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Der Hohenfurcher Künstler Egon Stöckle hat die beiden Köpfe der Eheleute Alois & Maria Elsner gefertigt.

Kunstwerk von Egon Stöckle

Zwei Bronzeköpfe als Denkmal

Die Enthüllung eines Denkmals hat immer einen ganz besonderen Hintergrund. So wie jetzt in Landsberg, als für zwei tapfere und entschlossene Menschen eines enthüllt wurde: Für Alois und Maria Elsner. Sie setzten sich für KZ-Häftlinge des Außenlagers Kaufering ein. Ein Steinsockel mit zwei Bronzeköpfen erinnert an das Ehepaar. Diese Portraits wurden von dem Hohenfurcher Künstler Egon Stöckle geschaffen.

Hohenfurch/Landsberg – Es gab sie, die unerschrockenen Helfer, die während der Diktatur der Nationalsozialisten den verfolgten und in Lagern eingepferchten Menschen halfen. Mit Gesten oder Hilfeleistungen, die bei Entdeckung den Helfern mit großer Wahrscheinlichkeit deren eigenes Leben gekostet hätte.

Einer, der sich diese selbstlose Hilfe auf die Fahne geschrieben hat, war der Kaminkehrermeister Alois Elsner aus Landsberg. Zusammen mit seiner Ehefrau Maria unterstützte und rettete er Häftlinge der KZ-Lager Igling und Kaufering.

Alois Elsner kam mit den Häftlingen der Lager, die 1944 errichtet wurden, dadurch in Kontakt, weil diese zu seinem Kehrbezirk als Kaminkehrermeister gehörten. Er erkannte das Drama um die Inhaftierten. Er schaute nicht weg, sondern fasste den mutigen Entschluss, seine Ehefrau für seine Hilfsaktionen zu gewinnen. Beide unterstützten in den letzten Kriegsmonaten die Häftlinge mit Bekleidung, Lebensmitteln und vor allem mit Medikamenten.

Darüber hinaus hielten die Elsners am Ende des Zweiten Weltkriegs die Häftlinge über die Großlage auf dem Laufenden. Diese Informationen holten sich die Eheleute aus dem britischen Rundfunk, was unter drastischen Strafen verboten war.

Für ihre Hilfeleistungen wurde das Ehepaar Elsner im Oktober 2017 vom Staat Israel als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Jetzt, am 26. April 2018, wurde für die beiden auch ein Denkmal enthüllt. Ein Denkmal, welches vom Hohenfurcher Künstler Egon Stöckle zusammen mit dem Steingadener Steinmetz Johannes Klein geschaffen wurde.

Wie kam es dazu, dass Stöckle den Auftrag bekam, die beiden Köpfe des Ehepaars zu modellieren und in Bronze zu gießen? Seit langem kennt Landsbergs Alt-Oberbürgermeister Franz Xaver Rößle den Hohenfurcher Künstler. Rößle hat bei Stöckle sogar schon an einem Kurs teilgenommen und in Stöckles Werkstatt in Bronze gegossen. Dabei hat Rößle die Fertigkeiten von Stöckle kennen und schätzen gelernt.

Der Alt-OB selbst hat den Stein ins Rollen gebracht, von Stöckle dieses Denkmal gestalten zu lassen. Rößle war es auch, der mit dem Verein Europäische Holocaust Gedenkstätte Stiftung e.V. bewirkte, überhaupt ein Denkmal aufzustellen und auch die Kosten zu übernehmen.

Nur eine Handvoll alter, zum Teil vergilbter schwarz-weiß Fotos standen dem Künstler Egon Stöckle als Vorlage zur Verfügung. Genau gesagt sieben an der Zahl, die vom Sohn des Kaminkehrerehepaares stammten. Diese Fotos setzte Stöckle plastisch um und modellierte die Köpfe der beiden Helfer und Retter aus Ton.

Zweimal kam während dieser Arbeitszeit eine kleine Kommission nach Hohenfurch in die Werkstatt von Egon Stöckle, um kleine Änderungen vorzunehmen. Parallel dazu fertigte Stöckle mit dem Steinmetz und Bildhauermeister Johannes Klein den Entwurf, wie der Steinsockel dazu gefertigt werden soll. Als Material wählte Klein einen Muschelkalk-Rohling aus der Würzburger Gegend aus. Ab Januar diesen Jahres formte er dann den Sockel mit der Inschrift.

Nachdem die beiden Tonköpfe mit den Portraits der Elsners fertig modelliert waren, wurden diese bei der bekannten Gießerei Hofmeister in Höhenrain gegossen. Ein Guss in Hohenfurch beim Künstler selbst wäre möglich gewesen, hätte den Zeitplan der Fertigstellung aber verschoben. Dieser war auf den 26. April 2018 terminiert. Wegen des historischen Datums vom 26.04.1945.

Das Denkmal feierlich enthüllt

Genau 73 Jahre danach wurde das fertige Denkmal der beiden Künstler Egon Stöckle & Johannes Klein feierlich enthüllt. Die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch, Alt-OB Franz Xaver Rößle und Oberbürgermeister Mathias Neuner nahmen dies gemeinsam vor. Dazu verlasen zwei Mittelschülerinnen die Laudatio auf Alois und Maria Elsner, in der sie Briefe von jüdischen Überlebenden der Kauferinger KZ-Außenlager vorlasen.

Jetzt blicken die Portraits der Eheleute Elsner vom Steinsockel herab auf die nach Alois Elsner benannte Straße. Versehen mit der Inschrift: „Sie retteten 1944/45 unter Lebensgefahr Gefangene des KZ-Lagers III, Gerechte unter den Völkern, Alois und Maria Elsner.“

Von Hans-Helmut Herold

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