US-Comedy-Legende Jerry Lewis ist tot

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Sie können wieder gemeinsam lachen: Susi Kühner mit den Söhnen Felix (re.) und Leo sowie Ehemann Nico nach ihrer Reha-Maßnahme „gemeinsam gesund werden“, die von der Rexrodt von Fircks-Stiftung ins Leben gerufen wurde.

Diagnose Brustkrebs

Wie eine Familie gemeinsam gegen den Voldemort in der Brust kämpft

Diese drei Worte wirken wie ein Keulenschlag. „Sie haben Krebs!“ Ohne Umschweife die knüppelharte Diagnose. Schockstarre im ersten Moment, kalter Schweiß, tiefes Durchatmen. Was danach kommt, ist Bangen, Hoffen, Leiden, Kämpfen. Diesen Kampf hat Susanne Kühner aus Hohenfurch durchgemacht, Mutter von zwei Buben. Sie hat Brustkrebs. Mit der Rexrodt von Fircks- Stiftung bekam die Familie eine einzigartige Therapie.

Hohenfurch – Es ist ein sonniger Tag im Oktober 2015 wenige Tage vor Susis 40. Geburtstag. Die sportliche Frau verspürt Schmerzen in ihrer Brust. Susi sucht ihre Ärztin und gute Freundin auf, um sich untersuchen zu lassen. Der Befund: Zwei kleine Zysten, die sich in den Folgetagen als harmlos herausstellen.

Drei Monate später. Susi sucht zur Kontrolle erneut ihre Ärztin auf. Nach der Biopsie, der Entnahme von Gewebeproben, eine bittere Nachricht: Neben den Zysten hat sich ein Tumor von circa zwei Zentimeter Größe gebildet. Eine Bombe in Susis Brust. Bei der Eröffnung der Diagnose gibt jedoch ein Satz der Ärztin große Hoffnung und eine gewisse Beruhigung: „Susi, jetzt müssen wir kämpfen!“ Das „wir“ dick unterstrichen. „Das hat mich aufgebaut, da ich mich nicht alleine gefühlt habe, sondern eine Frau und Freundin neben mir wusste“, erinnert sich Susi. Eine unbeschreiblich wertvolle Stütze.

Wie bringt man es den beiden Buben bei?

Der nächste Schritt. Susi musste ihren Ehemann Nico in Kenntnis setzen. Ein einfaches, zaghaftes Nicken auf seine Frage „Und?“ ist nach dem Arztbesuch die Antwort. Beide erkennen noch nicht das ganze Ausmaß. „Meine Hoffnung war immer noch, dass die Ärzte das Ding rausschneiden und es hat sich dann“, so Susi. Fehlanzeige. Als klar war, dass eine Chemotherapie ansteht, wussten die Kühners, dass sie ihre beiden Kinder Felix und Leo (damals 8 und 7 Jahre) mit einbeziehen müssen.

Die Realität schonend beibringen, aber bei der Wahrheit bleiben. Viele Gedanken gehen dem Elternpaar durch den Kopf. Eine Idee wie aus dem Märchenbuch ist der Schlüssel. Harry Potter muss herhalten, dessen Geschichten kennen die Buben. „In mir wächst der Voldemort, ein ganz böser Zauberer. Und deshalb muss ich jetzt einen Zaubertrank nehmen, um dem Voldemort den Garaus zu machen“, erklärt es die Mutter ihren Söhnen. Diese Sprache verstehen sie, der Vergleich wird angenommen.

Die Chemotherapie wirkt, der Tumor wird kleiner

Im März beginnt Susi mit der Chemotherapie. Die ersten vier Chemos sind harte Hämmer. Alle drei Wochen muss sie sich in der Praxis in Weilheim Infusionen anlegen lassen. Danach zwölf weitere Chemos, jede Woche eine. Über fünf Monate ein Wechselspiel der Empfindungen. Susi ist stark. Hoffnung breitet sich langsam aus. „Bei jeder Untersuchung während der Chemotherapie wurde der Tumor deutlich kleiner“, erinnert sie sich.

