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Viele solcher Schneisen nach Schneebruch weisen die Wälder im Raum Schongau auf. Ein großes Problem für die Waldbesitzer in der Region.

Was die Waldbesitzer jetzt tun können

Holz liegt kreuz und quer, und jetzt kommt der gemeine Schädling 

Der diesjährige Winter kommt die Forstwirte teuer zu stehen. Gründe sind neben dem Schneebruch in den Wäldern und dem drohenden Schädlingsbefall auch ein am Boden liegender Holzmarkt. Bei einem Begang mit Förster Jürgen von der Goltz von der Waldbesitzer-Vereinigung Schongau wurde über Maßnahmen im Forst diskutiert.

Hohenfurch – Das Bild erinnert ein wenig an eine Bombenexplosion: Überall im Wald liegen umgeknickte, verbogene und unter Spannung stehende Bäume. Der massive Wintereinbruch mit viel Schnee hat im Januar vor allem an vom Wind abgewandten Seiten an Hangkanten, etwa in Hohenfurch zum Lech hinunter, Areale von gut 20 bis 40 Quadratmetern verwüstet, der Schnee wurde regelrecht in den Wald hineingedrückt.

Erwischt hat es laut Förster Jürgen von der Goltz vor allem die 20- bis 50-jährigen Bestände etwa in Hohenfurch, Ingenried und Sachsenried. Von der Goltz hat Forstwirte und Waldbesitzer eingeladen, um ihnen die Folgen des Wintereinbruchs zu zeigen und wie man nun weiter verfahren muss.

Das Schnittholz liegt noch auf Lager

Denn sobald es warm wird, schwärmen die Käfer aus: Holz, das nicht rechtzeitig aufgearbeitet wird, ist dann der ideale Nährboden für die Schadinsekten. Doch da kommt noch ein zweiter Faktor ins Spiel, den von der Goltz angesprochen hat: „Der Markt für Holz ist angespannt.“

Über eine Million Festmeter Holz infolge von Schnee- und Windbruch liegen zwischen dem Allgäu und dem Berchtesgadener Land. Und neben dem Überangebot an Rundholz sei der Papierholzmarkt zusammengebrochen. Zu schaffen mache der Holzindustrie auch der Brexit: Dadurch, so von der Goltz, seien Aufträge für Bauholz in Großbritannien weggebrochen. Zu allem Überfluss liegen auch noch eine Million Festmeter Schnittholz auf Lager aus den vergangenen Wintern.

Waldbesitzer trifft es doppelt hart

In dieser Situation treffe es die Waldbesitzer doppelt hart: Nicht nur, dass der Mittelbau des Waldes, also Bestände, die in den nächsten 30 bis 40 Jahren hätten geerntet werden können, betroffen ist. „Durch das Überangebot lohnt teilweise die Aufarbeitung des Holzes nicht mehr, vielfach produzieren die Lohnunternehmer nur noch Energieholz“, so der Förster weiter.

Dabei aber müssen die Waldbesitzer jetzt reagieren, der aktuelle Kälteeinbruch hat ihnen eine Gnadenfrist verschafft, aber erste Borkenkäferschwärme wurden schon gesichtet. Und die Forstleute müssen sich Gedanken machen, wie sie mit den betroffenen Waldstücken weiter verfahren: Ausholzen und so bald als möglich wieder aufforsten?

Dann stellt sich nur die Frage, mit welchen Baumarten. Wieder der Fichte, die schnelle Erträge verspricht aber angesichts der klimatischen Veränderungen anfällig ist? Die Fichte ist auf trockenen Standorten unter dem Gesichtspunkt des Klimawandels eine „Risikobaumart“, steht für von der Goltz fest, auch wenn alte Waldbauern gerne auf die Fichte setzen.

Laubbäume kommen als Alternativen in Betracht

Für von der Goltz kämen alternativ neben Weißtanne, Douglasie, Lärche und Kiefer auch Laubbäume wie Rotbuchen, Roteichen und Wildkirsche in Betracht. Auch der beliebte Bergahorn ist als schnell wachsende Baumart hervorragend geeignet, solche Lücken rasch zu schließen, bereitet aber seit den letzten warmen Sommern ebenfalls Probleme.

Zunächst aber müssen die Bäume zügig aufgearbeitet werden. Dabei sollten die entstehenden Kahlflächen sinnvoll abgerundet werden, um eine Wiederaufforstung mit entsprechenden Baumarten zu ermöglichen. Von der Goltz schlägt vor, mit dem Anpflanzen bis zum Frühjahr zu warten, natürlich müssen auch dann Schutzmaßnahmen gegen den Wildverbiss getroffen werden. Dafür kann man ebenso Zuschüsse einfordern wie für die Wiederaufforstung, mittlerweile geht es aber nach Pflanzenzahl und nicht nach Fläche.

„Mit dem Geld, rund ein Euro pro Setzling, könnte man die Kosten für die Pflanzen weitgehend decken“, ist sich von der Goltz sicher. Doch wie immer gelte, dass man auf jeden Fall zum Forstamt oder zur Waldbesitzer-Vereinigung gehen und sich beraten lassen sollte. Dort könne dann auch ein Zuschussantrag gestellt werden. Ein kleiner Trost angesichts der Arbeit, die die Forstwirte in den Wald 

OLIVER SOMMER

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