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Temperatur-Rekord in Bayern: Älteste Wetterstation der Welt misst wärmsten Silvestertag seit Aufzeichnungs-Beginn

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Goldener Dezember: Wunderschöne Sonnenuntergänge gab es im letzten Monat des Jahres. © Privat

Der letzte Monat des Jahres 2021 brachte zum einen Schnee und Eis, andererseits sommerliche Wärme. Der Silvestertag war der wärmste, seit Beginn der Aufzeichnungen auf den Hohen Peißenberg in Bayern.

Hohenpeißenberg – Nach dem Schneesturm am 30. November, dem letzten Herbsttag, begann der erste Wintermonat sehr mild, denn hinter einem Sturmtief gelangte vorübergehend milde Atlantikluft in unsere Region. Die Temperaturen stiegen auf acht Grad (immer Celsius) und die Schneedecke war am 2. Dezember fast komplett weggeschmolzen. Danach drehte die Strömung sehr schnell wieder auf Nordwest, das bedeutete für das tiefer gelegene Alpenvorland nasskaltes Wetter. Auf dem Hohen Peißenberg stellten sich Frostwechseltage ein, das heißt die Temperaturen lagen tagsüber etwas über null Grad und nachts darunter. Bereits am 3. Dezember bildete sich erneut eine Schneedecke, die bis zum 23. lag.

Wetter in Bayern: Heftiger Schneefall vor Weihnachten - Weiße Decke in den Alpen bis zu einem Meter hoch

Eine für Meteorologen spannende Wetterlage stellte sich am 8. Dezember ein. Ein Tief über Oberitalien und dem Alpenraum zog vom Allgäu ins Alpenvorland, daher schneite es den ganzen Tag zeitweise stark. Die Schneedecke erhöhte sich bis zum 10. Dezember auf 25 Zentimeter. Für einige Tage war es tiefer Winter. Selbst im Flachland der östlichen Bundesländer lagen vorübergehend fünf bis zehn Zentimeter Schnee. Der Arber meldete eine Schneehöhe von 50 Zentimetern, in den die Alpen lagen 50 bis 100 Zentimeter Schnee.

Während der zweiten Dekade überwog eine Südwestströmung. Meistens gab es wieder Frostwechseltage. Vom 13. bis 23. Dezember war es trocken. Es gab kurze Föhneinschübe mit Fernsicht am 13., 14. und 17. Dezember Der 19. Dezember, der vierte Adventssonntag, war ein wolkenloser, klarer Wintertag. Für drei Tage setzte sich mit einer Nordströmung kalte Luft durch. Daher war der 21. auch der kälteste Dezembertag – das Tagesmittel betrug minus 5,3 Grad. Es waren Tage mit einem Mix aus Nebel und Wolkenmeer.

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„Weihnachtstauwetter“ in Bayern auch 2021: Kaum Sonne und Plusgrade vor den Feiertagen

Ab dem 23. Dezember setzte sich, wie so oft, pünktlich das „Weihnachtstauwetter“ durch – milde Atlantikluft aus südwestlicher Richtung sorgte dafür. In der Nacht zuvor setzten Föhn und Tauwetter ein. Die Luftfeuchten lagen nur zwischen 17 und 20 Prozent. Bis zum Monatsende blieb es frostfrei. Die letzten Schneereste auf dem Hohen Peißenberg waren pünktlich an Heiligabend weggeschmolzen. Die drei Weihnachtstage waren trüb, mild, regnerisch und stürmisch. Die Sonne zeigte sich an diesen drei Tagen nur für sechs Minuten. Die Tagestemperaturen lagen zwischen vier und sieben Grad.

Allerdings hatte sich über Weihnachten eine Grenzwetterlage ausgebildet, denn sehr kalte Luft aus Russland stieß, über Skandinavien kommend, bis zur Mitte Deutschlands vor. Das führte zu großen Temperaturunterschieden in Deutschland. Während die Tagesmaxima am ersten Weihnachtsfeiertag am Oberrhein bei plus 11 Grad lagen, herrschte im Norden und Osten Dauerfrost – nachts fielen die Temperaturen auf bis zu minus 19 Grad.

Wärmstes Silvester seit Beginn der Messung: Temperaturrekord in Bayern

Nach Weihnachten stiegen die Temperaturen mit der sehr milden Südwestströmung aus Richtung der Azoren stetig weiter an. Es regnete von 24. bis 30. Dezember täglich. Der Silvestertag bot mit wolkenlosem Wetter eine Entschädigung für das Weihnachtswetter. Vor allem das Tagesmaximum von 14,5 Grad stellte einen absoluten Temperaturrekord dar, denn noch nie gab es seit dem Jahr 1781 einen so warmen Silvestertag auf dem Hohen Peißenberg.

Der 31. Dezember 2021 entsprach temperaturmäßig dem unterkühlten 1. Juli 2021 – gleiches Tagesmaximum und Temperaturmittel. Im normaltemperierten August 2021 war es im Vergleich zur Tagesmittel-Temperatur des Silvestertages von 10,2 Grad, an vier Tagen sogar kälter. Ein Tagesmaximum von 14,5 Grad wird gelegentlich auch an manchen Sommertagen nicht erreicht. Im letzten August lag es an sieben Tagen darunter. Die Tendenz zu immer neuen Wärmerekordwerten kann in Zeiten des Klimawandels gefährlich werden. Bei entsprechender Wetterlage können die Höchsttemperaturen schnell über 40 Grad steigen und vor allem bei zunehmend stationären Wetterlagen tagelang anhalten. Das könnte die Sterblichkeitsrate in bisher nicht gekannte Höhen treiben.

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Wetter in Bayern: Dezember 2021 deutlich zu warm und mit weniger Niederschlag

Insgesamt fiel der Dezember mit einer Monatsmitteltemperatur von 1,3 Grad um 1,8 Grad zu warm aus. An 19 Tagen lagen die Minimaltemperaturen unter 0 Grad (Frosttage). Sieben Tage waren Eistage (Höchsttemperaturen unter 0 Grad). Wärmster Tag war der 31. Dezember mit 14,5 Grad, am kältesten war es am 22. Dezember mit - 7,8 Grad. Im Dezember fielen auf dem Hohen Peißenberg 76 Liter Niederschlag pro Quadratmeter und damit 115 Prozent der langjährig zu erwartenden Summe. Es fiel 15 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990. Eine Schneedecke lag an 22 Tagen, am höchsten mit 25 Zentimetern am 10. Dezember. Die Sonne hielt sich exakt an die „Vorgaben“ und schien 86 Stunden, was dem langjährigen Mittel entspricht. An sechs Tagen schien sie nicht. Die höchste Windspitze wurde am 28. Dezember mit 26 Metern pro Sekunde beziehungsweise 94 Kilometern pro Stunde gemessen. Siegmar Lorenz

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