannes Linder klingt am Tag nach dem bunten Faschingstreiben im Schönachdorf zerknirscht. „Wenn ich gewusst hätte, dass es solche Ausmaße annehmen würde“, hadert er, der mit seiner Idee eines Faschingsspaziergangs nur ein bisschen Farbe ins Dorf habe bringen wollen.

Vom Hohenfurcher Faschingswagen war in der Ankündigung freilich keine Rede gewesen. „Der sollte eine Überraschung sein“, sagt Linder. Dass man vom „Prunkstück des Vereins“ ein bisschen das Dorf beschalle, da habe er nichts dagegen gehabt. Ein Mann für die Musik, ein weiterer am Steuer, der das Gespann durch das Schönach-Dorf lenkt und hupt, wenn die Spaziergänger fröhlich winken: So war der Plan.

Faschingsumzug trotz Corona-Lockdown: Suche nach Verantwortlichen in Hohenfurch und Schwabsoien

Das Problem: Es war nicht nur der Hohenfurcher Faschingswagen, der sich durchs Dorf bewegte, sondern hinter ihm folgte das Pendant des Schwabsoier Faschingsclubs. Dass sich die Narren aus der Nachbargemeinde den Spaß in Hohenfurch offensichtlich nicht entgehen lassen wollten, habe er erst erfahren, als der Schwabsoier Wagen schon am Treffpunkt im Oberdorf gestanden habe, sagt Linder. „Offensichtlich hat es da im Hintergrund Absprachen gegeben.“ Er selbst sei zu dem Zeitpunkt mit seiner Familie im Unterdorf spazieren gewesen. „Ich habe ihnen am Telefon gesagt, dass sie auch fahren können, aber nicht zusammen als Zug. Das ist leider nicht so umgesetzt worden.“

Offensichtlich hatte sich der Umzug light rasch herumgesprochen, denn neben den beiden Faschingswagen schlossen sich noch andere Gruppen dem bunten Treiben an. So winkten die Hohenfurcher Gardemädels fröhlich den am Rande stehenden Zuschauern zu. Waren diese immerhin noch darum bemüht, zumindest Abstände zueinander einzuhalten, war daran bei den jungen Männern, die gemeinsam an ihrem Bier nippend auf einem Achter-Tandem in die Pedale traten, nicht zu denken. Als er den Zug gesehen habe, „habe ich sofort die Reißleine gezogen und ihn gesprengt“, sagt Linder. Da war der kleine Gaudiwurm freilich schon durch das halbe Dorf gefahren.

Corona: Faschings-Präsident aus Hohenfurch löst „Umzug light“ auf - „so war das alles nicht gedacht“

Es war nicht das einzige Mal, dass der Präsident nach eigenen Angaben allzu geselliges Treiben während des coronabedingten Lockdowns zu unterbinden versuchte. So manch einer nahm die an verschiedenen Stellen im Ort offerierten kleinen Getränke zum Anlass für einen Plausch mit anderen Narren. „Wo ich das gesehen habe, habe ich die Leute ermahnt, sich an die Regeln zu halten“, sagt Linder. „So war das alles nicht gedacht.“

Schongaus Faschingspräsident Andreas Mock gibt sich auf Anfrage der Schongauer Nachrichten zurückhaltend. Intern habe er kommuniziert, dass sich die Schongauer an dem Treiben in Hohenfurch nicht beteiligen. „Die Leute dürfen nicht in die Arbeit, die Kinder nicht in die Schule, es ist Ausgangssperre – in unserer Vorstandschaft hielten wir das alle in solchen Zeiten als nicht angemessen.“

Dem Ordnungsamt ist die Veranstaltung inzwischen angezeigt. Sollte ein Verantwortlicher ausgemacht werden können, droht ein vierstelliger Bußgeldbetrag. Auch ein Wirt in Bayern veranstaltete eine illegale Faschingsparty und hatte dafür eine kuriose Begründung parat.

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