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„Nicht die Frage, ob - sondern wann“: Wissenschaftlerin warnt vor Strom-Blackout - und startet TV-Experiment

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Sandra Kreitner ist Notfall- und Krisenmanagerin und sucht jetzt Familien der Paare für ein Fernsehexperiment zum Thema Strom-Blackout.
Sandra Kreitner ist Notfall- und Krisenmanagerin und sucht jetzt Familien oder Paare für ein Fernsehexperiment zum Thema Strom-Blackout. © Jens Wolf/dpa/Ursula Gallmetzer

Der Strom fällt aus, kurz darauf das Handynetz, kein Wasser fließt mehr und die Heizung streikt: Das können zwei Familien bei einem Fernsehexperiment erleben. Teilnehmer werden gesucht.

Hohenpeißenberg – Ein kleiner Stromausfall ist normalerweise schnell behoben und meist auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt. Ein sogenannter Blackout hingegen dauert mehrere Tage oder Wochen und betrifft große Gebiete wie ein ganzes Land oder einen kompletten Kontinent. Sandra Kreitner ist Notfall- und Krisenmanagerin beim Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen und will übernächste Woche den Ernstfall proben. „Mir ist es wichtig, dass das Thema in die breite Masse kommt“, so die Biophysikerin, die bereits selbst mit ihrem Mann und den drei Kindern getestet hat, wie das Leben im Blackout wäre.

Leben im Blackout: Zwei Familien mit Kindern aus und um Hohenpeißenberg gesucht

Sie erklärt, dass es nicht die Frage sei, ob ein solcher kommt, sondern wann. Denn Ursachen dafür gibt es mannigfaltige. Technische Gründe, menschliches Versagen, Wetterextreme, Sonnenstürme sowie Terror- oder Cyberangriffe sind nur einige mögliche Szenarien, die dafür sorgen könnten, dass die Stromversorgung ausfällt.

Ein Gaskocher, eine Powerbank, Bargeld, und eine Taschenlampe.
Ein Gaskocher, eine Powerbank, Bargeld, und eine Taschenlampe sind nur einige der Gegenstände, die bei einem Blackout nützlich sein können. © Ursula Gallmetzer

Kneitner hatte bereits im September in Hohenpeißenberg Vorträge zum Thema Blackout gehalten. Jetzt sucht sie zwei Paare oder Familien mit Kindern ab sechs Jahren aus Hohenpeißenberg oder in einer Entfernung von bis zu 30 Kilometern, die bereit sind, am Fernseh-Experiment eines großen deutschen Fernsehsenders teilzunehmen. „Wer mitmacht, muss bereit dazu sein, drei Tage auf Strom zu verzichten“, so die 38-Jährige.

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Viele Bereiche werden von dem fingierten Blackout beeinflusst: Die Heizung, Telefon und Internet, Küchen- und andere Haushaltsgeräte sind sofort aus. Auch das Einkaufen wird nicht ohne Weiteres möglich sein. Denn die Geschäfte wären im Ernstfall geschlossen. Höchstens ein Besuch auf dem Bauernmarkt ist erlaubt. Dorthin geht es wahrscheinlich zu Fuß oder mit dem Rad, denn auch Tankstellen und der öffentliche Nahverkehr sind tabu.

Leben im Blackout: Gemeinden und Feuerwehr in Experiment involviert

Doch es gibt auch Unterstützung im Ort: „Es wird die gleichen Anlaufstellen geben wie bei einer echten Katastrophe“, sagt Kreitner. Daher seien auch Gemeinde und Feuerwehr als Anlaufstellen für die Teilnehmer involviert. Diese erfahren dort zum Beispiel, wo es in Hohenpeißenberg Naturwasserquellen gibt. Denn auch die Wasserversorgung würde bei einem Blackout nach einiger Zeit zusammenbrechen.

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Beim Wasserholen jedoch wird eine Familie im Vorteil sein. Denn im Voraus wird sie mit allem nötigen Equipment für den Katastrophenfall wie einem Kanister, einem batteriebetriebenen Radio, einem Gaskocher und einer Powerbank ausgestattet. Die zweite Familie muss mit dem auskommen, was ohne Vorbereitung zu Hause vorhanden ist.

Ein Kind liest mit einer Stirnlampe Comic.
Comics lesen mit Stirnlampe: Wie es im Blackout wäre, hat Sandra Kreitner mit ihrer Familie einen Tag im Dezember getestet. © Ursula Gallmetzer

Leben im Blackout: Realistische Szenario bei Experiment geplant

Die Produktionsfirma wird gemeinsam mit Kreitner penibel auf die Einhaltung der Regeln achten. Die promovierte Akademikerin war zunächst erstaunt von der Anfrage des Senders, sie entschied sich jedoch, das Projekt zu unterstützen. Ihr ist es wichtig, dass es sich um eine seriöse Sendung handelt und sie diese mit fundierter Beratung begleiten darf. Besonderen Wert legt Kreitner darauf, dass das Szenario nicht falsch dargestellt wird. „Es soll realistisch und nicht überspitzt sein“, sagt sie. Sie wird sowohl die Vorbereitungen als auch die Durchführung aus wissenschaftlicher Sicht begleiten.

Für alle, die mitmachen möchten:

Wer von Dienstag, 19. April, bis Donnerstag, 21. April, Zeit hat und sich vorstellen kann, mitzumachen, kann sich unter stromausfall-wm-sog@gmx.de oder Tel. 0177/9658388 melden.

Gesucht werden Familien mit Kindern ab 6 Jahren aus Hohenpeißenberg oder bis zu 30 Kilometer Entfernung.

Die Privatsphäre der Teilnehmer soll gewahrt werden. „Es werden nur die Haupträume gefilmt, nicht etwa das Bad oder Schlafzimmer.“ Für die Teilnahme gibt es eine Aufwandsentschädigung. URSULA GALLMETZER

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