Das Bundeswehr-SAR-Kommando hat immer wieder bei der Bergrettung ausgeholfen. Jetzt könnte ein Hubschrauber in Altenstadt stationiert werden.  bw

Nach dem SAR-Abzug in Penzing

Hubschrauber im Anflug auf Altenstadt?

Altenstadt – Bundeswehr und Bergwacht arbeiten seit vielen Jahren bei der Bergrettung eng zusammen. Damit ist es nun vorbei: Der letzte SAR-Hubschrauber am Fliegerhorst in Penzing wurde an einen neuen Standort in Baden-Württemberg verlegt. Jetzt gibt es Bestrebungen, wieder einen SAR-Hubschrauber in der Region zu stationieren – am Bundeswehr-Ausbildungsstandort in Altenstadt.

„Ein wichtiger und zuverlässlicher Partner“, so schildert Bereitschaftsleiter Josef Schleich von der Bergwacht Steingaden-Peiting die Zusammenarbeit mit den SAR-Rettern. Die wurden vor allem dann angefordert, wenn Vermisstensuchen oder längere Einsätze anstanden oder man nachts ausrücken musste, denn da eigneten sich die nachtflugtauglichen SAR-Helikopter.

Durchschnittlich dreimal pro Jahr nahm die Bergwachtbereitschaft Steingaden-Peiting einen SAR-Hubschrauber aus Penzing in Anspruch. Für Einsätze, bei denen ein Notarzt benötigt wurde, kamen sie nicht in Frage. In solchen Fällen griff die Bergwacht auf Hubschrauber der Polizei, des ADAC (Christoph Murnau) oder auf die Bergretter aus Reutte (Tirol) zurück.

Mit der Verlegung des SAR-Kommandos (Search and Rescue) nach Niederstetten in Baden-Württemberg (im Zuge der Bundeswehr-Reform) sind Mitte Dezember die letzten zwei Hubschrauber von Penzing abgezogen worden. Damit verlängert sich die Anflugzeit ins heimische Gebirge von etwa 30 auf bis zu 90 Minuten. Eine zu lange Zeit. Deshalb gilt es fast als sicher, dass die SAR-Helikopter nicht wie bisher in der Luftbergrettung zum Einsatz kommen.

Für Einsätze bei Dunkelheit müssen Besatzung und Helikopter entsprechend ausgebildet bzw. ausgerüstet sein. Am Fliegerhorst in Penzing waren in der Regel Team und Maschine verfügbar, bei der Polizei hingegen aufgrund der vielen Einsätze nicht immer. „Im Notfall müssen die Bergwachten dann auf Hilfe aus der Luft verzichten“, sagt Klemens Reindl aus Bad Kohlgrub, als Bundesleiter Deutschlands höchster Bergwachtmann.

Einen weiteren unbezahlbaren Vorteil der SAR: „Die Bundeswehr war nicht nur ein fairer und zu 100 Prozent verlässlicher, sondern auch ein Partner, der Zeit mitbrachte“, können die Bergwachtler bestätigen. Sie stand nicht unter dem Einsatzdruck wie ein ADAC- oder Polizei-Hubschrauber. Der Pilot konnte, wurde er nicht für militärische Zwecke benötigt, vor Ort am Boden mal bis zum Einsatzende warten.

Bundeswehr-Piloten waren nicht unter Einsatzdruck wie ADAC und Polizei

„Uns fehlt ein wichtiger Partner“ – so fasst Klemens Reindl die neue Situation zusammen. Und das habe die Bergwacht der Politik auch klar gemacht, betont er. Vielleicht sogar mit Erfolg. Dem Vernehmen nach laufen Verhandlungen, ob eine Maschine am Ausbildungsstützpunkt Luftlande und Lufttransport in Altenstadt und damit nur etwa elf Flugminuten entfernt stationiert werden kann. Angeblich setzt sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann dafür ein. Er soll Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen einen Brief mit der entsprechenden Bitte geschrieben haben.

Die Pläne von einer Stationierung in Altenstadt hält Oberstleutnant Christian Schoebel, Kommandeur des Ausbildungsstützpunktes Luftlande und Lufttransport, für „durchaus realisierbar“. Dies sei das Ergebnis einer Erkundung durch SAR-Vertreter. Von den SAR-Hubschraubern in Niederstetten könnte z.B. ein Helikopter in Altenstadt „vorstationiert“ werden. Dort gibt es eine Start- und Landemöglichkeit, ebenso kann dort eine Betankung erfolgen.

„Eine solche Vorstationierung hätte für uns keine nachteiligen Folgen“, teilt Schoebel auf Anfrage der Heimatzeitung mit. Für den Ausbildungsbetrieb in Altenstadt seien die SAR-Hubschrauber allerdings weniger geeignet, weil sie nicht über die entsprechende Ausstattung verfügen. Wenn in Altenstadt für den Sprungdienst Hubschrauber benötigt werden, dann rücken sie aus Laupheim an.

Auf dem Heeresflugplatz in Niederstetten, im nördlichen Baden-Württemberg gelegen, weiß man von Überlegungen, in Altenstadt einen SAR-Hubschrauber zu stationieren, noch nichts. Wie Oberstleutnant Lars Meinzer mitteilte, sei primäre Aufgabe der SAR, nach verunglückten und vermissten Flugzeugen zu suchen. Allerdings unterstütze man sekundär auch die zivilen Rettungskräfte, z.B. die Bergwacht.

Michael Gretschmann und Katharina Bromberger

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