Stein des Anstoßes: Nach Abriss dieses Gebäudes an der Schönachstraße in Hohenfurch soll dort ein Mehrfamilienhaus mit vier Wohneinheiten entstehen.
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Stein des Anstoßes: Nach Abriss dieses Gebäudes an der Schönachstraße in Hohenfurch soll dort ein Mehrfamilienhaus mit vier Wohneinheiten entstehen.

Diskussion im Hohenfurcher Gemeinderat um Leitlinien-Umsetzung

Vier Wohneinheiten an der Schönachstraße

Wie setzt man Leitlinien um? Streng oder situationsabhängig? Diese Frage beschäftigte die Räte bei der jüngsten Sitzung des Hohenfurcher Gemeinderats. Konkret ging es in der Sitzung um einen Neubau an der Schönachstraße 13.

Hohenfurch – Das Gebäude an der Schönachstraße 13 in Hohenfurch soll abgerissen werden, an seiner Stelle soll ein Mehrfamilienhaus entstehen. In diesem Bereich gibt es keinen Bebauungsplan, jedoch eine vor vielen Jahren vom Gemeinderat einstimmig beschlossene Leitlinie. Die besagt, dass pro 250 Quadratmetern Grundfläche je eine Wohneinheit zulässig ist. Im aktuellen Fall beträgt die Grundfläche 750 Quadratmeter, sprich: Es könnten dort drei Wohneinheiten entstehen.

Soweit, so klar. Doch der Bauherr möchte in seinem neuen Gebäude vier Wohneinheiten unterbringen. Dass dies überhaupt zur Diskussion gestellt wurde lag unter anderem daran, dass auf dem Grundstück eine private Zufahrt besteht, die sich zwar mehrere Anlieger teilen, die aber laut Bürgermeister Guntram Vogelsgesang durchaus anteilig zur Grundfläche hinzugezählt werden könnte. Damit läge man dann in einem Bereich zwischen 750 und 1000 Quadratmetern, also bei drei oder vier Wohneinheiten.

Während die meisten Gemeinderäte bereits bei der Vorstellung des Plans zustimmend nickten, kam von Josef Schmidbauer und Sieglinde Schuster (beide SPD) harter Gegenwind: „Ich frage mich langsam, warum wir Leitlinien erarbeiten, wenn wir sie nie befolgen“, warf Schuster ein, die durch eine Abweichung die Erhaltung des dörflichen Charakters gefährdet sieht.

Und Schmidbauer fragte: „Wo ziehen wir denn mal eine Grenze? Für mich hat dieses Grundstück ganz klar 750 Quadratmeter, also sind maximal drei Wohneinheiten zulässig. Hier geht es auch um die Gleichbehandlung aller Bürger.“ Vor allem derjenigen, die sich an einen strengen Bebauungsplan halten müssten. Doch genau den gibt es ja für den Bereich Schönachstraße nicht.

„Wir haben eine Leitlinie, das ist kein Gesetz“, konterte Bürgermeister Guntram Vogelsgesang und erläuterte weiter: „Ich verstehe darunter, dass wir eine Richtung vorgeben. Wer darunter ist, bekommt auf jeden Fall eine Genehmigung, wer ein bisschen drüber ist, über dessen Fall wird diskutiert, und wer ganz viel darüber ist, der hat wenig Aussicht auf eine Zustimmung des Gemeinderats.“ Und Gemeinderat Helmut Huber (CSU) ergänzte: „Ohne Leitlinie könnte uns der Bauherr fünf oder sechs Wohneinheiten hinbauen, und wir könnten nichts machen. So können wir wenigstens darüber entscheiden.“

Diese Meinung teilten die meisten Hohenfurcher Gemeinderäte und brachten noch weitere Argumente für die Errichtung eines Mehrfamilienhauses mit vier Parteien vor: „Was würde es bringen, wenn der Bauherr weniger, dafür aber größere Wohnungen baut?“, fragte beispielsweise Markus Rieger, und widersprach damit seinen SPD-Parteikollegen.

CSU-Rat Albert Berchtold verwies darauf, dass das neue Gebäude sogar weniger Grundfläche habe als das jetzige. „Das Thema Flächenfraß sollte auch uns interessieren, da sind auch wir in der Verantwortung“, sprach er sich für diese Art der Nachverdichtung aus. Zudem müsse man bezahlbaren Wohnraum für junge Hohenfurcher schaffen, damit diese im Ort bleiben können.

„Die Wohnungsnot in Hohenfurch wird mit diesem Projekt weder größer, noch kleiner“, gab Schmidbauer nicht klein bei. „Ich kann dem Antrag so nicht zustimmen.“ Dabei blieb er auch, zusammen mit Sieglinde Schuster. Doch mit elf Ja-Stimmen darf der Bauherr an der Schönachstraße nun seine vier Wohneinheiten errichten.

Christine Wölfle

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