Regelmäßig zu schnell sind viele Autofahrer in Hohenfurch unterwegs. Foto: spe

Hohenfurcher Bürgermeister will Radarmessung auf Ortsdurchfahrt

Hohenfurch - Geschwindigkeiten von bis zu 135 Stundenkilometern auf der B 17 im Ortsbereich Hohenfurchs treiben Bürgermeister Guntram Vogelsgesang die Zornesröte ins Gesicht.

„Das kann nicht sein“, fordert er neuerlich eine fest installierte Radarmessung. Die Polizei hält dagegen, mag den Ergebnissen nicht so recht glauben.

Als sich der öffentliche Teil der Sitzung bereits seinem Ende näherte, wartete der Rathauschef noch mit den Zahlen einer Geschwindigkeitsmessung auf, die er im Dezember eigenhändig vorgenommen und dazu einen „kleinen schwarzen Kasten“ quasi unsichtbar an der Abzweigung zum Bräuweg an ein Verkehrsschild montiert hatte.

„Das ist ein ganz modernes Gerät und wird auch vom Staatlichen Bauamt für Messungen genutzt“ , erklärte er auf Anfrage, dass er die Messung für „absolut glaubhaft“ halte. Und die förderten erschreckende Ergebnisse zu Tage. So ermittelte er bei einem Aufkommen von 80 000 Autos, Trucks und Langfahrzeugen in Richtung Landsberg 84,1 Prozent Verkehrsteilnehmer, die schneller als 50 km/h durch Hohenfurch fuhren, in der Gegenrichtung waren es seinen Messungen zufolge sogar 92,2 Prozent.

„Die Auswertung belegt, dass nicht nur gelegentlich jemand zu schnell fährt, sondern dies regelmäßig der Fall ist“, fühlt sich Vogelsgesang bestätigt. Das Gros der 14-tägigen Messung offenbarte, dass sich die meisten Geschwindigkeitsübertretungen im Bereich zwischen 60 und 80 Stundenkilometern bewegen.

Vogelsgesang sind aber vor allem „die 15 Prozent ein Dorn im Auge, die deutlich schneller als 65 km/h fahren“. Er hat sich deshalb auch bereits an den Wahlkreisabgeordneten, MdB Alexander Dobrindt, gewandt, der seinerseits zugesagt hat, die Hohenfurcher Besorgnisse bei Gelegenheit im Innenministerium vorzutragen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung meinte Dobrindt: „Ich habe die neuesten Ergebnisse nochmals zum Anlass genommen, beim Ministerium vorzusprechen, weil ich die Besorgnisse Hohenfurchs teile und das Anliegen voll unterstütze.“ Seitens des Innenministeriums hatte es bisher stets geheißen, dass man an einer fest installierten Radarmessung auf dem Land im Gegensatz zu den Gepflogenheiten in Baden Württemberg nicht interessiert sei. Dies war der Gemeinde auch schriftlich zugeleitet worden.

Gestützt hatte man sich dabei auch auf polizeiliche Messungen, die gänzlich andere Ergebnisse erbracht hatten. „Das ist ein Bereich, wo wir regelmäßig messen“, sagt Schongaus Polizeichef Rudolf Fischer. Und die letzten Messungen hätten ergeben, „dass es sechs bis sieben Prozent Autofahrer waren, die zu schnell fuhren“. Fischer hält die Zahlen des Hohenfurcher Rathauschefs daher auch für „unvorstellbar“. Der Polizeichef wörtlich: „Wenn es so wäre, müssten wir da laufend schwere Unfälle haben.“ Gleichwohl sagte er zu, angesichts der Messungen in naher Zukunft Maßnahmen ergreifen zu wollen. „Das Ergebnis gibt in jedem Fall zu Bedenken Anlass“, so Fischer, der die Zahlen jedoch noch überprüfen möchte.

Auch Josef Guggemos, beim Landratsamt in Weilheim für Verkehrsfragen zuständig, kann sie Hohenfurcher Sorgen nachvollziehen. „Die Topographie dort ist für die Anwohner zweifellos nicht günstig, eine Regelung mit Tempo 50 wäre sicher erstrebenswert“, macht er deutlich. Die Umsetzung sei indes Sache der Polizei bzw. von einer kommunalen Verkehrsüberwachung (siehe hierzu auch Kasten).

Und dann rückt Guggemos auch noch mit seiner privaten Meinung raus. „Persönlich würden mir die Württemberger Verhältnisse besser gefallen.“ Desweiteren geht er auch noch auf die Schwierigkeiten der Polizei bei der Suche nach einem geeigneten Messplatz ein. „Könnten die ihre Fahrzeuge so platzieren, dass sie nicht so leicht zu sehen sind, würden sie vermutlich auch ein anderes Ergebnis bekommen.“

Bereits im vergangenen Jahr hatte auch Bürgermeister-Gattin Sabine Vogelsgesang gemeinsam mit der damaligen Elternbeiratsvorsitzenden Barbara Fischer die Bemühungen ihres Mannes unterstützt und mit der Videokamera im Ortsbereich gefilmt. „Das Material zeigt deutlich, dass gerade Lkw dort teils viel zu schnell unterwegs sind.“

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