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Eine musikalische Familie stellt sich vor, von links: Samuel Fischer (Posaune), Kommandant Jürgen Fischer, Ehefrau Barbara Fischer (Querflöte) und Opa Luitpold Fischer (Posaune) vor Samuels erstem großen Auftritt am Schockerberg.

Feuerwehrkapelle Hohenfurch

Familienbetrieb der besonderen Art

Sie ist im Landkreis bestens bekannt. Egal ob Faschingsveranstaltung, Firmenjubiläum oder Starkbieranstich: Die Hohenfurcher Feuerwehrkapelle ist ein beliebtes Zugpferd jeder Veranstaltung. So auch am diesjährigen Schockerberg, bei dem die Kapelle wieder zu Höchstform auflief. Und wer hätte das vermutet: Im nächsten Jahr wird das 10-Jährige gefeiert.

Hohenfurch – Man hat die Bilder des Einmarsches der Feuerwehrkapelle durch den Jakob-Pfeiffer-Saal am Schockerberg noch deutlich in Erinnerung. Vorneweg Kommandant Jürgen Fischer mit dem Strahlrohr als Dirigentenstab, dahinter Vater Luitpold mit der Posaune. Die zweite Posaune hinter Luitpold spielt an diesem Abend Samuel Fischer, der Sohn des Dirigenten. Sami ist das erste Mal bei einem Auftritt auf großer Bühne dabei. Nicht zu vergessen Barbara Fischer, die Mutter von Samuel und Ehefrau des Kommandanten Jürgen. Sie hat sich in die zwölfköpfige illustre Truppe eingereiht und spielt die Querflöte. Markenzeichen: der blonde gefochtene Zopf. Als Vorletzter Musiker ergänzt Schwager Albert als Trommlerbub den chaotischen Klangkörper. Nicht zu vergessen das Schlusslicht an der großen Marschtrommel. Es ist Schwager Florian. Ein Familienbetrieb der wirklich besonderen Art.

Ein besonderer Abend auf alle Fälle für Samuel. Der Sohn von Kommandant und Querflöte ist zwar erst schlappe 14 Jahre alt, zeigt aber jetzt schon alle Qualitäten eines Profis. Inklusive der Schlitzohrigkeit seines Großvaters Luitpold. Seit sechs Jahren spielt Samuel mittlerweile Posaune. Sein großer Traum ist, seinen Platz neben Luitpold in der Schongauer Stadtkapelle zu bekommen. Darauf arbeitet Samuel zielgerichtet hin. Mittwoch Einzelunterricht, Freitag Probe in der Big Band des Welfen Gymnasiums. Soweit die Musikalität.

Die andere Vorbelastung von Sami kommt vom Familienzweig der Mutter. Quasi aus dem „Linder-Clan“. Lange Jahre haben seine Onkels mit ihren Büttenreden einen Knaller nach dem anderen abgezogen, das muss auch Sami im Blut haben. Fragt man ihn nach seinem Vorbild, bekommt man eine typische Sami-Fischer-Version: „Früher war mein Opa das große Vorbild, jetzt spiel ich selbst schon ganz gut.“ Selbstsicher ist Sami auf alle Fälle. Und auf die Frage, was ihm an der Feuerwehrkapelle so gut gefällt, hält er auch nicht hinterm Berg. „Da kann man immer einen lockeren Kommentar ablassen. Den hau ich aus dem Stegreif raus, da scheiß i mi nix.“ Kurz und bündig die Nachwuchsposaune mit Berufswunsch Metzger.

„Wie hat eigentlich alles angefangen?“, ist die große Frage über die Feuerwehrkapelle, die im Raum steht. Hier gibt Barbara Linder Hilfestellung. In der Faschingshochburg Hohenfurch hat vor zirka 20 Jahren Jürgen Fischer als Büttenredner den Gemeindediener Bruno Krieger verkörpert. Krieger, der selbst langjährig den Bürgermeister Hans Moser bei den Inthronisationsbällen in der historischen Feuerwehr Uniform begleitet hat, schenkte eines Tages Jürgen Fischer die Uniform. Für Fischer ein Signal, mit diesem Kleidungsstück irgendwie weiterzumachen. Der Gemeindediener mit Schirmmütze und Stilglocke war geboren.

Zu einem Faschingsball im legendären Schönachhof sollte der Elferrat eine Einlage machen. Da hatte Jürgen Fischer die Idee mit der Kapelle, da fast alle Mitglieder seiner Familie ein Instrument spielten. Seine Schirmmütze tauschte er gegen den Helm, die Stilglocke gegen das Strahlrohr – der Kommandant war perfekt. Außer dem Fischer-Linder-Familienclan gesellten sich noch Markus Kohler (große Trommel) und Marion Prinzing (Trompete) sowie die Daxer-Brüder aus Altenstadt dazu, alles Musiker der örtlichen Blaskapellen. Deshalb bekam die Formation den Namen „Schönachdorfer Feuerwehr“. Die große Premiere war der Fasching 2009.

Die Formation kommt an. Die Sprüche von Jürgen Fischer sind die Knaller. Gnadenlos, schlitzohrig, brutal ehrlich. Alles aus dem Alltag gegriffen. Gut beobachtet, von vielen Seiten zugetragen. Einfälle und Gedankenblitze, die Jürgen Fischer hinter dem Steuer beim Ausliefern seiner Waren vom Bauernhof hat, werden auf ein Diktiergerät gesprochen. Mit Ehefrau Barbara wird daheim überlegt, wie man „es dann spritzig verpacken könnte“. „Da läuft dann plötzlich im Kopf ein Film ab und es passt“, so Barbara.

Die zwölfköpfige Formation der Schönachdorfer Feuerwehrkapelle aus Hohenfurch nach ihrem Auftritt am Schockerberg in Schongau.

Wie eine der musikalischen Spottgeschichten am Schockerberg vergangene Woche, zu der Landrätin Andrea Jochner-Weiß selbst beim Kaffeekränzchen die Steilvorlage gab. Dabei erzählte sie vorher in lockerer Runde, dass sie sich in einen Viererbob zwängte und nach der heißen Fahrt im Eiskanal nicht mehr alleine aus dem Gefährt herauskam. „Da fiel uns gleich das Bobfahrerlied ein und der Brüller des Abends war geboren“, freut sich eine strahlende Barbara Fischer. Und was sagt Ehemann Jürgen dazu? Er schmunzelt, zieht seinen Trainingsanzug an und geht zum Fußballtraining seiner Buben. Denn Jürgen hat (fast) nur auf der Bühne was zu sagen.

Von Hans-Helmut Herold

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