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Andrea Dollinger mit zwei Kreuz-Varianten. In ihrer rechten Hand hält sie ein modernes Kreuz, rechts ist ein „Dolomitenkreuz“ zu sehen.

Im Krippenfachgeschäft

Kein Kreuz ist wie das andere

Die Debatte um Kreuze in bayerischen Behörden wird sicherlich noch länger andauern. Laut einer Umfrage sind 56 Prozent der Befragten in Bayern für die Maßnahme von Ministerpräsident Markus Söder. Doch wohin geht man eigentlich, um sich selbst ein Kreuz zuzulegen?

Hohenfurch – Das Foto, das in der vergangenen Woche durch die Medien ging, zeigt Markus Söder, wie er ein Metallkreuz mit Symbolen in der Staatskanzlei aufhängt. Im Amtszimmer des Schongauer Bürgermeisters hängt ein schlichtes Holzkreuz. Weitere Kreuze für andere Behörden müssen gekauft werden. Doch wo bekommt man eigentlich Kreuze oder Kruzifixe zu kaufen und wer bevorzugt welche Art?

Eine, die viel über Kreuze weiß, ist Andrea Dollinger vom Krippenfachgeschäft in Hohenfurch. Zusammen mit ihrem Bruder Alexander Dürr führt sie den Familienbetrieb Dürr. Neben den Krippen in allen Größen und Stilrichtungen haben sich die beiden Geschwister auf Kreuze und Kruzifixe spezialisiert. Über 250 Stück in unterschiedlichen Größen und Preisklassen sind an den langen Verkaufswänden aufgehängt. Keines ist wie das andere. Vor allem in der Machart und Ausdrucksform unterscheiden sie sich.

Wie von Andrea Dollinger zu erfahren ist, sind ihre Kreuze alles Holzarbeiten. „Es gibt die Kreuze naturbelassen, mehrfach gebeizt, dezent bemalt oder in der sehr gehobenen Art sogar mit Echtgold gefasst“, erzählt sie und nimmt zwei Kreuze zur Erklärung von der Wand. Das eine ist ein sehr modernes Kreuz aus Lindenholz, das bemalt ist. Es wird von ihr auch als „besinnliches Kreuz“ bezeichnet. Ohne viel Schnickschnack, aber trotzdem eine besondere Form und Ausstrahlung. Das andere Kreuz bezeichnet Dollinger als „Dolomitenkreuz“. Also die Variation, die schon vor vielen Jahren in den Herrgottswinkeln ländlicher Höfe zu sehen war.

Eine weitere Variante ist das „Kreuz von guten Mächten“. Auf diesem sind Segenssprüche zu lesen. „Solche Kreuze werden sehr gerne Kindern zur Taufe geschenkt“, erklärt sie. Zur Kommunion bekommt das Kind dann ein kleines Kreuz mit oder ohne Christuskorpus, auf alle Fälle mit einem Lamm darauf. Der Firmling bekommt das Exemplar mit einer Taube. Zur Hochzeit schenken dann sehr häufig die Großeltern dem Brautpaar ein größeres Kruzifix, das im oft schon neugebauten Haus einen würdigen Platz findet.

Dollinger erlebt immer wieder, dass Kunden Fotos von der Einrichtung der Wohnung mitbringen. So soll die Entscheidung erleichtert werden, sich für das passende Kreuz zu entscheiden. Spezielle Ideen von Kunden lässt Dollinger bei einem Schnitzer anfertigen. Eines davon hängt ebenfalls in der Ausstellung und fällt ins Auge. Das Kreuz unterscheidet sich von den anderen, da der Künstler die Mutter Maria an den Körper des Gekreuzigten seitlich herausgeschnitzt hat. Und oben strahlt das Auge Gottes. Eben etwas Besonderes. Wie auch das aufwendig gestaltete Holzkreuz, das mit echtem Gold überzogen ist. Sicherlich keine Variante für ein Behördenzimmer.

Die Preise sind genauso verschieden wie die Kreuze selbst. Vom kleinen Kinderkreuz aus Ahorn für 15 Euro reicht die Palette bis hin zum Exemplar für gute 500 Euro. „Wir bieten auch einzelne große Christuskörper in Eichenholz an, die dann für Feldkreuze verwendet werden“, sagt Dollinger und zeigt diese in einer extra Abteilung. Nur Sterbekreuze, wie man sie in früheren Jahren verlangt hat, sind im Fachgeschäft Dürr nicht mehr gefragt. „Die werden sicherlich direkt beim Bestatter geordert“, vermutet sie.

Hans-Helmut Herold

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