Improvisationstheater im Kulze. Die Schauspieler meisterten ihre Rollen mit Bravour. Foto: rwg

Improvisationstheater im Kulze: Skurril, schräg, schlagfertig

Schwabniederhofen - Was macht man, wenn zwei Socken „Zick & Zack“ stinkig werden, wenn sie keine Geschichte erzählt bekommen? Wie löst man das Problem, wenn man einen fiktiven Kinofilm nachspielt und plötzlich der Film reißt? Ganz einfach - man improvisiert auf offener Bühne und vor gespanntem Publikum.

Natürlich ist diese Improvisation geplant, und mit was für einer Perfektion, Witz, Einfallsreichtum und hoher Schauspielkunst das bewerkstelligt werden kann, zeigten drei Schauspieler der 2006 gegründeten Münchner Theatergruppe „mixxit“ bei gleich zwei Vorstellungen im Kulze in Schwabniederhofen.

Der Nachmittag war für Kinder reserviert, und hier zeigten zunächst Schauspieler, Regisseur und Gründer der Theatergruppe, Michael Dietrich, zusammen mit der Schauspielerin und Schauspiellehrerin für Kinder und Jugendliche, Sophie Hechler, wie so richtig gutes Improtheater funktioniert.

Es scheint so einfach zu sein: den sprechenden Socken soll eine Geschichte vorgelesen werden, dazu hat man angeblich ein Buch in einem Koffer mitgebracht, der sich aber als leer herausstellt. Und nun muss dringend eine Geschichte her. Wo soll sie spielen, wer soll darin vorkommen, wie ist die Handlung. Dazu werden die Kinder befragt, und das wirklich überraschende an der ganzen Improvisation ist, dass jeder noch so kuriose Vorschlag sofort angenommen wird.

Da wird nicht gelenkt und manipuliert, um dann doch eine vorher grob geplante Geschichte zu spielen, sondern es werden die skurrilsten Szenarien zugelassen, und das macht das Ganze nicht nur unglaublich abwechslungsreich und fantasievoll, sondern man ist total erstaunt, dass eine solche Geschichte überhaupt fließend und irgendwie sinnvoll zu Stande kommen kann.

Und doch ist es so: Ein Kuckuck und ein sympathischer Staubsauger retten die Welt vor dem Rotwerden der blauen Erdbeeren in der Wichtelwelt. Und bei diesem einstündigen schauspielerischen Kunstwerk, das so gar nicht albern und unsinnig wird, haben die Kinder, die Eltern und auch die beiden Künstler selbst eine Menge Spaß und man merkte, dass Michael Dietrich auch ein Psychologiestudium hinter sich hat und Sophie Hechler Kinder zu Schauspielern ausbildet, denn es braucht neben der Schauspielerei schon eine besondere Gabe, in so einer Form auf das Publikum einzugehen.

In ähnlicher Form spielte sich die Abendveranstaltung ab. Zu Michael Dietrich und Sophie Hechler gesellten sich noch Schauspielerin Graciette Justo und der Musiker Ingo Kellner, der das Improvisationstheater in alter Stummfilmmanier musikalisch untermauerte, denn bei dieser Art von Theater wird auch viel Pantomime eingebaut.

Das gespielte Szenario entwickelte sich hier ebenso rasant, spritzig und einfallsreich. Die zahlreich erschienen Gäste durften im Vorfeld ihren Lieblingsfilm auf einen Zettel schreiben, ein Film wurde von einer „Filmfee“ aus dem Publikum gezogen und ein fiktiver Film „Mama und das Schlossgespenst“ gezogen und szenisch gespielt, bis dann der Film reißt.

Nun passiert Ähnliches wie bei der Nachmittagsveranstaltung. Auf einer Wandtafel werden Vorschläge zur Handlung notiert: es soll ein Modedesigner mitspielen, Aliens sollen dabei sein, natürlich darf Liebe und Erotik nicht fehlen, eine Verfolgungsjagd wird gewünscht, es sollte ein Drama werden, und eine Explosion wird erwartet. Und genau das sahen dann die vollkommen begeisterten Zuschauer. Das Ganze verlief so unglaublich witzig, war so schlagfertig und kurzweilig, dass man sprachlos vor diesem Improvisationstalent stand.

Sophie Hechler als esoterische Eichhörnchenretterin, war einfach umwerfend komisch. Michael Dietrich spielte einen durchgedrehten Modedesigner, der kleine Capes für Eichhörnchen webt, und Graciette Justo hatte als Eichhörnchen und als Mama-Gespenst ein unglaublich abwechslungsreiches Mienenspiel auf Lager.

Skurril, schräg, schlagfertig und auf künstlerisch hohem Niveau, so kann man die Darbietung von „mixxit“ bezeichnen. Bei diesem Improtheater wird vielleicht ein Trick dabei sein, ein Geheimnis, das nur die Schauspieler kennen, aber man will gar nicht darüber nachdenken - es ist einfach zu schön.

rwg

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