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Historisch: Österreichische Truppen auf dem Hohen Peißenberg

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Österreichischer  Radarwagen
Österreichischer Radarwagen auf dem Hohen Peißenberg © HOC

Zum ersten Mal seit 200 Jahren waren österreichische Soldaten wieder auf dem Hohen Peißenberg im Einsatz. Wie erst jetzt bekannt wurde, überwachten sie während des G7-Gipfels den Luftraum.

Peißenberg – Es werden sich jetzt sicher einige der Landkreisbewohner fragen, warum die Soldaten auf dem Hohen Peißenberg stationiert waren – schließlich war der G7-Gipfel in Elmau im Nachbarlandkreis Garmisch-Partenkirchen und nicht im Landkreis Weilheim-Schongau. Das stimmt schon, aber dennoch war für eine Woche eine Militäreinheit auf dem Hohen Peißenberg beordert worden, um die Flugverbotszone im Luftraum zu überwachen. Diese Militäreinheit war allerdings nicht von der Bundeswehr, sondern wurde vom österreichischen Bundesheer gestellt.

Damit waren die Truppen vor Ort die ersten östereichischen Soldaten, welche seit über zwei Jahrhunderten auf den Berg kamen. Am Montagvormittag, dem 20. Juni, fuhren zwei große vierachsige Lkw und ein Begleitfahrzeug die Bergstraße hoch und parkten dann in der ehemaligen „Ami-Station“ unterhalb des Friedhofs – dort war früher für mehrere Jahrzehnte eine stationäre Abhörstation der USA in Betrieb. Im Gespräch mit den österreichischen Soldaten kam dann heraus, dass sie für den Zeitraum des G7-Gipfels die Überwachung des Luftraums übernommen haben. Die Bundeswehr ist derzeit, bedingt durch den Ukrainekrieg, mit ihren mobilen Radareinrichtungen schon anderweitig im Einsatz und hatte keine freien Kapazitäten.

Das östereichische Bundesheer verfügt ebenfalls über ein Radarbataillion und es wurde im Rahmen der „Amtshilfe“ gebeten, diese Aufgabe dann in Bayern zu übernehmen. Diese Luftraumüberwachung führten sie bis zum offiziellen Ende des G7-Gipfels mit ihren mobilen Radaranlagen rund um die Uhr durch.

Der Hohe Peißenberg bot sich für diese Aufgabe förmlich an, durch die Höhenlage und den freien Blick nach Norden und Osten kann so ein großer Teil von Oberbayern gut eingesehen werden. Die Radarantennen sind auf Auslegern befestigt und werden mittels Hydraulik hochgefahren, die Einsatzbereitschaft dieser Lastwagen kann somit schnell hergestellt werden.

Vom Hohen Peißenberg aus konnten sie ca. 80 Kilometer weit ins umliegende Land blicken und somit jedes Flugzeug orten, welches in diesen Bereich einfliegt. Die Soldaten der Spezialeinheit arbeiteten im Schichtdienst, saßen während der Dienstschicht in dem mit Technik vollgestopften klimatisierten Container und beobachteten die Bildschirme.

Soldaten rund um die Uhr bewacht

Ob der Geräuschpegel der „grünen Sonne“, die ja in unmittelbarer Nähe stattfand, bis in die Container reichte, kann nicht beantwortet werden. Für die Sicherheit der Österreicher und ihrer Fahrzeuge waren extra Polizeikräfte aus Nordbayern abgeordnet worden, welche ebenfalls im Schichtdienst den Objektschutz sicherstellten.

Die österreichischen Soldaten wurden somit von den Bayern rund um die Uhr bewacht – das Gelände ist ja immer noch von einem hohen Drahtzaun umfriedet, früher war es schließlich militärischer Sicherheitsbereich.

Am Mittwochmorgen bauten die Soldaten ihre Technik wieder ab und fuhren am Vormittag, begleitet von einer Polizeieskorte, wieder Richtung Heimat in ihre Kaserne nach Wals bei Salzburg. Zum Abschiedsbesuch bei Bürgermeister Thomas Dorsch im Rathaus von Hohenpeißenberg kurz vor der Abfahrt übergaben sie noch eine Urkunde und bedankten sich für die freundliche Aufnahme im Ort. Kein Wunder angesichts der durchaus historischen Dimension dieses besonderen Einsatzes.

Rudi Hochenauer

Österreichischer  Radarwagen
Österreichischer Radarwagen auf dem Hohen Peißenberg © HOC

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