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Zum Aufwärmen gab es für das Publikum erst einmal einen Crash-Kurs im Bauchtanz. Dann sollten die Zuschauer Stichworte zu Stücken liefern.

Improtheater im Welfen-Gymnasium

„Impro à la Turka“: Spontan auf der Bühne Vorurteile abbauen

Das Münchner Improvisationstheater „Impro à la Turka“ will, im deutsch-türkischen Austausch, Barrieren abbauen. Sie war bei der Preisverleihung der Stiftung Scheuklappen zu Gast.

Schongau – Die Mitglieder des Münchner Improvisationstheaters „Impro á la Turka“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, Barrieren abzubauen, unterhaltsam Integration zu fördern und den Dialog zwischen und innerhalb der Kulturen anzustoßen. Das Ensemble rund um Yusuf Demirkol und Ercan Öksüz bietet klassisches Improvisationstheater, wird aber größtenteils für interkulturelle Veranstaltungen gebucht.

Im Zentrum des Abends im Schongauer Welfen-Gymnasium stand der spielerische Umgang mit Vorurteilen. So stand Margit Flach als „Quotendeutsche“ mit auf der Bühne, ein Gitarrist sorgte für musikalische Untermalung. „Ich habe das Gefühl, es rockt richtig hier“, meinte Yusuf Demirkol ironisch zu den etwas verhaltenen Reaktionen des Publikums. Deshalb gab es zum Warmwerden erst einmal einen Bauchtanz-Crashkurs für alle, um die Kreativität sozusagen „von unten nach oben zu transportieren“ – und um den Darstellern zu helfen, „die Vorurteile, die wir aus München mitgebracht haben, abzubauen“.

Aus dem Publikum auf die Bühne: Salome Jensen (li.) gab Ercan Öksüz, Margit Flach und Yusuf Demirkol Vorlagen für Spielszenen.

Improvisationstheater lebt vom Augenblick und ist immer so gut wie das Publikum. Das gibt nämlich die Stichworte zu den spontan gespielten Szenen. Zum Thema Schongau gelang es den „Impro à la Turka“-Schaupielern immerhin, die Informationen „Stadtmauer“, „Lech“ und „Nachtruhe 22 Uhr“ aus den Besuchern herauszukitzeln. Und es spricht für die deutsch-türkische Impro-Gruppe, dass sie selbst aus diesen Angaben ein amüsantes kleines Theaterstück inszenierte. Dazu gab es eine kleine Spielszene passend zur Nachbarschaftshilfe, die an dem Preisverleihungsabend Thema war.

„Schongau ist ja eine Kultur für sich“, so Yusuf Demirkol und im Hinblick auf die Stiftung Scheuklappen: „Wir gründen keinen Verein, wir reißen Mauern ein.“ Passend dazu dann die Spielszene vom Ehepaar, das im Treppenhaus vor einer Türe steht. „Klingel nicht bei den Türken!“, meint sie. Er will sich aber nicht davon abbringen lassen. Immerhin riecht es so lecker, „und die laden ja gerne zum Essen ein“.

Richtig witzig wurde der Abend, als die Gruppe Salome Jensen aus dem Publikum auf die Bühne baten. Die Auszubildende war im Vorfeld dadurch aufgefallen, dass sie „gesiezt“ werden wollte. Sie sollte durch Stichpunkte zu Beruf und Freizeit die Vorlage zu gespielten Szenen liefern und diese dann durch klingeln bestätigen oder per Hupton verneinen. Dabei übernahm Margit Flach die Rolle von Salome, Ercan Öksüz die Rolle des Ausbildungsleiters und Yusuf Demirkol die der Ballettlehrerin.

Abschließend sollte das Publikum noch zu Fragen aus dem Refugee-Guide Stellung nehmen. Die Antworten lieferten wieder die Vorlage zu einem Mini-Stück mit der Erkenntnis: „In Syrien streitet man laut!“ Und ein Besucher lieferte die Steilvorlage zum Abschieds-Song: „Ich bin aus Köln!“

Ob das Kabinettstückchen geholfen hat, Vorurteile abzubauen, bleibt dahingestellt.

Ursula Fröhlich

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