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Knapp 200 Ingenrieder ließen sich über den künftigen Dorfladen informieren.

Dorfladen für Ingenried

„Wer weiter denkt, kauft näher ein“

Tante Emma is back! Seit fünf Jahren ist ein möglicher Dorfladen immer wieder Thema in Ingenried. Jetzt wird er Wirklichkeit: Bei einer außerordentlichen Bürgerversammlung stellten Bürgermeister Xaver Fichtl, Architekt Horst Hafenmayer und Dorfladen-Papst Wolfgang Gröll das Projekt vor, das bislang hinter verschlossenen Türen geplant wurde und schon ziemlich weit fortgeschritten ist.

Ingenried – Natürlich wurde in der Bürgerschaft schon lange vermutet, dass etwas im Gange ist, seit klar war, dass der örtliche Metzger im Herbst sein Geschäft schließen wird und mit der Gemeinde in Verbindung steht. Doch da Grundstücksgeschäfte laut Gemeindeordnung nicht öffentlich behandelt werden müssen, drangen keine genaue Informationen nach außen.

„Es kursieren seit einiger Zeit einige Summen, von ganz wenig bis ganz viel. Und da wir jetzt die Zustimmung der Vertragspartner Lydia und Erwin Martin vorliegen haben, und zudem die Kostenschätzung vom Architekten, war es für uns selbstverständlich und jetzt der richtige Zeitpunkt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen“, erklärte Fichtl die Einladung zur außerordentlichen Versammlung, der knapp 200 Ingenrieder gefolgt waren. „Dieses große Interesse überrascht mich, aber im positiven Sinn“, freute sich der Bürgermeister. Diese erfuhren dann, dass das Thema seit Mai dieses Jahres aktuell ist, im Juni bereits der Kauf des Grundstücks und Gebäudes der Metzgerei grundsätzlich beschlossen wurde, der Architekt seit dieser Zeit mit im Boot ist, und im Oktober alles beim Notar fix gemacht wurde.

Ebenfalls seit Juni ist auch Wolfgang Gröll als professioneller Berater in die Planung einbezogen, der mit seiner New Way GmbH seit 20 Jahren Dorfladen-Projekte betreut. Dieser stellte dann auch in einem Sperrfeuer an Informationen die allgemeine Situation im Einzelhandel vor, nicht ohne eine gehörige Portion Witz und mit viel Überzeugungskraft. Man hätte ihm vermutlich nach seinem Vortrag auch Heizdecken abgekauft. Aber das war nicht sein Ansinnen. Vielmehr zeigte er anhand vieler positiver Beispiele auf, dass ein Dorfladen durchaus funktionieren kann: Mit der nötigen Wertschätzung der Bevölkerung, dem Engagement des Betreibers und einem klugen, individuell entwickelten Konzept.

Das Grundgerüst steht, und Architekt Hort Hafenmayer nahm die Ingenrieder mit auf einen virtuellen Rundgang durch die neu entstehenden Räume, die neben einem Lebensmittelladen auch die Produktionsstätte und einen Verkaufstresen des örtlichen Bäckers Andreas Würfl beheimaten wird.

„Das war mir ganz wichtig, dass wir keine Konkurrenz zu unserem Bäcker aufbauen, sondern ihn als Partner mit im Boot haben“, betonte Fichtl.

Doch wie soll das große Projekt finanziert werden? Das Grundstück mit Gebäude kostet die Gemeinde rund 328 000 Euro, nach Abzug des Tauschgeschäfts mit den vorherigen Besitzern, die für knapp 58 000 Euro einen Bauplatz bekommen. Der An- und Umbau ist mit rund 800 000 Euro veranschlagt, also ein Millionen-Projekt.

In diesem Gebäude in Ingenried soll der Dorfladen entstehen.

Doch die Ingenrieder werden das ohne Kreditaufnahme stemmen, wie Fichtl stolz verkündete. Denn: Der Grundstückskauf wird aus dem Erbe der Eheleute Schultes gestemmt, die ihr Vermögen der Gemeinde unter der Auflage, damit den Kindergarten zu unterstützen oder eben einen Dorfladen zu installieren, vermacht hatten. Aus dieser Summe bleiben sogar noch 25 000 Euro übrig, die in den Umbau einfließen werden. Zudem kommen 150 000 Euro aus der Dorferneuerung, 70 000 Euro Mehrwertsteuer-Erstattung und 36 000 Euro Mietvorauszahlung von Würfl. Bleiben für den Gemeindehaushalt noch 544 000 Euro, die zu stemmen sind. Diese können aus den Rücklagen finanziert werden. „Das heißt, dass wir die letzten Jahre ganz gut gewirtschaftet haben“, freute sich der Bürgermeister.

Eine weitere finanzielle Stütze könnte das so genannte Leader-Projekt werden, Voraussetzung hierfür wäre allerdings eine rege Bürgerbeteiligung. Um diese ins Rollen zu bringen, versuchen drei Gemeinderäte, einen Arbeitskreis ins Leben zu rufen. Dieser trifft sich am kommenden Donnerstag, 16. November, um 20 Uhr im ersten Stock der Mehrzweckhalle. Eingeladen sind alle Bürger, die sich mit Ideen einbringen möchten.

Dass die Idee, einen Dorfladen in der Mitte des Ortes in einem bereits bestehenden Gebäude zu verwirklichen, große Zustimmung erfährt, zeigte sich bei den anschließenden Wortmeldungen, die nur voll des Lobes waren. Muss nur noch der Laden später genauso gut angenommen werden. Frei nach dem Motto: „Wer weiter denkt, kauft näher ein.“

Christine Wölfle

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