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Cyberattacke auf Gemeinde in Oberbayern: Hacker legen Rathaus lahm - und fordern 40 000 Euro

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Von: Kathrin Hauser

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Auch Hohenpeißenberg war von dem Cyberangriff betroffen. © dpa

Der große Cyberangriff hat Anfang Juli auch die Verwaltung in Hohenpeißenberg für mehrere Tage lahmgelegt. Die Hacker waren über die Sicherungssoftware in das System eingedrungen.

Hohenpeißenberg – Zunächst habe er sich noch gedacht, dass das alles weit weg ist, als er gehört habe, dass eine schwedische Supermarktkette Filialen wegen eines Hackerangriffs schließen musste, erzählte Bürgermeister Thomas Dorsch in der jüngsten Sitzung des Hohenpeißenberger Gemeinderates.

Hohenpeißenberg: Gemeinde wird Opfer von weltweitem Cyberangriff - Hacker fordern 40 000 Euro

Dann sei ihm aufgefallen, dass außergewöhnlich wenige Mails aus dem Rathaus bei ihm auf dem Handy landeten. Doch auch dabei habe er sich eigentlich noch nichts weiter gedacht. Doch plötzlich sei klar gewesen, dass die Gemeinde Hohenpeißenberg auch von dem großen Cyberangriff betroffen ist, der Anfang des Monats Thema den Nachrichten auf der ganzen Welt war. „Da schaust dann, wenn der große internationale Hackerangriff in einem kleinen Bergdorf ankommt“, sagte Dorsch.

Nichts ging mehr im Hohenpeißenberger Rathaus. Einen ganzen Tag lang sei die gesamte Gemeindeverwaltung außer Gefecht gesetzt gewesen, weil alle Programme von den Hackern blockiert wurden. Und schließlich sei eine Geldforderung ins Rathaus geflattert. Die Gemeinde sollte zahlen, dann würden alle Programme wieder frei geschaltet. „Sie haben 40 000 Euro von uns gewollt“, sagte der Bürgermeister. Auf diese Erpressung einzugehen sei nicht zur Debatte gestanden.

Das haben in der Vergangenheit nicht alle Kommunen so gesehen, wie ein Pressesprecher des Bayerischen Gemeindetages auf Nachfrage erläutert. Es habe ein prominentes Beispiel gegeben, in dem die Gemeinde, die von Hackern erpresst wurde, eine hohe Summe an die Erpresser bezahlt hätte. „Das ist ein abschreckendes Beispiel, denn das Geld war weg und es ist nichts geschehen“, sagte der Sprecher. Die Verwaltung blieb lahmgelegt, weil alles verschlüsselt worden sei. Außer Hohenpeißenberg sei ihm keine weitere Gemeinde bekannt, die Opfer der jüngsten Cyberattacke geworden ist, so der Sprecher.

Cyberangriff auf Hohenpeißenberg: Hacker dringen in Computersystem von Rathaus ein

Im Fall der Gemeinde Hohenpeißenberg waren die Hacker über das Virenschutzprogramm der Sicherungssoftware ins Computersystem des Rathauses eingedrungen. „Das war besonders perfide“, sagte Dorsch.

Mit der Firma, die die Software der Hohenpeißenberger Verwaltung betreut, sei die Gemeinde nach wie vor sehr zufrieden. Die Firma sei unverschuldet Opfer der Hacker geworden. „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es eben nicht“, so der Bürgermeister. Sobald ein kleines Türchen offen sei, hätten Hacker eine Angriffsfläche. Und eine Verwaltung, die auch auf digitalem Wege erreichbar sein wolle, könne sich nicht total abschotten.

Nachdem die Hacker alles im System der Gemeinde blockiert hatten, habe die Firma alle Verbindungen gekappt und nach und nach erst alles wieder in Betrieb genommen. „Wir haben einen Tag verloren“, sagte Dorsch. Und auch in den folgenden Tagen hätte es Beeinträchtigungen gegeben, schilderte der Bürgermeister. Dennoch: „Unterm Strich hatten wir Glück und waren nicht groß betroffen.“ Es seien keine Daten abgegriffen worden. „Es war Glück im Unglück“, sagte Dorsch.

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