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Der Spezialtransport mit den beiden Kesseln war über Nacht in Erbenschwang angekommen. Am Tag wurden die Kessel der Firma Sutco dann mit Hilfe zweier Mobilkrane entladen.

Presswasservergärungsanlage in Erbenschwang

Halbzeit beim Vorreiterprojekt

Fünf Monate nach Baubeginn nimmt die Presswasservergärungsanlage auf dem Gelände der Abfallentsorgung in Erbenschwang Form an. Gerade wurden zwei Fermentertanks geliefert, noch fehlt der Gasmotor, der Strom und Wärme erzeugen soll. Wenn nichts dazwischen kommt, könnte im Frühjahr der Probebetrieb beginnen.

Erbenschwang – Der Unterschied ist auffallend: Wo im Juni nur eine planierte Fläche anzeigte, wo die neue so genannte Presswasservergärungsanlage hinkommen soll, recken sich mittlerweile drei der insgesamt fünf Fermentertanks in den Himmel. Inmitten der großen Betonwanne, die ein Einsickern von Flüssigkeiten in den Boden verhindern soll, stehen der große Rührkesselfermenter und die beiden Biofilmfermenter, daneben ist der Technikcontainer entstanden. Auch die Trocknungsanlage für die Ersatzbrennstoffe (EBS), die von Erbenschwang aus beispielsweise zu UPM geliefert werden, steht schon. Hier werden die EBS weiter getrocknet, ihr Brennwert somit gesteigert. Auch der Grundriss für den großen Gasbunker ist fertiggestellt, hier wird künftig das Gas, das in der Anlage erzeugt wird, gebunkert, bevor es verbrannt wird. Damit könne man eine konstante Verarbeitung garantieren, so Fritz Raab, Geschäftsführer der EVA GmbH.

Wie berichtet, ist die Anlage, die hier an die Mülltrennung angehängt werden soll, einmalig auf der Welt. Bislang musste das Material, das nicht zu Ersatzbrennstoffen verarbeitet werden kann, auf die Rotte, also quasi kompostiert werden. Nun wird dieser organische Anteil des Restmülls – Zellstoffe und andere verrottbare Stoffe – mit Hilfe von Wasser zu einer vergärbaren Flüssigkeit. In den Fermentertanks erzeugen Bakterien dann Methangas, das verbrannt werden kann. Im Prinzip entsteht hier eine Biogasanlage, allerdings nicht für Gülle oder Mais, sondern eben für Restmüll. Das sei auch die besondere Herausforderung gewesen, erzählt Holger Poczka, Raabs Stellvertreter und Projektleiter, dem Restmüll die abrasiven und nicht verwertbaren Anteile zu entziehen, die die Anlage beschädigen könnten.

Zuvor allerdings musste die Mülltrennungsanlage selbst umgebaut werden. Einen guten Monat lang stand die Sortierung, wurde nur die Fraktion größer 60 Millimeter wie bisher zu Ersatzbrennstoffen verarbeitet. Der gesamte Rest wurde wochenlang mit Lkw nach Augsburg zur Müllverbrennung geschafft. Künftig wird dieser Anteil weiter aufgeteilt und gelangt dann über Rohrleitungen in die neue Presswasservergärung. Dort verrichten dann die Bakterien ihre Arbeit, in den Fermentertanks entsteht ein Gas-Wassergemisch, das im Rührkesselfermenter getrennt wird in die flüssige und die gasförmige Fraktion. Das Gas wiederum wird im Blockheizkraftwerk, das Teil der Anlage ist, verstromt. Dabei entsteht neben der Energie – rund drei Millionen Kilowattstunden – auch annähernd so viel Wärme, die zu 70 bis 80 Prozent zur Deckung des Eigenbedarfs herangezogen werden soll. Heißt in der Konsequenz, dass der Strom für den Anlagenbetrieb und die Wärme für die Trocknung der Ersatzbrennstoffe genutzt wird.

Eine vergleichbare Anlage gibt es noch nicht, deshalb wird der Bau und Betrieb durch das Umweltbundesamt begleitet und bezuschusst. An der Uni in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) läuft parallel dazu die wissenschaftliche Begleitung. Man müsse erst Erfahrungen sammeln, so Poczka. Der Gasbunker etwa ist ausgelegt, um etwa einen Tag Versorgungssicherheit für den Gasmotor zu gewährleisten, der in der Anlage nicht benötigte Strom kann ins Netz abgegeben werden.

OLIVER SOMMER

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