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Spannender Versuch: „Flohmarkt to go“ lässt Besucher staunen

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So sieht er aus, der Flohmarktstand von Emma: Aussuchen, zahlen und mitnehmen. So wie es Peter S. vormacht. Er hat sich für einen Clown entschieden, den seine Ehefrau Sonja neu fassen muss. © Herold

Was wird nicht alles auf die Schnelle zum Mitnehmen angeboten. Pizza in der Pappschachtel, ein Döner in der Papierserviette, oder der „Coffee to go“ im unappetitlichen Plastikbecher. Ganz zu schweigen von den Kürbissen, die am Straßenrand auf Abnehmer warten. Warum also nicht auch ein „Flohmarkt to go“, hat sich ein Trödelfan gefragt. Und einen Selbsttest gestartet.

Hohenfurch – Flohmarkt – da wird an den Tischen gewühlt, anprobiert und gefeilscht. Doch was tun, wenn man als Anbieter genau zu diesem Termin über die ganze Zeit nicht präsent sein kann? Wenn keiner aus der Familie oder dem Bekanntenkreis einspringen will? Dann ist guter Rat teuer. Und interessant ist natürlich, wie ehrlich die Käufer sind. Dabei denkt man unwillkürlich an die Kürbisse an den Straßen.

„Was die praktizieren, muss doch auch auf dem Flohmarkt gehen“, ist die einfache Überlegung. Einen Versuch ist es wert. Als Versuchskaninchen wird der Herbstflohmarkt in Hohenfurch im idyllischen Obstgarten ausgewählt. Klein und fein, aber übersichtlich. Da kann man seine Pappenheimer genau beobachten.

Jedes Stück kostet zwei Euro

Der Trödeltisch misst gute zwei Meter, vollgepflastert mit Trödel. Dahinter steht Emma, eine Schaufensterpuppe mit schlanken Formen. Angezogen mit Klamotten, die eine Kollegin aus ihrem Fundus opfert. Emma hält ein Schild in Form eines Bilderrahmens in den Händen. Darauf geschrieben sieben Wörter, die die Flohmarktwelt revolutionieren sollen. Auf alle Fälle für diesen einen Tag. „Flohmarkt to go. Selbstbedienung! Aussuchen – zahlen – mitnehmen.” Daneben der Hinweis auf einer Tafel, dass jedes Stück zwei Euro kostet. Und in der Mitte der Szenerie steht die Kasse in Form einer Sammelbüchse. Mit rotem Vorhängeschloss gesichert, mit ausgedienter Hundekette flugunfähig. Damit die Kasse nicht plötzlich durch eine Sturmböe weggefegt wird. Gelächter.

Der Startschuss. Die ersten Frühaufsteher kommen schon vor offiziellem Beginn. Wollen ihr Schnäppchen machen. Drei junge Frauen stehen vor dem Versuchstisch. Das Gespräch belanglos, Vorabendgeschichte. Drei Augenpaare überfliegen den Tisch, sehen keine menschliche Gestalt und gehen weiter. Emma fällt gar nicht auf. Zu Früh am Morgen.

Bei dem Mann mit dem Rucksack sieht’s schon anders aus. Er blickt auf den Trödel, sein Blick wandert zu Emma, er liest die Tafel. Das Nachdenken sieht man ihm förmlich an. Auch er kommt mit den Situation nicht zurecht. Dann die Frau im roten Anorak, sie muss eine Schnäppchenjägerin sein. Bepackt mit zwei vollen Plastiktüten steht sie vor dem Tisch. Studiert die Ware, mustert Emma und prüft eine kleine Tonfigur in ihren Händen. Die Frau fischt ein Zwei-Euro-Stück aus dem Geldbeutel, das blecherne Klacken der Kasse beim Einwurf ist nicht zu überhören. Der Anfang ist getan.

Jetzt ein Herr mit Rauschebart. Ihm hat es vor allem die Sammelbüchse angetan. Besser gesagt der Schriftzug drauf. „Unterstützungsfond zur Wiedereinführung der MONARCHIE in Bayern“, liest Rauschebart und grübelt. Nein, dafür gibt er kein Geld aus.

Ein Besucher flippt völlig aus

Nicht so das Ehepaar, das irgendwie an Gütertrennung erinnert. Er wählt die Dinge aus, die sie ihm nennt. Er zückt den Geldbeutel, sie fischt die Taler heraus und lässt die Kasse klingeln. „Wahnsinn, Wahnsinn“ gibt ein junger Mann norddeutschen Ursprungs von sich. Er zückt sein Handy und macht Fotos. So was hätte er noch nie gesehen. „Das müsste man doch gleich zum Patent anmelden“, ist sein Kommentar. Er kauft zwar nichts, aber lockt jetzt richtig die Käufer an. Die Neugierde kommt vor Emma ins Rollen. Gespräche und Diskussionen die Folge.

Bürgermeister Guntram Vogelsgesang macht sich persönlich ein Bild von der Idee „Flohmarkt to go“. Gut, den Geldbeutel musste er vorsorglich zuhause lassen. Mit Guntram macht also Emma keinen Reibach. Hochwürden Siegfried Beyrer macht seine Aufwartung. Doch nicht mal die Madonna aus Altmessig lockt ihn. Der blecherne Klingelbeutel wird übersehen.

Zwei Urlauber aus Florida schließlich wollen Souvenirs aus Good old Germany mitnehmen und werden fündig. Sie fotografieren sich gegenseitig, wie sie die Münzen in die Kasse werfen und haben sichtlich ihre Freude daran.

Das Ergebnis nach sechs Stunden: Sensationell in Bezug auf die Ehrlichkeit der Käufer. Nur ganz wenige haben Centstücke mit Euros verwechselt. Der Test hat sich gelohnt.

Hans-Helmut Herold

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