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Auf der Baustelle: (v.l.) Claudia Knopp, Fritz Raab und Holger Poczka von der Eva stehen dort, wo in den kommenden Monaten die neue Presswasservergärungsanlage entsteht.

Erbenschwang

Aus Müll-Resten wird Biogas

Das Potenzial des Restmülls noch effektiver nutzen soll eine Pilotanlage, die derzeit in Erbenschwang gebaut wird. Mit Hilfe der sogenannten Presswasservergärung kann der organische Anteil genutzt werden, um Strom aus Biogas zu erzeugen; außerdem helfe es, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, so Fritz Raab, Geschäftsführer der EVA.

Erbenschwang – Fritz Raabstellte die neue, rund vier Millionen Euro teure Pilotanlage vor, die derzeit in Erbenschwang gebaut wird. Was wir tagtäglich in die Mülltonne schmeißen, ist kein wertloser Unrat. Lässt man die Wertstoffe einmal unberücksichtigt, besitzen Straßenkehricht, Küchenabfälle wie Fleischreste oder das gebrauchte Taschentuch und sonstiger Müll, den man nicht weiter trennen kann, noch ein erhebliches Potenzial. Immerhin so viel, dass man mit dem richtigen Verfahren daraus Strom gewinnen, Heizöl und Gas einsparen und im Endeffekt Millionen Kilogramm Treibhausgasemissionen einsparen kann. Diese Rechnung machte Fritz Raab bei Vorstellung der Jahresbilanz 2017 auf, zu der der Geschäftsführer der Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft mbH mit seinem Stellvertreter Holger Poczka eingeladen hatte.

Schon heute können fast 90 Prozent unseres Mülls verwertet, nur noch ein geringer Anteil muss deponiert werden. Mit den heizwertreichen Abfällen werden in Erbenschwang schon die so genannten Ersatzbrennstoffe hergestellt. Das neue Verfahren nutzt den organischen Anteil des verbleibenden Mülls (die Fraktion kleiner 60 Millimeter), der bislang kompostiert wurde, um durch Vergärung Biogas zu gewinnen. Das wird zuerst gebunkert und dann über einen Gasmotor zu Strom und Wärme.

Damit, so Raab können rund 2500 Megawattstunden Strom produziert werden, die 80 Prozent des Bedarfs von Erbenschwang decken. Außerdem werde man den Bedarf an Erdgas um zehn und den an Heizöl um 100 Prozent reduzieren und noch 800 Megawattstunden Strom pro Jahr für Dritte bereitstellen können.

Im Prinzip funktioniert das Verfahren, bei dem der Müll mit Wasser angereichert und in mehreren Fermentern vergoren wird, wie eine Biogasanlage. Wobei Raab betont, dass dafür keine Lebensmittel wie Mais, sondern nur der Müll benötigt wird. Man könne durch die Nutzung der Abwärme weitere 3000 Megawattstunden aus fossilen Energieträgern einsparen und zudem den Heizwert der Ersatzbrennstoffe um weitere 25 Prozent erhöhen. Man habe lange nach einen „robusten“ Verfahren gesucht, so Poczka, das es mit dem Restmüll aufnehmen kann.

Nach dem Baubeginn derzeit, soll die Anlage in gut einem Jahr den Betrieb aufnehmen, sehnsüchtig erwartet von anderen Deponiebetreiben in ganz Deutschland. Auch weil es eine Pilotanlage ist, ausgelegt für den Restmüll aus dem Landkreis und Bad Tölz-Wolfratshausen, erhält die EVA GmbH eine Förderung vom Umweltministerium von knapp einer Million Euro. Außerdem wird die Universität Rostock den Betrieb wissenschaftlich begleiten.

Oliver Sommer

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