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Ein Paar wie Pech und Schwefel. Reinhard Knopp aus Hohenfurch und sein Uhu-Mädchen „Siri“, das in wenigen Tagen zu ihrem ersten Freiflug starten wird.

Ein Falkner aus Leidenschaft

Reinhard und sein Mädchen „Siri“

Schon als kleinen Buben haben Reinhard Knopp Vögel interessiert. Durch seinen Großvater Emil infiziert, befasste er sich früh mit der Aufzucht verschiedener Arten. Egal ob Kanarienvögel, Zebrafinken oder die Chinesische Nachtigall, über 50 Stück hat er nach und nach in seinen Volieren gehalten. Eine Leidenschaft wurde entfacht, die bis jetzt angehalten hat. Nur, dass sie sogar etwas größer geworden ist. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Hohenfurch – Das Bild, das dem Spaziergänger in den frühen Morgenstunden auf dem Feldweg entgegenkommt, ist schon gewöhnungsbedürftig. Man reibt sich förmlich die Augen, wenn man das ungleiche Paar richtig wahrnimmt. Ein Mann mit Jägerhut, auf der Hand vor dem Körper ein Knäuel aus Federn haltend. Erst als der Kopf des Knäuels sich nach vorne dreht, sind Schnabel und Augen zu erkennen. Was für Augen! Groß, fast stechender Blick. Erinnern an die Glasaugen eines Teddybärs. Nur der Respekt ist jetzt größer.

Der Spaziergänger mit dem Wollknäuel auf der Hand ist Reinhard Knopp, den man eigentlich aus einer anderen Richtung kennt. Der lange Jahre Dirigent der Schongauer Stadtkapelle war und dessen Herz immer noch für die Musik schlägt.

Aber wie das halt so ist, in manchem schlagen eben zwei Herzen. Wie eben bei Knopp, der neben der Musik seit langem das Hobby als Falkner pflegt. Und das Wollknäuel in seiner Hand entpuppt sich als Uhu. „Bubo bubo“, so die lateinische Bezeichnung. Knopp hat das Tier aus einer Nachzucht erworben. Mit allem Drum und Dran, wobei damit die offiziellen Papiere gemeint sind.

Natürlich wurde das Tier auch bei der Unteren Naturschutzbehörde gemeldet und registriert. Knopp kennt sich aus, schließlich hat er langjährige Erfahrung mit dem Umgang von Greifvögeln. 1993 hat er die Jägerprüfung abgelegt, die Voraussetzung und Grundbedingung für den Falkner ist.

Nach bestandener Prüfung hat sich Knopp einen Habicht zugelegt. Seit 26 Jahren pflegt und arbeitet er jetzt mit diesem Tier mit dem Namen „Medusa“. „Es ist schon ein stattliches Alter für so einen Vogel“, erklärt Knopp. Bedeutend jünger ist seine „Siri“, wie er das Uhu-Mädchen genannt hat. Sie ist zehn Wochen alt, und Reinhard „macht sie jetzt locke“, wie er es in der Falknersprache nennt. Das heißt, er gewöhnt das Tier an sich und die Umwelt. Das macht neugierig. Eine Einladung zu einem „Männergespräch“ wird gerne angenommen. Der Funke vom Tier zum Betrachter ist noch nicht so richtig übergesprungen. Auf einmal so nah am Geschöpf flößt gehörig Respekt ein.

Das merkt Reinhard sofort und versucht, die Lage zu entschärfen. Er schnabelt mit seiner „Siri“, oder „Siri“ mit ihm? Auf alle Fälle berührt das Uhu-Mädchen mit dem Schnabel ganz zart Reinhards Gesicht. Erweckt den Eindruck einer Liebkosung. Da bleibt einem wirklich die Luft weg. „Ich bin ja für ,Siri’ jetzt die Mutter“, erklärt Reinhard. Da muss man sich erst mal reindenken.

Reinhard erklärt weiter, dass er das Tier per Hand mit kleinen Fleischstückchen aufzieht. Langsam, Stück für Stück. Und dazu immer die kleinen Berührungen und Spielchen mit den Fingern. Er demonstriert es, der Betrachter ist geplättet.

Plötzlich steht eine Mutprobe im Raum. So schnell aus der Hüfte geschossen. Reinhard will, dass der Betrachter den Uhu am Hals kraulen soll. Oh Mann, auf einmal erscheint der gebogene Schnabel noch größer und angriffslustiger. Ein Held war der Reporter noch nie. Er fasst sich ein Herz und tastet sich vorsichtig heran, vorsorglich als Rechtshänder mit der linken Hand. Es scheint „Siri“ zu gefallen. Erst jetzt fühlt der Reporter diesen weichen Flaum, beeindruckend. Sein Herzschlag beruhigt sich wieder – ganz langsam.

Jetzt bekommt das Gespräch eine fachliche Note. Das Interesse ist geweckt, Einzelheiten müssen her. Kein Problem für Reinhard, der viel über den Uhu zu erzählen weiß. „Nur noch ein paar Tage, dann wird „Siri“ das erste Mal fliegen“, erzählt er. Das Tier hat jetzt seine Hand verlassen und hüpft frei im Garten herum.

Natürlich die erste Frage, ob das Mädchen dann nicht einfach abhaut? Reinhard verneint. Für ihn hat das Tier seine neue Umgebung, besser gesagt seine neue Familie, akzeptiert. „Das ist ja der Reiz der Sache, zum Tier die Verbindung herzustellen, wenn es frei fliegt, dass es immer wieder zurückkommt“, erklärt er. Und erzählt weiter, wird richtig lebhaft und virtuos. Wie in alten Zeiten mit dem Dirigentenstab. „Wir Menschen haben sieben Halswirbel, der Uhu hat das Doppelte“, so Reinhard. Deshalb kann er seinen Kopf auch so weit drehen. Sieht irgendwie unnatürlich aus. Jetzt bekommt der Begriff „Wendehals“ eine völlig andere Bedeutung.

Auch mit den Zehen kann der Uhu eine besondere Nummer vollführen. Von den vier Zehen ist die äußere eine Wendezehe. Die dreht das Tier bei Bedarf nach hinten, um die Beute besser packen zu können. Und diese Beute können Ratten sein. Wie in Malaysia, wo in Ölpalmenplantagen Nistkästen für den Uhu aufgehängt werden. Gut 1400 Ratten fängt ein brütendes Pärchen dort in einem Jahr.

Wenn man dann noch von Reinhard Knopp erfährt, dass ein Uhu selbst bei Kerzenlicht eine Maus aus über 1000 Meter Entfernung erkennen kann, ist man wirklich beeindruckt und fasziniert. Selbst für Reinhard ist es immer wieder faszinierend, wenn er dem Vogel die Freiheit gibt und dieser immer wieder zu ihm zurückkommt.

Hans-Helmut Herold

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