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Als „ideales Paar“ gelten Melanie Grimm und Andreas Nuscheler.

Hohenfurcher Faschingsprinzenpaar

Barbarossa und seine Tänzerin

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Hohenfurch - Unter falschem Vorwand, mit etwas Alkohol und schlagkräftigsten Argumenten klappte es wieder: Der Hohenfurcher Faschingsclub hat pünktlich zum 11.11 ein neues Prinzenpaar gefunden. Er aus Altenstadt. Und sie? Eine waschechte Einheimische.

Der Faschingsclub Hohenfurch hat ein neues Prinzenpaar. Die Auserwählten sind Andreas Nuscheler (28) aus Altenstadt und Melanie Grimm (32) aus Hohenfurch. Zwei alte Hasen im Faschingsgeschäft. Und für Präsident Johannes Linder das „ideale Paar“.

Ganz so leicht fiel es dem Häuptling allerdings nicht, die Auserwählten zu überzeugen. Nuscheler, seit zehn Jahren in Hohenfurchs Faschingsclub aktiv und bis zuletzt im Elferrat, hatte sich bereits auf einen ruhigen Club-Ausklang eingestellt. „Nächstes Jahr sind Wahlen, ich hätte mich nicht mehr aufstellen lassen“, sagt er. „Und jetzt das?!“

Für alle, die mit der Prinzenpaar-Aufgabe nicht vertraut sind: Es bedeutet Schlaflosigkeit, Trinkfestigkeit und Stress. 35 bis 40 Auftritte werden es in etwa werden, oft mehrere an einem Tag. Neben den großen Bällen und Umzügen gehören auch diverse Kinder- und Seniorenkranzerl fest zum Programm.

Die Prinzessin hat zuerst spontan abgelehnt

Diese zahlreichen Veranstaltungen stets mit bester Laune zu besuchen und für Stimmung zu sorgen – gar nicht so leicht. Umso wichtiger für Präsident Linder, ein Paar mit Ausstrahlung, Taktgefühl für den Walzer und Wortgewandtheit bei den Reden zu finden. „Deshalb hätten wir die Wahl nicht besser treffen können“, sagt Linder, der aus dem Grinsen kaum herauskommt.

Doch auch Melanie Grimm war zunächst alles andere als erfreut. „Ich war total geplättet, habe erst mal Nein gesagt“, verrät sie von jenem Abend, an dem sie unter falschem Vorwand an einen feuchtfröhlichen Tisch gelockt wurde. Aber Präsident Linder, ein gewiefter Bursche, der bewusst drei Stunden zu spät kam, „damit die Stimmung schon etwas aufgeheitert ist“, leistete ausgezeichnete Überzeugungsarbeit. „Das ist ein einmaliges und unvergessliches Highlight. Du bist die perfekte Prinzessin für uns. Und der Prinz will wirklich nur mit dir. Außerdem ist es das i-Tüpfelchen deiner Laufbahn in unserem Faschingsclub.“

In der Tat ist Grimm schon seit 2002 dabei, hatte die ersten sechs Jahre als Gardemädel getanzt und die vergangenen elf Jahre die Garde trainiert. Übrigens zwei Mal die Woche und – wohlgemerkt – auch diese Saison. Für sie heißt das: Doppelbelastung.

Der Prinz wurde im Halbschlaf überrumpelt

Die bleibt Nuscheler erspart. Er durfte sich die Überzeugungsarbeits-Argumente von Linder bereits Mitte September anhören. Musste allerdings weder warten noch vortrinken. Nuscheler wurde nämlich überfallen. Auch unter falschem Vorwand. Er war noch im Halbschlaf, als Linder mit seinem Beratungsteam bei ihm früher auftauchte als abgemacht. Linder brauche seinen Spezl als tatkräftigen Unterstützer für das neue Prinzenpaar, zwei Schwabniederhofener – so der Vorwand.

„Als er bei mir gleich eine Halbe Bier aufgemacht hat, war mir klar, dass es heute nicht mehr nach Schwabniederhofen geht“, sagt Nuscheler, der in diesem Moment begriff, dass er selbst Hohenfurcher Faschingsprinz werden soll. Letztlich haben Linders Tricks bestens funktioniert. Denn beide haben nach kurzer Bedenkzeit zugesagt.

Fehlen nur noch die passenden Namen. Nuscheler heißt Andreas II. Barbarossa vom Burglachberg. Weil er als rotbärtiger Altenstadter nahe der Kaserne wohnt und die bekanntlich auf dem Hügel namens Burglachberg steht. Und die Dame? „Ein wundervoller Name“, schwärmt Linder: Melanie I. vom Reich der 1000 Tänze. Als Anlehnung an ihre grandiose Tanzlaufbahn.

Zeit zum Träumen hat das Prinzenpaar allerdings keine. Die Vorbereitungen wie Reden schreiben, Walzer, Stoffe und Schneider für die Kostüme aussuchen, Terminkalender umkrempeln laufen bereits auf Hochtouren. Selbstverständlich mit tatkräftiger Unterstützung der traditionellen Hofdame.

Auch bei dieser Wahl ließ sich Linder nicht lumpen, hat in Sandra Zeidlmaier (27) sogar eine noch erfahrenere Faschingsfrau gefunden. Vor zwei Jahren war sie nämlich die Prinzessin. Und freut sich narrisch auf die Aufgabe, hat dafür sogar den Hausbau mitEhemann Matthias, bekannter als „Löwe“ und Kassier des Faschingsclubs, vertagt. Warum? „Weil ich weiß, was für eine schöne Zeit das wird.“ In diese Sinne: Schönau.

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