Derzeit blüht die Ackerbohne, die Jürgen Fischer (l.) auf dem Acker von Michael Kögl anbauen lässt.
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Derzeit blüht die Ackerbohne, die Jürgen Fischer (l.) auf dem Acker von Michael Kögl anbauen lässt.

WAS WÄCHST DENN DA?

Getoastete Bohnen für 10000 Hühner

10 000 Hühner müssen eine Menge fressen. Da wären Mais, Weizen und Triticale, was Jürgen Fischer auf seinem großen Hühnerhof in Hohenfurch auf 35 Hektar auch anbaut. Eine besondere Frucht dagegen, die bei uns recht selten auf Äckern zu finden ist, lässt er auf drei Hektar von seinem Nachbarn Michael Kögl anbauen: die Ackerbohne.

Hohenfurch - Denn Fischer braucht für seine Hühner nicht nur Stärke aus dem Getreide, sondern auch Eiweiß. Soja importieren will er nicht, er setzt zumindest zum Teil auf in Bayern angebautes Soja zum Beispiel aus dem Bereich Landsberg. Doch das ist selten und dementsprechend teuer, weil es auch bei Lebensmittelproduzenten begehrt ist. „Und bei unseren 700 Höhenmetern wächst Soja noch nicht richtig.“

Deshalb behilft sich Fischer mit der Ackerbohne, obwohl sie ein entscheidendes Manko hat: „Sie hat viel Tannin, schmeckt also bitter. Das mögen die Hühner nicht, deshalb kann ich die Ackerbohne nur zu zehn Prozent ins Futter mischen.“ 20 Prozent machen das Soja aus, drei bis fünf Prozent sind noch Grünfutter, der Rest setzt sich aus den anderen Getreidesorten zusammen.

Die Ackerbohne wird im April angepflanzt...

Angepflanzt wird die Ackerbohne Anfang April, heuer wurde es wegen der vielen Spätfröste eher Ende April, was sich als gute Entscheidung erwiesen hat. Sie braucht keinerlei Dünger, zieht sich vielmehr den Stickstoff aus der Luft und speichert ihn im Boden – das ist als natürlicher Dünger gut für nachfolgende Pflanzen, die im Rahmen der Fruchtfolge angebaut werden.

Die Ackerbohne wächst schnell, nach wenigen Wochen steht sie bereits mit mehr als einen halben Meter hohen Stängeln auf dem Feld. Momentan fängt sie gerade zu blühen an – weiß. „Das ist die Sorte Tiffany, die hat weniger Tannine als eine andere Sorte, die bunt blüht“, sagt Fischer. Bei Milchkühen – Fischer hält mit 50 Hektar Grünland auch noch 50 Kühe plus Nachzucht sowie seit neuestem 15 Mütterkühe – sind die Tannine nicht schlecht, weil sie verhindern, dass im Pansen weniger Eiweiß abgebaut wird und der Milchkuh direkt im Darm zur Verfügung stehen. „Heuer steht die Ackerbohne gut da, sie ist bisher zum Glück auch vom Hagel verschont geblieben“, sagt Fischer zufrieden.

... und im September geerntet

Schon bald wird sie aber unansehnlich ausschauen. Denn nach der Blüte stirbt die Pflanze langsam ab, die Bohnen drücken aus den Hülsen – dann ist Erntezeit, in der Regel Anfang September. „Die Bohne wird mit dem Mähdrescher geerntet“, sagt Fischer – man muss nur tiefer fahren, um alle Schoten zu erwischen. Danach geht die Ernte – in der Regel 40 Doppelzentner pro Hektar – in eine Mühle nach Kissing, dem Asamhof. Dort werden die Bohnen thermisch erhitzt, „getoastet“, wie Fischer sagt: „Zum einen, damit sie wirklich zu 100 Prozent trocken sind, sonst kann ich die bei mir nicht langfristig lagern. Zum anderen, damit sie besser schmecken.“

Von Zeit zu Zeit kommt dann ein mobiler Unternehmer mit einem großen Lkw auf den Fischerhof, der die Zutaten für das Hühnerfutter aufnimmt und mit einer Mischung aus Quetschen und Mahlen zu einer Müsli-ähnlichen Konsistenz verarbeitet – „bis auf einige größere Stücke, damit die Hühner beim Picken auch etwas zu tun haben“, so Fischer.

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