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Eine große Familie: Judith und Hermann Wertheimer mit ihren Bernhardinern Ursa (eingespannt) und Bine, die noch zu Jung fürs Wagen-Ziehen ist. Fahrgast durfte Wuschlhund „Motte“sein, ein Puli.

Hundezucht bei Schwabbruck

Die Bernhardiner vom Mooshof

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Mehr Wach- oder Familienhund? Der Bernhardiner kann beides, sagen Judith und Hermann Wertheimer. Seit zwei Jahren züchten sie das einstige Lasttier der schweizer Bergbauern. Gefragt sind viel Liebe, Standfestigkeit und eine extra große Wurfbox.

Gar nicht so leicht, Nerven und Gleichgewicht zu bewahren, wenn ein 60 Kilo schwerer, hüfthoher Vierbeiner 15 Meter Anlauf nimmt und ganz genau wissen möchte, was denn dieser fremde Mensch in seiner Hofeinfahrt will. Erst nach intensivstem schnuppern, schlappern, drücken und springen fährt er sein Gemüt wieder herunter – vorausgesetzt, der Fremde kommt tatsächlich nicht in böser Absicht. „Er ist definitiv beides, guter Wach- und Familienhund“, sind sich Judith und Hermann Wertheimer einig.

Die Rede ist vom Bernhardiner. Das einstige Lasttier der schweizer Bergbauern ist selten geworden. Während die Bergrettung auf leichtere Hunde setzt, ziehen die wenigen Bergbauern, die es heutzutage noch gibt, Milchkanne, Brennholz oder Zaunlatten mit Quad oder Skidoo die steilen Hänge hinauf. Kein Wunder, dass der gescheckte Sennhund mit Schwabbelschnauze und Schlapperohren vielen nur noch aus Heidi-Filmen bekannt ist.

"Sie sind zwar selten, aber sehr beliebt"

Vom Aussterben ist er aber nicht bedroht, sagt Judith Wertheimer, 56, selbst stolze Besitzerin von Ursa (fünf Jahre) und deren Tochter Bine (ein Jahr). „Sie sind zwar selten, aber sehr beliebt.“ Bestes Beispiel: Ursa vom Baronenschloß, so der vollständige Name. Die warf in der zwei mal zwei Meter großen Pferdebox vor gut einem Jahr sieben Welpen. Eines, die Bine, haben die Wertheimers behalten. Die anderen sechs wurden für jeweils 1200 Euro verkauft.

In die Schweiz, nach Österreich, in den Westerwald, nach Nürnberg und Langlingen bei Dillingen – Abnehmer fanden sich in allen Richtungen, ob Flachland oder Gebirge. „Über das Internet ist das kein Problem“, sagt Wertheimer. Trotzdem war die Überraschung groß, dass gleich alle sechs Welpen so schnell an den Mann gebracht wurden. Wertheimer ist als Bernhardiner-Züchter Anfängerin, die sich erst mal einen Namen machen muss. Aber: „Ich habe bei unserem ersten Wurf großes Glück mit dem Rüden gehabt.“

Zucht verlangt gekörte Hunde und extra große Wurfbox

Wer Bernhardiner züchtet, braucht sämtliche Zertifikate, die zum Beispiel nachweisen, dass man die Welpen richtig zu erziehen weiß. Und man braucht gekörte Hunde, die bis ins Detail durchgecheckt werden. Mit am wichtigsten: Eine Röntgenaufnahme von Hüfte und Ellbogen. „Das Ergebnis der Bilder sagt aus, wie gesund und leistungsstark der Hund ist.“ Hündin Ursa erreichte bei der Körung vor zwei Jahren nahe Coburg den Bestwert. Den gleichen Wert weist auch der Rüde vor, von dem sie gedeckt wurde. Es kreuzte sich also das Beste vom Besten, was die große Nachfrage trotz Wertheimers Anfängerstatus erklärt.

Wobei: „Geld verdient man mit der Hundezucht sowieso nicht, das ist ein reines Draufzahlgeschäft“, sagt Hermann Wertheimer (59), der das ganze vielmehr als ein aufregendes Hobby mit Herzblut sieht. Und als einen langersehnten Traum betrachtet, den sich das Ehepaar verwirklichte.

Die ehemaligen Münchner waren lange Zeit in der Telekommunikationsbranche tätig, tourten unter anderem für Siemens durch die ganze Welt. Irgendwann wurde der Stress zu viel, der Wunsch nach Ruhe und Zufriedenheit immer größer. So kauften sie vor 15 Jahren den idyllisch gelegenen Mooshof zwischen Schwabbruck und Ingenried – fernab jeglicher Zivilisation. Neben Pferden, Katzen, Enten, Hühner und einem Puli bestimmen nun Ursa und Bine den Alltag.

Ursa zieht das dreifache ihres Körpergewichts - und hat Spaß daran

Dazu gehören auch die täglichen Gassi-Fahrten über Feld und Feldweg. Ursa bettelt regelrecht um das einschirren und anspannen an den kleinen Ziehwagen, der vom Aufbau einer Pferdekutsche ähnelt. An guten Tagen darf sich Frauchen Judith sogar hineinsetzen. „Das schafft sie locker“, sagt Hermann mit der Begründung, dass ein Bernhardiner nicht nur das dreifache seines Körpergewichts (rund 180 Kilo) zieht, sondern eine gewisse Auslastung auch braucht.

„Nach rund drei Kilometern sind sie dann zufrieden.“ Und verkriechen sich brav wie die Lämmchen unter der urigen Eckbank im Wohnzimmer, wo sie schnarchend vor sich hin dösen – zumindest so lange, bis sich der nicht mehr ganz so fremde Mann wieder verabschiedet. Und aus dem freundlichen Familien- plötzlich wieder ein neugieriger Wachhund wird.

Infos zum Bernhardiner

auf www.bernhardiner-vom-mooshof.de oder www.bernhardiner.de.

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