Drei Wochen später wird bei einer Operation in Starnberg das tote Gewebe entfernt und untersucht. Zwei Tage des Wartens, 48 Stunden. In dieser Zeit ist eine Stunde unendlich lang. Der Telefonanruf durch die Ärztin ist wie ein Geschenk des Himmels: „Alles weg, nichts mehr da“, so der Wortlaut in Kurzform. Die schönsten fünf Worte an diesem Tag für das Ehepaar. Unbeschreiblich schön, Tränen der Erleichterung fließen.

Noch in der Klinik in Starnberg hat eine Onkologie-Schwester Susi eine Broschüre zu lesen geben. „Wir helfen, unterstützen und verändern“, so die einfach gehaltenen Worte auf dem Deckblatt. Und „gemeinsam gesund werden“ die zweite Zeile, die ins Auge fällt. Fast schon nebenbei fällt das Logo einer Stiftung auf, das dezent in der Ecke zu lesen ist: Rexrodt von Fircks-Stiftung. Vorher nie gehört. Was steckt hinter dieser Stiftung? Auf alle Fälle eine tolle und wohl einmalige Unterstützung. Diese Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, von Brustkrebs betroffene Mütter und ihre Kinder psychisch und physisch zu stärken und ein heilsames Miteinander innerhalb der Familie zu fördern.

Dank Rexrodt von Fircks-Stiftung an die Ostsee

Die deutschlandweit einzigartige Reha-Maßnahme wurde von Annette Rexrodt von Fircks 2005 ins Leben gerufen. Die Mutter von drei kleinen Kindern war 35 Jahre alt, als sie selbst an Brustkrebs erkrankte. Es war für die Frau eine der schwierigsten und schmerzhaftesten Aufgaben, während der Erkrankung den Kindern nichts zu verheimlichen, aber sie auch nicht ihrer Kindheit zu berauben. Genau so ein Empfinden hatte Susi Kühner.

Ehemann Nico geht den ersten Schritt und meldet die Familie sofort an. Einzige Voraussetzung ist, dass der Krebs in Erstdiagnose festgestellt wurde und keine Fernmetastasen festgestellt wurden. Schnell kommt die Bewilligung, die Schule der Kinder gibt grünes Licht. Die Familie reist an die Ostsee nach Grömitz, um dort drei Wochen zu verbringen.

Die Situation vor Ort baut die Familie auf und stärkt sie. „Alle Mütter, die hier sind, haben Brustkrebs. Und alle Kinder, die mit dabei sind, stecken in der gleichen Situation“, schildert Susi. Ihr Söhne Felix und Leo kommen in die „Schatzgruppe“, in der auf spielerische Art die Situation mit Psychologen besprochen wird. Dabei dürfen die Kinder all ihre Ängste aussprechen und sich mit anderen Kindern austauschen. „Das wäre in der Schule zuhause nie möglich gewesen“, sagt Susi und ergänzt, dass ihre Kinder in Grömitz wieder total glücklich waren.

Krankheit soll sich dem Alltag anpassen, nicht umgekehrt

Und die Situation für sie selbst? „Mir hat es unendlich viel geholfen, mit Frauen zusammen zu sein, die in meiner Situation waren.“ Hier lernte die Familie vor allem, „dass sich die Krankheit unserem Alltag anpassen muss und nicht umgekehrt“.

Die Familie ist jetzt zurück in ihrer gewohnten Umgebung. Gestärkt und zusammengeschweißt. Susi strahlt Selbstsicherheit aus und schmeißt den Alltag, als wäre nichts gewesen. Sie treibt Sport, zeigt sich kämpferisch und geht keiner Frage aus dem Weg. Sie steht felsenfest zu der Situation. „Für uns war immer wichtig, dass der Alltag für die Kinder gewohnt weiterläuft“, sagt Susi. Um diese Situation zu meistern, hat die Rexrodt von Fircks- Stiftung sehr dazu beigetragen. Deshalb möchte Susi die Stiftung publik machen. Interessenten können sich unter www.rvfs.de informieren oder direkt an Susanne Kühner wenden unter der E-Mail-Adresse gemeinsam-werden-wir-gesund@gmx.de.

Hans-Helmut Herold

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